Zweimal geboren

 

Vor einiger Zeit stellte ich einer Anzahl Menschen die Frage: "Sind Sie ein Christ?" Die Antworten fielen ganz unterschiedlich aus.

 

Einige sagten: "Ja, ich denke schon." - "Wie meinen Sie das?", fragte ich weiter. "Nun ja, ich gehe regelmäßig in die Kirche!" - "Aber das sagt noch nichts. Sogar Satan konnte vor Gott erscheinen, ohne sich zu ändern. Sie können in die Kirche gehen und trotzdem so gottlos und schlecht bleiben wie nur möglich."

 

Andere sagten: "Ich bin getauft." - "Aber die Taufe ist keine Neugeburt. Sie gibt Ihnen kein neues Leben, mit dem Sie vor Gott bestehen können."

 

Einige antworteten auf meine Frage: "Mein Vater und meine Mutter sind Christen, ich bin also auch als Christ geboren." Aber der Psalmdichter sagt dazu: "In Ungerechtigkeit bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen" (Psalm 51,7).

 

Darum erklärt Jesus Christus: "Ihr müsst von neuem geboren werden." Nikodemus, ein sehr religiöser Mensch, kam in Verlegenheit, als er über diese Worte nachdachte. Deshalb fragte er: "Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist?" Darauf erwiderte der Herr: "Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen." (Johannes 3,3-5).

 

Die wichtigste Frage stellt sich auch uns: "Bin ich aus dem Geist geboren? Habe ich neues Leben?" Diese Frage ist so lebenswichtig, dass es höchst gefährlich ist, sich in diesem Punkt zu irren.

 

"Von neuem geboren sein" wird in der Bibel auch als "aus Gott geboren sein" bezeichnet. Das ist etwas ganz anderes als die natürliche Geburt des Menschen. Es ist eine Geburt von oben her. Sie findet statt, wenn ein Mensch an Jesus Christus glaubt und ihn als seinen persönlichen Heiland annimmt. Das schließt die Erkenntnis ein: Ich bin vor Gott ein schuldiger Sünder! Es beinhaltet auch den Glauben: Der Herr Jesus hat am Kreuz als mein Stellvertreter für mich die Strafe erduldet.

 

Man hat schon gesagt:

"Wer zweimal geboren wird, stirbt nur einmal. Wer nur einmal geboren wird, stirbt zweimal."

 

Das erste trifft auf alle zu, die von neuem geboren sind. Sie besitzen ewiges Leben. Wenn sie sterben, gehen sie zu ihrem Erlöser heim. Aber ins ewige Gericht Gottes kommen sie nicht, weil sie davon freigesprochen sind.

 

Das zweite betrifft alle, die nie die Neugeburt erfahren, weil sie nie an den Herrn Jesus als ihren persönlichen Heiland geglaubt haben. Sie sterben zweimal - zuerst erreicht sie der leibliche Tod und dann der geistliche Tod. Sie werden in der Hölle ewig von Gott getrennt sein und eine unaufhörliche Strafe erleiden. "Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein."

aus "Sinnlos? Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Beröa-Verlag, 5. Auflage 2021

Die Sünde in uns

 

Yehiel De-Nur, der das Konzentrationslager überlebt hatte, trat beim Prozess gegen Eichmann in Tel Aviv als Zeuge auf. Ein Ausschnitt aus dem Film dieses Prozesses von 1961 zeigt De-Nur, wie er den Gerichtssaal betritt. Plötzlich bleibt er stehen. Er sieht Eichmann zum ersten Mal wieder, seit die Nazis ihn 18 Jahre zuvor nach Auschwitz gebracht hatten. De-Nur beginnt fassungslos zu weinen und fällt dann bewusstlos zu Boden. Was war es, das De-Nur so überwältigte? Hass? Angst? Abscheuliche Erinnerungen? Nein!

 

Wie er später erklärte, wurde ihm plötzlich bewusst: Eichmann ist jetzt nicht mehr der allmächtige Offizier, der so viele grausam in den Tod geschickt hat. Dieser Eichmann ist ja ein gewöhnlicher Mensch! "Ich hatte Angst vor mir selbst", sagte De-Nur. "Ich erkannte, dass ich auch fähig wäre, so etwas zu tun. Ich bin... genauso wie er."

 

Eine schreckliche Entdeckung! "Eichmann" ist in jedem von uns. So ist die menschliche Natur in Wirklichkeit - böse, grausam, abscheulich. Die Sünde ist in jedem von uns! Wir haben nicht nur die Möglichkeit zu sündigen, sondern tragen die Sünde selbst in uns.

 

Charles Colson war Berater des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon. Er beteiligte sich auch am berüchtigten Watergate-Skandal von 1973, als die Regierung im Wahlkampf ihre Macht zugunsten von Nixon missbrauchte. Colson erzählt:

 

"In den turbulenten Tagen von Watergate saß ich eines Abends allein in meinem Wagen. Da sah ich plötzlich deutlich und schmerzhaft meine eigenen Sünden vor mir stehen - nicht nur die schmutzige Politik, sondern den Hass, den Trotz und das Böse tief in mir verwurzelt. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich durch und durch schuldig. - völlig unrein. Und das Schlimmste von allem war: Ich konnte nicht entkommen!

 

Diese plötzliche Erkenntnis erschütterte mich - trieb mich aber unwiderstehlich in die Arme des lebendigen Gottes. Ich schrie zu Gott, flehte um Vergebung und nahm Zuflucht zum Erlöser Jesus Christus, der am Kreuz für mich sein Leben gegeben hat. So fand ich Frieden mit Gott. In den folgenden Jahren ist mir meine eigene sündige Natur noch deutlicher bewusst geworden. Aber ich habe auch erkannt: Wenn es etwas Gutes in mir gibt, kommt es nur vom Herrn Jesus, der mein persönlicher Heiland ist."

 

Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.

1. Johannes 1,7

aus "Sinnlos? Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Beröa-Verlag, 5. Auflage 2021

 

Der Adler und die Otter

 

Auf einer Wanderung in den Bergen stand ich still, um die prächtige Aussicht zu bewundern. Da konnte ich gerade beobachten, wie ein Adler von einem Felsvorsprung abhob und sich in die Höhe schwang. Mit kraftvollen Flügelschlägen schraubte er sich höher und höher hinauf.

 

Doch was war das? Plötzlich schwankte der prächtige Vogel. Er schlug noch ein paarmal verzweifelt mit seinen Flügeln und stürzte dann pfeilschnell hinunter. Auf einer Felsplatte blieb er liegen. Sie war nicht sehr weit von mir entfernt. So versuchte ich die Stelle zu erreichen, weil mich die Ursache für den Absturz des Riesenvogels interessierte.

 

Als ich hinzukam, stellte ich fest, dass der Adler tot war. Ich ergriff einen seiner mächtigen Flügel - da erschrak ich. Eine kleine Otter schoss darunter hervor und verschwand blitzschnell in einer Felsspalte. Verblüfft stand ich da. Nun hatte ich des Rätsels Lösung gefunden. Die giftige Schlange hatte sich am Vogel festgebissen und ihn in seinem Flug mit dem Biss getötet.

 

Wir können den Menschen mit diesem Adler vergleichen, der sich über die Berggipfel hinaufschwingt. Es geht immer höher hinauf, der Sonne entgegen. Doch es gibt auch eine Otter, die ihm mit ihrem Biss das tödliche Gift einspritzt. Die Schlange ist ein Bild des Teufels. Das Gift ist die Sünde.

 

Wir sind alle gebissen worden. Wir haben alle das Sündengift in uns. Darum werden wir - genauso wie der Adler - abstürzen.

 

Die Bibel erzählt uns von Menschen, die von Schlangen gebissen wurden. Es waren tödliche Bisse, Heilung war ausgeschlossen. Jeder hätte sterben müssen.

 

Gott gab jedoch ein Heilmittel. Kein Heilkraut und keine Medizin, um dem Gift entgegenzuwirken oder das Blut der Patienten zu reinigen. Nein! Gott ordnete an, eine Schlange aus Kupfer zu machen und sie an einer langen Stange zu befestigen - hoch genug, damit alle sie sehen konnten. Jeder, der auf diese Schlange schaute, wurde geheilt. Das Gift hörte auf zu wirken.

 

Der Herr Jesus bezieht sich auf diese Begebenheit und illustriert damit, was mit Ihm geschehen und was Er vollbringen würde.

 

Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Johannes 3,14.15

 

Jesus Christus selbst und sein Erlösungswerk am Kreuz ist das Heilmittel gegen das Sündengift in uns. Darum sagt ein Dichter:

Ein Blick zu dem Kreuze, im Glauben getan,

bringt Leben und ewiges Glück.

Komm, richte doch heute dein Auge dorthin

und wende dich ja nicht zurück!

 

Kein anderes Mittel kann den tödlichen Absturz verhindern - sie sind alle nutzlos. Gott gibt Ihnen das einzige Heilmittel: Schauen Sie im Glauben auf Jesus Christus und sein Kreuz!

 

Es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen.

Apostelgeschichte 4,12

aus "Sinnlos? Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Beröa-Verlag, 5. Auflage 2021

Eine Stimme aus dem Radio

 

In der Zeit, als das Radio aufkam und noch nicht alles einwandfrei funktionierte, lud eine Familie ihren Verwandten ein, um mit ihm abends das Radioprogramm zu hören. Schon bevor dieser kam, mussten sie verärgert feststellen, dass das Gerät wegen einer Störung stumm blieb.

 

Sie bemühten sich, den Defekt zu beheben, aber ohne Erfolg. Der erwartete Besuch traf pünktlich ein, nicht aber die vorgesehene Abendunterhaltung. Sie versuchten noch dieses und jenes, doch ihr gemeinsames Herumbasteln führte zu nichts. Sie konnten dem Gerät keinen Ton entlocken.

 

So ließen sie den Kasten stehen und setzten sich in die Sessel, um zu plaudern. Der Besucher war ein entschiedener Atheist. Die Unterhaltung war noch nicht lange im Gang, als sich ihm Gelegenheit bot, seine Ansichten zu äußern. Er begann über jeden Gedanken an Gott herzuziehen und bekannte sich kühn zu seinem Unglauben. Vehement leugnete er die Existenz eines solchen Wesens. Er machte sich mit dem törichten Menschen in Psalm 14 eins und behauptete lautstark: "Es gibt keinen Gott!"

 

Kaum hatte er vollmundig diese Worte ausgesprochen, als plötzlich eine Stimme aus dem Radio ertönte. Klar und eindringlich sprach sie die Worte aus: Im Anfang schuf Gott... Ebenso unerwartet wie sie sich gemeldet hatte, verstummte die Stimme wieder.

 

Warum das Radio plötzlich funktionierte und genauso plötzlich wieder schwieg, können wir nicht sagen.

 

Doch eins wissen wir: Auf die vielen Worte, womit der Atheist seinen Unglauben behauptete, kam mit vier Worten aus der Bibel prompt die Antwort. Sie hatte eine verblüffende Wirkung. Der Gottesleugner sagte nichts mehr. Er nahm schweigend seinen Hut und verließ das Haus seiner Verwandten, die ebenfalls sprachlos, aber tief beeindruckt waren.

 

Wir zweifeln keineswegs, dass dieser Zwischenfall ein Eingreifen Gottes war. Nur zwei Sekunden lang funktionierte das Radio. Doch diese zwei Sekunden passten so genau in die abendliche Unterhaltung, dass im richtigen Augenblick die rechten Worte ertönten.

 

Im Anfang ... GOTT. Gehen Sie gedanklich zum entferntesten Punkt in der Vergangenheit zurück, den Sie sich vorstellen können: Gott ist schon da. Denken Sie vorwärts zum entferntesten Punkt in der Zukunft - auch dort ist Er. Vor diesem ewigen Gott müssen wir alle einmal Rechenschaft ablegen.

 

Der Psalmdichter David fragte: "Wohin sollte ich gehen vor deinem Geist und wohin fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich auf zum Himmel: Du bist da; und bettete ich mir im Totenreich: Siehe, du bist da" (Psalm 139,7.8). Er kam zum Schluss: Gott ist überall. Auch für uns alle ist das heute wahr. Keiner kann Gott entfliehen.

 

Weshalb wollen wir Ihm eigentlich davonlaufen? Warum weigern sich so viele Menschen, an Gott zu denken? Die Antwort ist einfach: Wir sind Sünder! Unser belastetes Gewissen macht uns zu Feiglingen. Gott ist heilig! Er steht immer zur Wahrheit und Gerechtigkeit. Darum können nur Menschen in seiner Gegenwart bestehen, die durch das Blut des Herrn Jesus erlöst sind. Wer vertrauensvoll sagen kann: "In Jesus Christus habe ich die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade" (Epheser 1,7), der hat kein Verlangen, vor Gott zu fliehen. Im Gegenteil, ein solcher denkt mit Freude an Gott, denn er hat ihn wirklich kennengelernt.

 

Jeder Mensch kann zu Gott kommen - aber nur durch Jesus Christus:

 

Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle. - 1. Timotheus 2,5.6

 

aus "Sinnlos? Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Beröa-Verlag, 5. Auflage 2021

"Ich kann Gott nicht mehr lieben!"

 

Der berühmte Maler Paul Gauguin verließ seine Frau und seine vier Kinder. 20 Jahre lang kümmerte er sich nicht um das Wohl seiner Familie. Da erreichte ihn die Nachricht vom Tod seiner Tochter Aline. Darauf schrieb er an seine Frau: "Ich habe meine Tochter verloren - ich kann Gott nicht mehr lieben." Als seine Frau den Brief gelesen hatte, rief sie empört: "Sein schrecklicher Egoismus macht mich wütend - jedes Mal, wenn ich daran denke!"

 

"Ich kann Gott nicht mehr lieben!" Gauguin ist nicht der Einzige, der diese Worte ausgesprochen hat. Tausende sagen das Gleiche, verbittert und völlig zerschlagen durch das Böse, das sie in ihrem Leben erfahren müssen. Warum, warum? Zahllose Fragezeichen bilden eine Mauer, durch die sie sich bis zum Ersticken eingeschlossen fühlen.

 

"Ich kann Gott nicht mehr lieben." Dieser Ausspruch von Gauguin erstaunt eigentlich nicht. Wen konnte er denn lieben? Seine eigene Frau und seine Kinder, die auf der Erde als Erste Anspruch auf seine Zuneigung gehabt hätten, anscheinend auch nicht. Aber Gauguin bereitet es keine große Mühe, sich selbst zu lieben.

 

Das ist der Kern der Sache. Was erwarten wir eigentlich von Gott? Wer Ihn einem Kellner gleichstellt, den man nur mit einem Wink zu sich ruft, um sofort nach den eigenen Wünschen bedient zu werden - der wird enttäuscht. Oft denken und handeln wir aber ähnlich: Wenn in unserem Leben Schwierigkeiten auftreten, soll Gott sie umgehend lösen. Tut Er es nicht - dann sind wir mit Ihm am Ende. Wir können Ihn nicht mehr lieben. Punkt, Schluss. Das ist doch purer Egoismus!

 

Nun kommt aber das unglaublich große Wunder. Gott liebt uns trotzdem! Solchen egoistischen Menschen, die an nichts anderes denken können als an sich selbst, gilt die Liebe des allmächtigen Gottes. Können Sie das begreifen? Ich nicht. Aber die Bibel sagt es! Und Millionen Menschen haben die Liebe Gottes als Wirklichkeit erfahren.

  

Darin besteht die Liebe –

nicht daß wir Gott geliebt haben,

sondern daß er uns geliebt hat

und seinen Sohn gesandt hat

als Sühnopfer für unsere Sünden.

1. Johannes 4,10

 

Das ist Gnade - völlig unverdiente Liebe. Damit wir diese Liebe aber erfahren, muss sich bei uns etwas ändern. Denn solange wir uns im kleinen Kreis unseres eigenen Ichs drehen, werden wir nie den Zugang zu Gottes Liebe finden. Das kann nur geschehen, wenn wir uns wirklich zu Gott bekehren.

 

Bekehrung ist eine totale, unbedingte Umkehr. Wir müssen vom "hohen Ross", auf dem wir so gern sitzen, herabsteigen und uns vor Gott tief beugen. Es muss uns auch bewusst werden, wie schrecklich Ihn unsere zahllosen Sünden gekränkt haben. Zu diesen Sünden gehören auch unser Hochmut und unsere Selbstsucht - sie sind vielleicht die schlimmsten.

 

Erst wenn wir als Sünder vor Gott niederknien und uns klar wird, dass wir nicht seine Liebe, sondern sein Gericht verdient haben - erst dann sind wir so weit, dass Gott uns Gnade erweisen kann. - Und Er tut es gern.

aus "Sinnlos? Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, Beröa-Verlag, 5. Auflage 2021