Er weiß am besten, was dir am nützlichsten ist!

Ohne Mich könnt ihr nichts tun! Joh. 15,5

 

Im Grundtext steht eine doppelte Verneinung, welche ausdrückt durchaus nichts“. Wir wollen nicht vergessen, dass der Herr selber hier sagt: Ihr könnt durchaus nichts tun!“ Und Er hat hier noch ein Bild hinzugefügt, das aufs Stärkste dieses „durchaus nichts“ unterstreicht, nämlich in jener vom Weinstock abgebrochenen Rebe, die auf der Erde liegt und verdorrt. Denn es ist ja wahrlich unmöglich, dass eine Rebe in diesem Zustand Frucht bringen kann. Von einer solchen sagt Jesus: „Gleichwie die Rebe von selber keine Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibt denn in Mir.“ Alles Beten, aller Ernst, aller Kampf und Streit ist fruchtlos, bis ihr in Mich hineingepfropft seid. Ihr könnt keine Frucht bringen, ihr bleibt denn in Mir. Und der Apostel sagt: „Wir sind nicht tüchtig von uns selber, etwas zu denken als von uns selber.“

 

Bedenke, wenn man nicht einmal seine Gedanken in der Gewalt hat, was kann man dann tun?

 

Derselbe Apostel sagt auch, dass Gott uns sogar den guten, aufrichtigen Willen geben muss. „Gott ist es, der in euch wirket beides, das Wollen und Vollbringen, nach Seinem Wohlgefallen.“ Und dieses bewirkt Er in den gedemütigten Seelen, die aus allen ihren fruchtlosen Bemühungen gelernt haben, dass sie gar nichts vermögen. Wenn sie Seine Stimme hören und sich zu Jesus bekehren lassen, dann macht ER sie lebendig in Ihm. Wenn sie aber selber streiten und wirken wollen, dann muss noch alles Böse über sie herrschen.

 

Das hatte ein alter Christ gelernt, als er einem jüngeren Bruder, der über seine jämmerliche Ohnmacht in den Kämpfen klagte, die wundersame Antwort gab: „Es ist ja nicht möglich, dass du siegen kannst, während du streitest.“ Da dieses gar zu ketzerisch erschien, fügte der Alte hinzu: „Solange du streitest, meine ich, solange dein eigenes Ich eine Kraft noch unversucht hat und durch dieselbe zu überwinden gedenkt.“ Du sollst zunichtewerden. Dann kommt der Herr und fragt dich: Hast du noch irgendeine Kraft zu versuchen? Kannst du selber noch etwas tun? Antwortest du nun von Herzen: „Nein, ich bin verloren, es ist aus mit mir“, alsdann spricht der Herr: „Dann kann Ich dich aus dem Schlamm ziehen und deine wankenden Füße auf einen Felsen stellen, wo du gewisse Tritte tun kannst.“

 

So beruht alles Leben, alle Lust und Kraft, Frucht zu bringen, auf dem Verbleiben in Christus.

 

Wenn ich das selige Geheimnis in meinem Herzen habe, dass ich in der Freundschaft Gottes bin, der mir alle meine Sünden vergeben hat, und dass ich von Christus einen so unaussprechlich großen Dienst und Nutzen habe, dass mir keine Sünde zugerechnet wird, sondern dass ich in einem Verhältnis beständiger Schuldenfreiheit stehe, als ob nichts Sünde wäre, als ob uns nie ein Gesetz gegeben wäre — weder ein noch zehn Gebote —, dann wird dieser Herr mir wahrlich lieb, und dann kümmere ich mich wenig um die ganze Welt, dann will ich für meinen Herrn leben, dann bekenne ich Ihn mit Wort und Beispiel und „tue jetzt mit Freuden das, was mir zuvor schwer war“.

 

Ich bin zwar nicht von dem unreinen und widerspenstigen Fleische befreit, aber in dieser Glaubensvereinigung mit dem Heiland liegt doch die eigentlich fruchtbringende Kraft. Zudem kann ich jetzt erst recht gegen alles Böse beten, denn ich bete jetzt im Glauben und in Jesu Namen und nicht in der selbstgerechten Absicht, die zuvor bewirkte, dass der Herr mich nicht erhören konnte, weil dann meine selbstsüchtige Einbildung Nahrung erhalten hätte. Jetzt habe ich alles in der Gnade des Herrn und blicke nur auf Sein Wohlgefallen; und dann gilt das, was der Herr sagt: „So ihr in Mir bleibet und Meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ Was du auf diesem Wege, nämlich durch das Bleiben in Ihm, nicht erlangst, das befiehl Seiner Weisheit und Seinem Wohlgefallen. Wenn ER wollte, könnte ER dich wohl ganz heilig und engelrein machen; aber ER weiß am besten, was dir am nützlichsten ist.

 

Du antwortest: Der Heilige kann doch nicht das Böse wollen; gewiss muss der Fehler bei mir liegen, wenn ich diese oder jene Kraft nicht empfange!“ - Wahrlich, der Fehler liegt gewiss bei dir, aber dann ist es ein Fehler, den Christus erwähnt hat. Willst du z.B. in deiner eigenen Stärke, aber nicht in Seiner Gnade leben, dann ist dies der Fehler. Wegen einer solchen Neigung ließ ER Petrus vom Satan gesichtet und Paulus von einem solchen mit Fäusten geschlagen werden, um ihn zu lehren, sich nicht zu überheben. ER sprach: „Lass dir an Meiner Gnade genügen, denn Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Dieses Mal war es dem Paulus heilsamer, die Schwachheit und nicht die Stärke kennenzulernen. - Oder du willst in Eitelkeit oder in einem zerstreuten, weltlichen Geist leben und dich nicht dicht an den Heiland halten - willst du dabei aber doch in deiner eigenen Kraft einen tätigen und christlichen Wandel führen -, dann ist dies der Fehler, weil die Früchte dann sogleich schwinden, wie der Herr spricht: „Gleichwie die Rebe von selber keine Frucht bringen kann“. Und wenn du im Unglauben und in der Knechtschaft liegst, kannst du auch keine Frucht bringen.

 

Hieraus folgt, dass es keinen anderen Rat gibt, als fortwährend in Jesus zu bleiben.

 

Denn wohin solltest du sonst fliehen, wenn deine Kraft so schwach und jämmerlich ist? Er ist der einzige, der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat! ER ist der einzige Schlangenkopfzertreter, der gekommen ist, die Werke des Teufels zu zerstören.

 

 

Suche darum nur noch näher mit Ihm vereinigt zu werden und zu einem noch gewisseren Glauben zu gelangen!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Abschied vom ICH, Alten Adam, Eigenliebe, Eigenleben! 

Ich ermahne euch, liebe Brüder, dass ihr eure Leiber zum Opfer begebet. - Röm. 12, 1

 

Mit diesen Worten hat Paulus den falschen Vorwand aller Weltmenschen vollständig entkräftet, dass sie Gott lieben und fürchten, obwohl sich dies nie in ihrem Lebenswandel zeigt, weil sie mit dem Leibe in ihrem ganzen Wesen der Sünde dienen. Mit diesen Worten vor Augen kann man antworten: „Dass du an Gott glaubst, Ihn fürchtest und liebst, kann ich nicht wissen, wenn du es nicht dadurch zeigst, dass du deinen Leib und seine Glieder dem Herrn auch zum Dienst ergibst.“ Alle Menschen halten sich selbst für gut oder erklären, dass sie Gott fürchten und lieben, während sie doch weithin frei und ungezügelt der Sünde und den Götzen dienen. Da sagt der Apostel: „Nein, das heißt nicht dem Herrn dienen. Ihr sollt Ihm eure Leiber zum Opfer begeben und Ihm mit euren Gliedern dienen. Durch diese sichtbaren Opfer wird sich eure Liebe zu Ihm beweisen.

 

Lasst uns jetzt etwas tiefer betrachten, wie dieses zugeht, dass wir unsere Leiber Gott dem Herrn opfern. Gewiss haben viele Christen auch in buchstäblicher Bedeutung des Wortes ihre Leiber zum Opfer gegeben, indem sie als Märtyrer um Christi willen ihre Leiber verbrennen oder sie in anderer Weise martern und töten ließen. Aber selbst wenn es sich nicht darum handelt, begeben wir doch unsere Leiber zum Opfer, wenn wir teils mit unseren Gliedern und Kräften dem Herrn dienen, teils auch um Seinetwillen unser Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden kreuzigen.

 

Du opferst also zuerst Gott deinen Leib, wenn du deine Glieder in Seinen Dienst stellst; wenn du mit deiner Zunge das redest, was zu Seiner Ehre und zum Nutzen deines Nächsten dient; wenn du Seinen Namen bekennst, Seine Erkenntnis anpreisest und ausbreitest oder aber redest, was gut und wahr ist; desgleichen, wenn du deine Augen und Ohren dazu verwendest, das zu empfangen und zu gewinnen, wodurch du die Ehre Gottes und das Wohl deines Nächsten fördern kannst und dafür deine Augen und Ohren von eitlen und unnützen Dingen fernhältst; wenn deine Hände das tun, was gut und recht ist, teils in treuer Verrichtung deines Berufs, teils in Liebeswerken für deinen Nächsten; wenn deine Füße ebenfalls gern in den Angelegenheiten des Herrn und der Liebe gehen. Kurz: Wer um des Herrn willen und von Seiner Barmherzigkeit bewogen gern das tut und leidet, was sein Beruf und die Liebe fordern, der heiligt seinen Leib dem Herrn. Dazu gehört dann aber ein beständiges Kreuzigen des Fleisches.

 

Denn wenn du dem Herrn dienen willst, darfst du nicht deiner eigenen Bequemlichkeit, deiner eigenen Ehre, deinen eigenen Lüsten folgen, sondern du musst dieselben unausgesetzt töten. Wenn du siehst, wie du die Freundschaft, die Achtung und den Ruhm der Welt gewinnen oder behalten könntest, wenn du aber um Christi willen allem entsagst und dir dagegen durch deinen Eifer um Seine Sache Verachtung und Schmach zuziehst; oder wenn du im täglichen Leben den Versuchungen zur Sünde widerstehst und sie tötest, sei es, dass du zur Ungeduld und zum Zorn oder zum Eigennutz und zur Unredlichkeit oder zum Hochmut und zur Eitelkeit oder zum Neid und zur Verleumdung und ähnlichen Sünden versucht wirst — sieh, wenn du diese Sünden nicht im Werk und in der Tat ausbrechen lässt, sondern mit anhaltendem Gebet und unausgesetzter Wachsamkeit dieselben tötest, dann bietest du deinen Leib zu einem Opfer dar. Zu einem solchen Opfern ermahnt uns hier der Apostel durch die Barmherzigkeit Gottes.

 

Gilt es also, unseren eigenen mächtigsten Begierden zu widerstehen, dann werden wir erfahren, dass hier wirklich ein fühlbares Opfern stattfindet, weil der Opferpriester sich selber zum Opfer geben soll, wie der Herr Christus auch tat. Hierüber bemerkt Luther sehr richtig: „Der Titel des Priestertums ist herrlich und bald genennet und gerühmt von jedermann; aber das Opfern ist seltsam, da graut jedermann vor. Denn es gilt Leben, Gut, Ehre und Freunde und alles, was die Welt hat, gleichwie es Christus gegolten hat am heiligen Kreuze. Da will niemand hinan, dass er Tod für Leben, Pein für Lust, Schaden für Gut, Schande für Ehre, Feinde für Freunde wählen soll. Denn so hat Christus getan am Kreuze uns zum Exempel. Und man soll dennoch solches alles tun, nicht für sich selbst noch zu seinem Nutzen, sondern seinem Nächsten zu Dienst und Gott zu Lob und Ehren, wie Christus Seinen Leib geopfert hat.“

 

Wollen wir nun nicht ermüden und uns von solchen Opfern zurückziehen, sondern stets geduldig und willig damit fortfahren, dann ist es gewiss erforderlich, dass wir einige kräftige Beweggründe und zudem noch eine übernatürliche Kraft und Hilfe haben; dann ist es erforderlich, mit Ernst und Fleiß zu beten. Was nun die Beweggründe betrifft, so ist gewiss der größte und beständigste die ewige Barmherzigkeit Gottes. Ihre Annahme soll unsere Lust und Kraft zu solchem Opfern unterhalten. Dann musst du aber auch fleißig das betrachten, was Gott für uns getan hat: Als wir noch Seine Feinde waren, gab Er Seinen eigenen Sohn für uns dahin, auf dass „gleichwie wir durch eines Ungehorsam Sünder geworden sind, wir auch durch Eines Gehorsam gerecht würden“. Gott hat uns ein solches Gnadenreich durch den Sohn bereitet, dass denen, die an Ihn glauben, die Sünden nicht zugerechnet werden sollen. Er will uns nach diesem kurzen, elenden Erdenleben in Seinen Himmel aufnehmen und uns jene vollkommene, mit Seiner Liebe und Allmacht übereinstimmende Seligkeit schenken.

 

 

Glaubst du dieses alles von Herzen, dann kannst du willig ein Märtyrer werden, dann wirst du beständig belebt und ermuntert werden, aufs Neue Lust und Mut zum fortgesetzten Opfern zu fassen.   Römerbrief

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Wenn wir nicht auf Gottes Wort und Mahnungen hören!

Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigkeit.  Röm. 1,24

 

Hier hören wir, was Gott der Herr mit denjenigen tut, die dem ihnen von IHM gegebenen Lichte nicht folgen.

 

ER gibt sie dahin in ihrer Herzen Gelüste, so dass sie sogleich von ihren Gelüsten in eine tiefe Unreinigkeit geführt werden, die dann ihr verdienter Lohn sein wird.

 

„Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und ER selbst versucht auch niemand“, sondern die Macht der Bosheit im Menschen ist so groß, dass er, wenn Gott ihn verlässt, sofort in Sünde und Schande stürzt. Durch den Sündenfall wurde die Menschennatur mit dem Gift der alten Schlange, mit der Sünde und aller Bosheit erfüllt; sie arbeitet beständig und drängt sich gleich einem anschwellenden Strom oder einer sprudelnden Quellader den Gedanken, Lüsten und Begierden des Herzens auf.

 

Gott der Herr klagte schon frühzeitig darüber, dass „der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar“. Auch der Herr Jesus sagte: „Aus dem Herzen kommen arge Gedanken - Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung.“

Wenn Gott nicht mit Seiner Allmacht oder auch durch verschiedene natürliche Hindernisse diese Sündenflut hemmte, könnte keine gegenseitige Gemeinschaft bestehen, ja, das ganze Menschengeschlecht würde wegen dieser sich ihm aufdrängenden Bosheit, durch die alle Menschen sich selber und andere schnellstens verderben würden, untergehen.

 

Selbst dort, wo die Gnadenkräfte nicht angenommen werden und darum auch nicht wirken, hat Gott in Seiner allgemeinen Vaterfürsorge um das Menschengeschlecht dieser zerstörenden Bosheit einige natürliche Hindernisse und Fesseln auferlegt wie z.B. eine natürliche Klugheit, Furcht vor Schaden und Schande, Sorge für den eigenen Nutzen, eine gewisse Selbstachtung usw. Zudem regiert ER stets mit Seiner Allmacht und hält die sich aufdrängende Bosheit zurück.

 

Wenn Gott nun zur gerechten Strafe für die Verachtung und Missdeutung Seines Liebesrates diese Hindernisse für die Ausbrüche der Sünde wegnimmt und den Menschen sich selber und der Eingebung des bösen Feindes überlässt, dann überflutet die Macht der Bosheit alle Schranken und Grenzen. Dann sieht man jene erschrecklichen Sündenausbrüche, die der Apostel hier (Röm. 1) aus dem Leben der Heiden anführt und die man oft genug auch in der Christenheit gewahr wird - diese schauerlichen Schreck-Beispiele, da auch solche Menschen, die allgemein für weise und für verständig angesehen wurden, plötzlich in eine schreckliche Sünde und Torheit verstrickt erfunden werden, so dass der eine ein Dieb oder Fälscher, der andere ein Mörder ist, ein dritter frönt einem widerlichen, verderblichen Laster, ein vierter nimmt sich das Leben usw. Und wenn sie vielleicht kurz zuvor für kluge, ehrbare Menschen gehalten wurden, jetzt aber in dieser jämmerlichen Art und Weise enden, dann steht die Welt da und staunt und kann nicht fassen, wie solches zuging; denn niemals hätte der kluge und gute Mensch das getan haben wollen, was er jetzt getan hat. Wie ist das dann zugegangen? In keiner anderen Weise als der, die der Apostel uns in Vers 21 sagt: „Weil sie wussten, dass ein Gott ist, und haben Ihn nicht als einen Gott gepriesen“.

 

Sie vernahmen die Stimme Gottes, wollten sich aber nicht beugen, sondern „hielten die Wahrheit in Ungerechtigkeit auf“, sie hielten sich selber für weise und wollten nicht glauben, was Gott ihnen sagte. Deswegen hat ER sie nun in ihrer Herzen Gelüste dahingegeben, und auf diese Weise sind sie zu Narren geworden.

 

Ach dass ein jeder Mensch, der noch zu einiger Besinnung fähig ist, beizeiten bedenken wollte, was der Apostel des Herrn uns hier lehrt! Mancher Jüngling, manches junge Mädchen hört frühzeitig von liebevollen, erleuchteten Eltern oder Lehrern den Ratschluss Gottes sowohl für unser zeitliches als auch für unser ewiges Wohlergehen.

 

Sie hören und verstehen, wie der allmächtige Gott ernstlich will und befiehlt, dass alle Menschen sich zu IHM bekehren, IHN fürchten und lieben, IHM glauben, gehorchen und IHM im Leben nachfolgen sollen.

 

Aber diesem Rat Gottes wollen sie nicht gehorchen.

 

Sie wollen noch ihren eigenen Lüsten und der Welt folgen.

 

Sie meinen, dass sie sich jederzeit hüten könnten, es zu grob zu machen und zu tief in den Schlamm der Sünde zu versinken. Sie meinen, es stehe in ihrer Macht, ein gewisses Maß zu halten. Sie wollen nicht ganz dem Herrn angehören, bei Ihm bleiben und in Seinem Reiche unter Ihm leben, aber sie gedenken doch, sich vor einem zu tiefen Fall zu hüten. Das wird ihnen jedoch nicht gelingen.

 

Gott lässt sich nicht spotten.“

 

Wenn du Seine Worte nicht hören und dich nicht ganz bekehren willst, dann helfen hinfort weder Klugheit noch Wachsamkeit, du musst hinab in die Tiefe. Früher oder später, hier in der Zeit oder einst in der Ewigkeit wirst du bitter erfahren, dass es deine grässlichste Torheit war, diesem Herrn nicht zu gehorchen, sondern SEINEM Willen und Ratschluss zu trotzen.

 

Römer 1, 24–25

 

Ach Volk, wer Ohren hat zu hören,

Der höre, denn die Zeit ist da;

Gott ruft, die Sünder zu bekehren,

Vom Sinai, von Golgatha,

Mit Donnern und im süßen Ton:

Erwacht und eilt zum Gnadenthron!

 

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Alles und in allen Christus!

Alles und in allen Christus! - Kol. 3, 11

 

Welch ein starker Donnerschlag über die ganze Fülle der Irrtümer der Eigengerechtigkeit! Aber auch welch eine reiche Quelle der Lehre, des Trostes und der Erquickung für die Elenden in allen möglichen geistlichen Nöten und Besorgnissen! „Alles und in allen Christus!“ Dies ist das Geheimnis sowohl der Gerechtigkeit als auch der Heiligung eines Christen sowie seiner Stärke und seines Bestehens in der Gnade. Dies ist auch das Geheimnis des wunderbaren Friedens, der Freude und der Freimütigkeit, die man bei gewissen Menschen auch inmitten der größten Schwachheit und des größten Elends sieht.

 

„Alles und in allen Christus!“ Dieser Satz ist leicht gelernt, was die Worte und die Bedeutung betrifft. Viele werden auch meinen, sie hätten nichts mehr daran zu lernen; aber es ist doch gerade dieses Stück, das uns immer fehlt, sooft Not und Sorgen sich einstellen. „Alles und in allen Christus“, das ist auch die Beschreibung dessen, was ein rechter Christ heißen will, zum Unterschied von allen anderen Arten von Frommen. Ein wiedergeborener Christ ist nämlich ein Mensch, für den Christus alles in allem geworden ist. Viele sind religiös, halten aber im Herzen andere Dinge für wichtiger als Christus, weshalb ihre Gedanken und ihre Worte sich auch mehr um diese als um Christus drehen, wie Er selber sagt: „Ihr meint, ihr habt das ewige Leben in der Schrift; aber zu Mir wollt ihr nicht kommen, dass ihr das Leben haben möchtet.“ Und was dem Herzen am meisten gilt, merkt man sehr wohl an der Sprache. „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Sie werden auch dieses Wort und diese Bemerkung lesen und hören können, ohne so aufrichtig gegen sich zu sein, dass sie darauf achtgäben, wie es mit ihnen bewandt ist. Und obwohl sie daran erinnert und von ihrer Heuchelei und ihrem finsteren Selbstverrat überzeugt werden und selber fühlen, dass es sie betrifft, können sie doch so abgestumpft sein, dass sie nicht mehr vermögen, aufrichtig gegen sich selber zu werden.

 

Daneben gibt es Menschen, die in einer anderen Weise diese Lehre „Alles und in allen Christus“ nötig haben, die dem Reich Gottes ganz nahe sind — auch unter denen, die einen wirklichen Glauben an Christus haben —, die aber doch nicht wissen, was sie an Ihm haben, wiewohl dieses sicher kein Christ vollkommen weiß. Sie machen sich viele Sorgen, die, wenn man denselben auch nicht ganz entgehen kann, doch ihr Leben nicht so niederbeugen würden, wenn sie nur wüssten, was sie in ihrem Herrn Christus haben. Johannes sagt, dass es solche gibt, die „an den Namen des Sohnes Gottes glauben, aber nicht wissen, dass sie ewiges Leben in Ihm haben“.

 

„Ich kann nie in der Gnade bestehen bleiben“, seufzt der eine, „man sieht, wie viele haben abfallen können und wie viele und mannigfache Gefahren es gibt. Was wird mit mir geschehen, der ich so jämmerlich schwach bin, der ich ein so zur Sünde geneigtes Fleisch, ein so leichtsinniges, weltliches und heuchlerisches Herz habe?“ — Ein anderer klagt: „Ich werde nie etwas anderes als ein Sklave unter der Sünde. Ich sehe das Böse, kann demselben aber nicht widerstehen. Ich habe versucht zu glauben, zu beten, zu wachen und zu streiten und habe gedacht, dass ich doch endlich die rechte, gründliche, dauerhafte Heiligung bei mir finden würde; aber nein, ich werde je länger desto ärger!“ — Ein dritter seufzt: „Meine Sünde ist immer vor mir! Ich erhalte keinen Frieden und keine Gewissheit, dass ich die Gnade Gottes und die Vergebung meiner begangenen Sünden habe; denn ich fühle noch immer die Anklagen im Gewissen und kann außerdem nie werden, wie ein Christ sein soll.“ — Ein vierter: „Mit mir ist es so viel ärger, dass ich nicht einmal meine Sünden, meinen Zustand fühlen, bereuen und mich davor fürchten kann, sondern ich gehe ganz tot, kalt und gleichgültig einher“ usw.

 

In all diesen Bekümmernissen und Seelennöten ist der Hauptfehler stets der, dass man Christus so ganz und gar vergisst, Ihn geflissentlich übersieht und in seinem Tagesablauf nicht an Ihn denkt, sondern Ihn zu einem Nichts macht, weil man in seinem Innern so dahinlebt, als gäbe es keinen Christus, keinen Heiland, keine hinreichende Gerechtigkeit vor Gott, keinen allmächtigen Helfer, keinen zärtlichen Hirten — ja als wären wir uns selber überlassen und als müsste ein jeder sein eigner Heiland sein und selber die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, zuwege bringen, selber sein Hirte, sein Helfer, seine Stärke, sein Alles in allem sein. Sieh, diese grässliche Finsternis des Unglaubens ist der Grund alles Bösen.

 

Denn alles würde gut und allem würde abgeholfen werden, wenn Christus nur alles in allem sein dürfte, so wie er uns von Gott gegeben und gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.

 

Jesum, Jesum musst du haben,

Ohn’ Ihn schmachtest du vergebens;

Er nur bietet dir das Wasser

Und das Brot des ew’gen Lebens.

Jesum, Jesum musst du haben!

Graut dir unterm Fluch der Sünde,

Er allein kann dich erlösen;

 

Drum auf Ihn dein Herz sich gründe!

 

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Kein einziger Mensch kann vor IHM bestehen!

Alles Fleisch ist HeuJes. 40,6

 

Alles Menschliche ist falsch, schwach, wankend, ungewiss, veränderlich — unsere Vernunft, das Gefühl, die Gedanken und Meinungen. Bald sehe ich Gott in allem, was mir vor Augen kommt, bald scheint mir, dass es keinen Gott in der Welt gibt. Bald denke ich, dass Gott lauter überfließende Gnade und Liebe ist, bald wiederum, dass Er ermüdet, mir ungnädig, abgewandt und zornig sei. Bald halte ich mich für einen guten Christen, bald wiederum meine ich, ein ganz unverbesserlicher Sünder zu sein. Kurz: Meinungen, Gefühle - alles ist wie Rohr vorm Winde, schwankend, ungewiss, falsch, veränderlich, lügnerisch. Der Prophet sagt: „Alles Fleisch ist Heu.“ - So sehe ich endlich, dass alles, was ich denke, keine Beachtung verdient. Gewiss und ewig unerschütterlich ist nur eines: Im Himmel sitzt ein Richter auf dem Thron, der große, heilige Gott! Er hat ein ewig unerschütterliches Wort geredet und vom Himmel herab gesandt. Seine Urteile stehen fest wie die Berge; kein Buchstabe davon kann verändert noch zunichtegemacht werden, wenn auch Himmel und Erde vergehen. Seiner darf ich mich getrösten!

 

Was sagt nun dieses ewige Wort von uns, von unserer Würdigkeit oder Unwürdigkeit und davon, wie wir vor den Augen Gottes aussehen? Es sagt: „Der Herr schaut vom Himmel auf der Menschen Kinder, dass Er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig; da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. Gott sah auf Erden, und siehe, sie war verderbt. Der Menschen Bosheit war groß auf Erden. Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer.“

 

Gott ist so heilig, dass vor Ihm nicht einmal die Himmel rein sind.

 

Er findet Unreinheit in Seinen Engeln und Torheit in Seinen Heiligen. Daraus folgt: Kein einziger Mensch kann vor Ihm bestehen, alle miteinander sind der ewigen Verdammnis wert und sich darin gleich. Judas und Johannes sind ein und derselben Verdammnis gleich wert. Petrus und der Zauberer Simon, die Jungfrau Maria und die Ehebrecherin sind ein und derselben Hölle gleich würdig. „Ach wie erschrecklich und ungereimt“, sagst du.

 

Ja, fühle hier, wie die Vernunft anstößt, wenn man ungeschminkt ausspricht, was diese Worte enthalten: „Es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus Seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“ Vor den Menschen besteht dieser Unterschied, nicht aber vor Gott. Auf Erden ist ein Abstand zwischen den Taltiefen und den Bergspitzen; wenn man aber den Abstand beider von der Sonne betrachtet, dann verschwindet dieser Unterschied, er kommt nicht mehr in Betracht, denn beider Abstand ist so groß, dass man von beiden nur sagt: „Der Abstand ist unermesslich.“ Ebenso besteht ein Unterschied zwischen dem einen Menschen und dem anderen, zwischen der einen Stunde und der anderen, aber nicht vor Gott. Alles, was Mensch heißt, auch der treueste und frömmste Christ, ist ein ganz und gar unreiner Erdenwurm. Seine besten Werke sind mit dem Gift der alten Schlange befleckt. Sein Glaube, seine Liebe, sein Gebet und seine Danksagung, die seine besten Werke sind und vom Geiste Gottes bewirkt wurden, sind durch die Unreinheit des Gefäßes befleckt.

 

Der Glaube ist mit Schlacke, mit Eigengerechtigkeit und Unglaube vermischt, die Liebe ist gering, beschränkt, nachlässig; das Gebet und die Danksagung sind kalt und schwach und der großen Majestät ganz unwürdig.

 

Außer diesen beständigen Mängeln, die zur Verdammnis des Menschen hinreichend wären, fällt dieser unausgesetzt in Sünden und verunreinigt sich während der Wanderung. Er kann nie so wachsam sein, dass er nicht hier und da von der Gottlosigkeit befleckt wird. Die ganze Erde ist wie von einer wogenden Sündenflut von Ungerechtigkeit überflutet: Abgötterei, Unglaube, Sorge und Verzweiflung, Missbrauch des Namens Gottes, Schwören und gottloses Geschwätz, Sabbatentheiligung, Ungehorsam, Zorn und Hass, Zank, Unzucht und Leichtfertigkeit, Unreinheit, Geiz, Diebstahl und Betrug, Falschheit, Lüge und Afterreden sind im Schwange.

 

Wo dies alles nicht in Werke ausbricht, kocht das Herz doch von bösen Begierden, Gedanken und inwendigen Regungen, die vor den Augen des Heiligen lauter Unreinheit sind.

 

Das ist der Zustand des gefallenen Geschlechts! Und wie will nun ein Menschenkind vor Gott bestehen? Womit willst du deine Schulden bezahlen? Du kannst Ihm auf tausend nicht eins antworten. Auch wenn du lange ein gläubiger Christ gewesen bist, viel erfahren und ausgerichtet hast - blickt Gott mit Seinen heiligen Augen auf dich, so gilt dieses nicht mehr.

 

Ein alter, frommer Diener Gottes fühlte dies und flehte deshalb: „Herr, gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knechte; denn vor Dir ist kein Lebendiger gerecht.“

 

Vor Gott ist kein Lebendiger gerecht! Das ist das Urteil des Wortes.

 

Es streitet gegen unsere Meinungen und Gefühle, die uns, wenn wir etwas frömmer gewesen sind, sagen, dass wir dann der Gnade auch würdiger sind und dass es Gott dann leichter falle, uns zu vergeben; dagegen meinen wir, wenn wir gesündigt haben, dass es Gott dann schwerer fallen müsse, uns zu vergeben.

 

So müssten die Gnade und die Gerechtigkeit wenigstens teilweise aus unseren Werken, aus unserer Würdigkeit kommen.

 

Dies aber haben wir nun die Schrift leugnen sehen. - Bleibe darum dessen eingedenk, dass du zu allen Stunden gleich würdig und unwürdig bist!

Das ist das Urteil des ewigen himmlischen Vaters.

 

Das Wort bekennt und lehret frei,

Dass nichts in Erd’ und Himmel sei,

Was einen Sünder selig macht,

Als der, den man am Kreuz geschlacht’,

Der Seines Vaters ganzen Willen tat

Und zur Versöhnung Blut vergossen hat.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Der Weg der Trübsal bleibt keinem Jünger Jesu erspart!

Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes gehen. - Apg.14,22

 

Das ist der Weg, den alle Kinder Gottes durch dieses Leben haben gehen müssen.

 

Mit mehr Alter und Gnade, mehr Glauben und Gaben sind stets auch schwerere Versuchungen verbunden gewesen.

Hier gestattet der Herr, dass der Satan Seine Gläubigen sichten darf wie den Weizen, so dass ein David oder ein Petrus in die gröbsten Sünden fällt; dort gestattet Er bösen Menschen, Unglücksfällen und langwierigen Anfechtungen, das ganze irdische Wohlergehen eines Christen zu zerstören, wie es dem Hiob geschah. Hier gibt Er Seinem Freunde Abraham den Befehl, Isaak, den Sohn der Verheißung, der dem Vaterherzen die größte Freude und Verwunderung war, zu opfern; dort muss der Lieblingssohn Israels, Joseph, mit all seinen Hoffnungen und Offenbarungen als ein Sklave in ein fremdes Land verkauft und entführt werden. Hier lässt der Herr einen Paulus zu mehreren Malen um Erlösung vom Teufel bitten und gibt ihm eine abschlägige Antwort. Dort lässt Er einen Johannes, „den Freund des Bräutigams“, „den Größten, der (nächst dem Sohne Gottes) von einem Weibe geboren ist“, gleichsam gänzlich verlassen im Gefängnis des Herodes sitzen und zuletzt, wie zum Scherz, verächtlich getötet werden, ohne dass er wie andere Märtyrer vor einer Schar Zuschauer mit seinem Glauben und seiner Freimütigkeit Gottes Kraft preisen könnte. Es heißt nur: „Gib mir her auf einer Schüssel das Haupt des Johannes.“

 

Wie deutlich wird hier doch, dass Glauben ohne Sehen erforderlich war.

 

Dass Johannes ein Augapfel Gottes, ein Liebling Seines Herzens und der nächste Freund Seines Sohnes auf Erden war und darum mit einer besonderen Liebe von Gott umfasst wurde, konnte man nicht sehen; jetzt war die Liebe Gottes wahrlich tief verborgen. So aber pflegt Gott mit denen zu handeln, die Er am meisten liebt, die Er am meisten begabt hat und am meisten verherrlichen will. Gegen sie stellt Er sich so, als wollte Er gar nichts von ihnen wissen, lässt allerlei Not und Sorge über sie ergehen, lässt ihre eigenen Sünden und Gebrechen sie erschrecken, die Welt und den Teufel sie anfechten, und wenn sie zu Gott, ihrem alleinigen Trost und Helfer, fliehen, dann stellt Er sich lange Zeit, als hörte Er sie nicht. Da jammern dann die lieben Kinder Gottes ängstlich und wähnen, von Gott um ihrer Sünden willen mit Recht und auf immer verlassen zu sein. Dann hört man den Mann nach dem Herzen Gottes bitter klagen: „Ich bin von Deinen Augen verstoßen!“ Dann jammert Jeremia: „Der Herr hat Seine Hand gewendet wider mich und mich mit Galle und Mühe umgeben. Er hat mich vermauert, dass ich nicht heraus kann. Er hat meinen Weg vermauert mit Werkstücken und meinen Steig umgekehrt. Und wenn ich gleich schreie und rufe, so stopft Er die Ohren zu vor meinem Gebet.“ – Und Daniel, der durch einen Engel das Zeugnis von Gott erhalten hatte: „Du bist lieb und wert“, bricht, als er sechs Tage und sechs Nächte hindurch in der Löwengrube gewesen war und der Herr ihm endlich Essen zusendet, in Verwunderung darüber aus, dass Er ihn nicht vergessen habe, denn er ruft aus: „Herr Gott, Du gedenkest ja noch an mich!“

 

Welcher Beispiele bedürfen wir weiter! Der Vorgänger in allem, der eingeborene, geliebte Sohn Gottes, ruft in Seiner tiefsten Not: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen? Ich heule, aber Meine Hilfe ist ferne.“ Wenn alle Heiligen Gottes so geklagt haben und dabei doch in der größten Gnade bei Ihm gewesen sind, sollten dann nicht auch wir uns auf denselben Weg bereiten? Derjenige, dessen Glaube nicht geprüft und nicht angefochten wird, hat wahrlich keinen lebendigen Glauben. „Seid ihr ohne Züchtigung, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder.“

 

Zum mindesten wird jeder wahre Christ von seinen eigenen Sünden so angefochten werden, dass es ihm schwerfallen wird, Gottes Gnade zu glauben.

 

Danach werden auch der Teufel und die Welt auf allen Seiten ihn anfechten, so dass er auf Erden nicht viel Ruhe haben wird, wie Prätorius so deutlich sagt: „Jeder Christ muss zuerst einen Teufel, danach einen Judas, danach einen Kaiphas und Pilatus haben und sich bis aufs Blut wohl geißeln lassen. Wenn der eine aufhört, müssen zwei andere angreifen, und wenn diese aufhören, müssen sich vier einfinden, der eine ärger als der andere, und so fort, bis das Leiden vollendet ist. Je heiliger Christ, desto größerer Märtyrer. Ein frommer Christ muss alles Bittere schmecken und oft keinen einzigen Tröster haben.“

Und die Ursache dieser verwunderlichen Regierung ist diese, dass Gott der Herr kein besseres Mittel gefunden hat, um unseren alten Adam zu töten.

 

So will Er den adamitischen Sinn bei uns ersticken, der immer sehen, begreifen, mit dem Herrn Rechnung halten und über Seine Wege und Absichten urteilen will. So will Er das in uns wirken und üben, was eigentlich Glaube heißt. Darum hat Er all das Böse, das aus dem Fall Adams geflossen ist, bei uns gelassen: die ganze Sündenflut, das ganze innere Verderben sowie die Schar von bösen Geistern und ihre Einwirkung auf unsere Sinne nebst der Finsternis und Qual, die sich davon herleiten und ein Herz plagen, das heilig und rein, geistlich und himmlisch sein wollte. Da nun das Herz eines Erweckten das zarteste und kleinmütigste Ding auf Erden ist, so empfindlich wie eine offene Wunde, in der ein Sandkorn und ein Windhauch Schmerzen verursachen, so kann man sich leicht vorstellen, wie das Leben eines Christen von bitteren Gefühlen, Besorgnissen und Anfechtungen erfüllt sein muss, welche die Seelen der Gläubigen wie dicke und schwarze Wolken umgeben.

 

Züchtigung wir nötig haben,

Nötig haben wir sie sehr;

Sie gehört zu Gottes Gaben,

Ist sie manchmal noch so schwer.

 

Leicht erstickt das Gnadenleben,

Hätten Frieden wir allzeit;

Eitel wäre alles Streben,

Hielt uns Gott nicht stets im Streit.

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Werde ehrlich vor Gott - deine Zeit ist bemessen!

Noch über eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen.

Hebr. 10, 37

 

Dass wir doch mehr zu Herzen nähmen, was das Wort von der Zukunft des Herrn und der Seligkeitshoffnung der Christen lehrt!

 

Kein Christ ist hierin vollkommen, keiner hat alles so recht und so richtig erfasst; sondern alle müssen wir lernen und zurechtgewiesen werden.

 

Gewiss ist es so vor Gott, dass „der selig und heilig ist, der an der ersten Auferstehung teilhat“. Der, welcher täglich mit Sünden und Mängeln zu kämpfen hat, sie aber fühlt und in ihnen sein schwerstes Leiden auf Erden hat sowie sich täglich an den Heiland und an das Wort des Evangeliums hält und nötig hat, daraus beständig getröstet, gestärkt und belebt zu werden, der ist ein begnadigtes Kind Gottes, auch wenn er sich sehr kalt findet und sehr von der Lehre in Bezug auf die selige Hoffnung gestraft wird. Aber er sollte auch diese herrliche Lehre zu Herzen nehmen, dann würde er großen Segen daraus haben.

 

Der Apostel Paulus erklärt die Hoffnung der Seligkeit für eine wichtige Waffe und sagt: „Angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit“. Wie der Glaube und die Liebe wichtig sind, so auch die Hoffnung.

Die Hoffnung auf die herrliche Zukunft Christi ist erweckend, tröstend, reinigend und belebend.

 

Der Apostel Johannes sagt: „Ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu Ihm, der reinigt sich, gleichwie Er auch rein ist.“ Paulus will mit der großen Wahrheit, dass die Zeit kurz ist, den Sinn der Christen über dieses Eitle erheben, auf dass sie sich hüten sollen vor der Torheit, sich an etwas Irdisches zu binden, möge es süß oder bitter sein. Er sagt: „Liebe Brüder, die Zeit ist kurz! Die da Frauen haben, dass sie seien, als hätten sie keine; und die da weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die da kaufen, als besäßen sie es nicht, denn das Wesen dieser Welt vergeht.“

 

Bedenke dies, o Mensch! „Die Zeit ist kurz.“

 

Geschieht dir etwas Erfreuliches, freue dich mäßig, es währt so kurz; du wirst es bald verlassen. Geschieht dir etwas Trauriges, traure mäßig, es währt nicht lange, die Zeit ist kurz. Nimmst du eine Frau, erhältst du irdisches Gut, so sei gesinnt, als solltest du es sogleich verlassen. Das „dumme Fleisch“ will unausgesetzt das Haupt erheben und sich hier unten ein Paradies bereiten.

 

Das ist Torheit! Es währt so kurz!

 

O dass doch alle Christen, welche anfangen, sich so eifrig in dieser Welt mit ihrem Besitz, ihrem Handel, ihrem Bauen zu beschäftigen, sich doch beizeiten zügeln lassen wollten, bevor der letzte Funke des geistlichen Lebens erloschen und der Geist der Gottesfurcht ganz gewichen ist!

Lass die Hand arbeiten; aber — sei aufrichtig bei dieser Prüfung!

 

Wo ist das Herz?

Belüge nicht deine Seele! Wo ist das Herz?

 

Ist es im Himmel, von wo du den Heiland Jesus Christus erwartest? Oder ist es in deinem irdischen Gut? Sei aufrichtig!

 

Die selige Hoffnung sollte uns vor allem zu großem Troste gereichen. Ihr, die ihr oft so nahe daran seid, wegen der unendlich ermüdenden Mängel, Sünden und Untreuen, die euch nie gestatten, einen einzigen recht fröhlichen, wolkenleeren Tag zu haben, auf dem Wege zu erliegen, und du, der du im Dunkel des Glaubens, in der unbeschreiblichen Bosheit, Härte und Kälte des Herzens deine tägliche Plage und Angst hast, oder du, der du mit einer schweren Versuchung, mit des Satans Engel usw. zu kämpfen hast — vergesst nie, dass es nur um eine kurze Zeit zu tun ist.

 

Bald kommt, was kommen soll.

 

Hebt eure Häupter auf, bald naht eure Erlösung!

 

Die schwere, dicke Wolke des Unglaubens wird unsere Seele nicht ewig bedrücken! Unser böses Fleisch mit seinen Lüsten, das böse Herz mit seiner Kälte, seiner Falschheit, seinem Leichtsinn, seiner Härte und Bosheit wird nicht ewig unseren Geist gefangen halten.

 

Christen, die von Gott mit einigen Gaben zum Dienste der Seelen ausgerüstet sind, werden als die Streiter Christi am meisten angefochten und geplagt — äußerlich von der Welt mit Lüge und Schmach und inwendig vom Teufel mit unbegreiflichen Versuchungen, so dass sie kaum jemandem in dieser Welt ihr Herz offenbaren können.

 

Möchten diese nie „die Hoffnung zur Seligkeit“ vergessen, die „ihr Helm“ sein sollte, nie vergessen, dass es jetzt eine kleine Zeit gilt.

 

Bald kommt der Herr und wird „denen Trübsal geben, die euch Trübsal antun, euch aber, die ihr Trübsal leidet, wird zuteilwerden Ruhe, Ehre und unvergängliches Wesen, wenn der Herr Jesus wird offenbar werden vom Himmel samt den Engeln Seiner Kraft.“

 

Paulus ruft hierzu aus: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen!“

 

Das Beste, das Herrlichste steht uns noch bevor!

 

Wir werden den König von Angesicht zu Angesicht sehen und danach beim Herrn sein allezeit! — Oder sollten wir Christus glauben, wenn Er von der gegenwärtigen Gnade redet, Ihm aber nicht glauben, wenn Er von der Herrlichkeit redet, die kommen wird? Gott bewahre uns!

 

Möchten alle Christen auch dieses Stück bedenken!

 

Und noch eins: Möchten wir doch bereit und wachend sein und Öl in den Lampen haben, wenn das Geschrei „Siehe, der Bräutigam kommt!“ vernommen wird.

 

Wir, die wir noch durch Mara reisen,

Im Glauben lasst uns halten an;

Wir denken unter Tränenspeisen

An jenes schöne Kanaan,

Allwo wir mit der Schar der Frommen,

Wer weiß, wie bald, zusammenkommen

Und bei dem Herrn sind allezeit.

Wie wohl, wie wohl wird uns geschehen,

Wenn wir Ihn ewig, ewig sehen!

Herr Jesu, komm, mach uns bereit!

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Betrübe nicht den Heiligen Geist!

Betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes
Eph. 4, 30

 

Wie betrübt man den Heiligen Geist Gottes? Kurz gesagt: Es geschieht durch allerlei Ungehorsam gegen Ihn. Er will etwas, Er fordert zu etwas auf; und wenn du Ihm darin nicht gehorchen willst, dann betrübst und vertreibst du Ihn. Er will Sündengefühl, Reue, Sehnsucht nach Bekehrung und Versöhnung mit Gott wirken. Wenn du dich von diesen wichtigen Dingen abwendest, nicht auf Seine Stimme achtest, sondern die heiligen Eindrücke, die Er wirkt, zerstreust, sie nicht mit dem Worte zu unterstreichen und zu mehren suchst, sie nicht zu verlieren befürchtest, nicht zu Gott um ihre Zunahme seufzest, dann verachtest und vertreibst du den Geist. Er greift z.B. eine Sünde bei dir an, straft sie und gebietet dir, sie fahrenzulassen.

 

Wenn du Ihm dann nicht gehorchen, sondern deine Sünde behalten willst, betrübst du den Heiligen Geist.

 

Ja, auch wenn du die Sünde fahrenlassen willst, jedoch nicht gleich, oder wenn du dich zum Herrn bekehren willst, aber noch nicht, dann ist dies eine Falschheit in deinem Geist, ein Verachten „der Zeit, darin du heimgesucht bist“, was bewirken kann, dass der Geist Gottes dich verlassen muss.

 

Auch wenn du dich bekehren und dich bessern, aber nicht auf die Stimme des Herrn hören und dem Weg folgen willst, den Er vorgeschrieben hat, dass du nämlich als verlorener Sünder zuerst zu Christus fliehen, zuerst glauben und dich freuen und hernach Stärke im Herrn erhalten sollst, — wenn du diesem Rat des Willens Gottes nicht gehorchen willst, sondern gegen die Auserwählung streitest, dann betrübst du Seinen Heiligen Geist.

 

Und schließlich, wenn du zwar diesem Rate des Herrn folgen, aber nicht das Mittel anwenden willst, das Gott uns gegeben hat, Sein heiliges Wort zu lesen, zu hören und zu betrachten, dann versuchst du Gott und dämpfest den Geist.

 

Beachte diesen letzten Punkt wohl! Du willst dich bekehren und dich bessern, aber nur mit eigener Arbeit an deinem Herzen; du betest um die Gnade und die Hilfe des Geistes dazu, wendest aber nicht das Mittel des Geistes an, so wirst du nie das erhalten, was du begehrt hast. Gott hat es nie verheißen.

 

Er hat uns Sein Wort gegeben, uns darin zu begegnen.

 

Er will darin wohnen und wirken. Zutritt aber zum Wort und zu christlichen Lehrern oder den Umgang mit Glaubensbrüdern zu haben, jene Gnadenmittel zu verachten und doch Gnade zur Bekehrung und zum Glauben zu begehren, das heißt den Herrn versuchen, gleich als wenn man begehrte, dass Gott unser leibliches Leben unterhalten sollte, man aber das nicht essen wollte, was Er uns dazu gegeben hat. Dass du sündig und schwach bist und nicht alles tun kannst, was der Geist fordert, das wird Ihn nicht hindern oder vertreiben, dem wird Er selber abhelfen.

Aber Heuchelei und vorsätzlicher Ungehorsam vertreiben den Geist.

Aber nicht nur dann, wenn der Geist Gottes Sein Werk in der Seele anfängt, kann man Ihn betrüben.

Auch Christen, die schon „des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind“, stehen noch in derselben Gefahr.

Gerade an die Gläubigen zu Ephesus, die schon „mit dem Heiligen Geist versiegelt waren“, schreibt Paulus das Wort: „Betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes.“

Und was war es, was den Geist Gottes betrüben konnte? Antwort: Alle Sünden betrüben Ihn, auch die verborgensten im Herzen, wie zum Beispiel hochmütige Gedanken, böse Begierden, Neid und Falschheit.

Beachte aber! Nur dann, wenn man inwendig so abfällt, dass man die Sünde auch entschuldigt und ihr huldigt, wird der Geist Gottes vertrieben. Wo man selber seine Sünde straft, darunter leidet, gegen sie kämpft, seufzt und betet, da ist der Geist wie ein Arzt in einem Krankenhause, wo Er zwar auf allen Seiten von Krankheiten, Krämpfen, Wunden und Jammer umgeben ist, sich aber doch an Seinem rechten Platz befindet, wo Er Seinen eigentlichen Wirkungskreis hat. Darum kann der Geist Gottes sehr wohl im Herzen eines Sünders wohnen, das noch voller Krankheit, Wunden und Sünden, Jammer und Seufzen ist.

 

Wenn es nicht so wäre, würde kein einziger Christ den Geist Gottes auch nur einen Tag behalten.

 

Was aber den Geist vertreibt, das erklärt der Herr, indem er sagt: „Sie wollen sich von Meinem Geist nicht strafen lassen.“

Dies ist der Hauptpunkt: Wenn ein Mensch sich durch den Geist Gottes nicht strafen lässt, sondern seiner Sünde huldigt, sie entschuldigt und verteidigt, das betrübt und erbittert den Heiligen Geist, so dass Er von ihm weichen muss.

 

„Sich von Seinem Geist nicht strafen lassen“ gilt nicht nur dann, wenn man den Bestrafungen des Wortes offenbar widersteht und sagt: „Ich kehre mich nicht daran“, sondern auch dann, wenn man sich an dem Wort vorbeiwindet und krümmt und es nicht verstehen will, wenn es die Schoßsünden angreift, oder auch wenn man im Worte nicht nach Mitteln sucht, seine Sünde loszuwerden, sondern nach einer Stütze für das Behalten derselben sucht, wenn man also die Sünde nicht fahrenzulassen und ihr zu entkommen, sondern in derselben zu bleiben gedenkt.

 

Das heißt, sich durch den Geist Gottes nicht strafen lassen zu wollen. Ebenso, wenn der knechtische Geist das Herz einnehmen will. Wenn man dann nicht das Wort des Evangeliums von der Gnade in Christus herrschen lassen, sondern eigensinnig der Vernunft und dem Gefühl folgen will und unausgesetzt Einwände gegen das Evangelium macht, das noch Gnade anbietet, dann betrübt und erbittert man den Heiligen Geist Gottes. Ferner auch im Allgemeinen, wenn man Seine heiligen Mahnungen im Herzen nicht beachtet, durch die Er zum Gebrauch des Wortes, zum einsamen Gebet oder zu guten Werken auffordert, oder wenn Er böse Gedanken, Eigenliebe, Selbstgefälligkeit, Hass usw. straft. Alles das betrübt den Heiligen Geist.

 

O du Geist der Gnaden, heile allen Schaden,

Führ uns himmelwärts;

Leit in alle Wahrheit, gib uns rechte Klarheit,

Zeig uns Jesu Herz!

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Vergiss nicht, wie stark das "Fleisch" in dir ist!

Wo ihr durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Röm. 8,13

 

 

Der Apostel zeigt uns hier die rechte Siegeskraft über das Fleisch zum Trost und zur Anleitung für alle diejenigen, die ihre eigene Schwachheit und Ohnmacht im Streite fühlen. Um die mächtigen Lüste des Fleisches zu überwinden und zu töten, ist etwas anderes als nur menschliche Kraft erforderlich, wie auch Luther bemerkt, der von dem Töten des Fleisches durch den Geist sagt, dass wir in den Versuchungszeiten „uns erinnern sollen des Wortes Gottes und auch durch den Glauben an die Vergebung der Sünden uns dagegen stärken sollen“.

 

O dass wir alle daran denken könnten, wenn es sehr übel mit uns steht, wenn wir jegliche Kraft im Streite vermissen und nur das Fleisch mächtig fühlen, so dass wir oft fallen und uns vergehen und es uns scheint, als ob Gott tot und aus der Welt verschwunden sei. Dann ist es an der Zeit, mit unserem eigenen Streiten aufzuhören und uns zum Hören der Gnade Gottes in Christus und an das Evangelium und alle Gnadenmittel zu wenden, um unseren gestörten Glaubensfrieden aufzurichten, jeglichen Gedanken an unsere eigene Kraft oder unsere Schwachheit fahren zu lassen und nur eine einzige Frage zu stellen: Gott, erhalte ich Deine Gnade, Deine Vergebung für alles?“

 

Auf diese Frage müssen wir eine bestimmte Antwort haben, bevor wir Kraft empfangen können. Hier aber gilt es, die Antwort nicht im Gefühl, sondern im Worte Gottes zu suchen. Und wenn du jetzt Trost empfängst, dass Gott dein Freund und Vater ist, dann überlass Ihm auch die Sorge für die Überwindung deiner Versuchungen. Denn dies ist das Geheimnis der Siegeskraft. Solange du selber etwas tun zu können meinst, wirst du unausgesetzt fallen. Der Eifer des Herrn um die Verherrlichung Seiner Gnade ist so groß, dass ER lieber unseren schönsten Wandel zunichtewerden lässt, als dass Seine Ehre der Kreatur gegeben würde. Die Schlusslehre aller unserer Kämpfe zur Tötung unseres Fleisches ist die, dass der Herr allein der ist, der die Macht dazu hat, und dass der Herr der ist, der es auch tut, und zwar so, dass ER in uns einen armen Geist sowie Glauben, Willigkeit und Gebet bewirkt, damit wir dieses alles bei Ihm suchen möchten. Und wenn es dahin gekommen ist, dass wir im Glauben alle Gnade und Kraft von Ihm herzlich wünschen, dann führt ER Sein Werk zur Tötung unseres Fleisches bestimmt hinaus, wie immer ER uns nun auch führen mag. Wenn ER unser Gebet erhört und uns Gnade und Kraft gibt, aller Gottlosigkeit und allen weltlichen Gelüsten zu entsagen, dann wird unser Fleisch getötet.

 

Entzieht ER uns aber Seine Kraft und überlässt ER uns der Sichtung des Satans, dann wird unser Fleisch auch getötet, dann wird das Innerste des alten Menschen, nämlich der tiefe Wahn unserer eigenen Kraft getötet.

 

Die Geschäfte des Fleisches, die getötet werden sollen, sind allerlei Äußerungen des innewohnenden Verderbens, das sich in unsere Gedanken, in Worte und Handlungen hineinmischt, so dass es an Gelegenheiten zur Tötung des Fleisches nie fehlt.

 

In Gal. 5 wird eine Anzahl „der Geschäfte des Fleisches“ angeführt. Wenn du auch nicht zu groben Sünden versucht wirst, so hast du doch gegen tiefen Eigensinn, gegen Eigendünkel, Eigenwillen und eigene Ehrsucht beständig zu wachen. Dieses feinere, innere Verderben wird zwar eher vergessen als das äußere und gröbere, ist aber doch die eigentliche Quelle alles Bösen. Darum ist hier eine besonders ernste Aufmerksamkeit vonnöten. 

 

Bedenke oft und tief, dass das, was du selber denkst, willst und meinst, das erste ist, wogegen du Argwohn hegen musst und was am Worte Gottes geprüft und durch die Kraft des Geistes getötet werden muss.

 

Wenn du z.B. zum Zorn und zur Ungeduld gegen die Menschen versucht wirst, dann gilt es, sich dessen zu erinnern, wie viel Gott dir vergibt und wie du deshalb deinem Nächsten vergeben musst. Du wirst vielleicht wegen deiner Erkenntnis, deiner Gelehrsamkeit, Geschicklichkeit und Kunst zum Hochmut versucht; sei dann dessen eingedenk, dass „Gott den Hoffärtigen widersteht, den Demütigen aber Gnade gibt“. Du wirst vielleicht zu unreinen Begierden versucht; dann musst du dessen eingedenk sein, dass du ein heiliger Tempel Gottes bist, der nicht verunreinigt werden darf. Zuerst und zuletzt aber bedenke, dass du in der ewigen Gnade und Gemeinschaft Gottes bist und es dir deshalb geziemt, würdiglich vor Ihm zu wandeln.

 

Du wirst vielleicht zum Geiz und zum Eigennutz versucht; bedenke dann, dass du ein Himmelserbe bist, der nach dem trachten soll und muss, was droben ist.

 

Hier ist ein beständiges Töten des Fleisches nötig, was uns oft ein bitteres Leiden verursacht und darum eine unendliche Geduld erfordert. Selig aber die Menschen, die hierin bis ans Ende aushalten! Sie sind Gottes Kinder und Himmelserben. Es wird gewiss oft bitter schwer, ist aber vor Gott dem Herrn, den Engeln und den Heiligen ein lieblicher Anblick, wenn z.B. ein junger Mensch, der die Welt und ihre Lust sehr liebte, jetzt um des Herrn willen allem entsagt; oder wenn ein Kind, das von Natur sehr eigensinnig war, jetzt gegen sich ankämpft und seinen eigenen Willen dem Willen Gottes und dem der Eltern unterwirft; oder wenn ein Mensch, der sehr zum Hochmut und zur Eitelkeit neigte, jetzt durch die Zucht des Geistes anspruchslos, schlicht und einfach geworden ist. Ja, welch ein schöner Anblick, wenn der Stolze und Jähzornige sich selber zu züchtigen anfängt, um mild, demütig und sanftmütig zu sein. Wenn der Mensch um der Gnade willen, seiner Natur schnurstracks zuwider, so gegen sich selbst zu kämpfen anfängt, dann heißt das durch den Geist die Geschäfte des Fleisches zu töten“.

 

Und solche Menschen werden leben, sagt der Apostel.

 

Sie werden den Himmel einnehmen, sie werden nach einer kurzen Zeit der Tötung des Fleisches mit den Engeln und den Heiligen in einer unendlichen Seligkeit das ewige Leben bei Gott und Seinem Christus genießen.

Römer 8, 12–13

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Ist es Gott angenehm?

Auch ihr als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen Hause und zum heiligen Priestertum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus.

1. Petr. 2, 5

 

Lasst uns hier bedenken, dass Gott der Herr wirklich ein herzliches Wohlgefallen daran hat, wenn ein Kind Gottes aus Liebe und Dankbarkeit für Seine große Barmherzigkeit Ihm seinen Leib, seinen willigen Dienst und die Entsagung der Lüste des Fleisches opfert.

 

Geschieht es nicht im Glauben und aus Liebe, sondern nur, um sich Verdienste bei Gott zu erwerben, dann sind alle solche Dinge nur Kainsopfer, die Gott nicht gefallen; denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“. Opfern wir aber etwas im Glauben an Christus, aus Dankbarkeit für die große Gnade Gottes, dann ist Ihm dies immer angenehm, wenn es auch so gering wäre wie „ein Becher kalten Wassers“. Dies sollte uns zu solchem Opfern besonders aufmuntern und anspornen. Hier aber hindert uns unser tiefer, leidiger Unglaube. Wenn wir endlich erfahren und gelernt haben, dass eigene Würdigkeit vor Gott nicht bestehen kann und dass die Sünde allem anklebt, was wir tun, dann kommen wir auf den Gedanken, dass Gott dem Herrn nichts gefallen würde, selbst das nicht, was wir im Glauben und aus Liebe zu Seiner Ehre und zum Nutzen des Nächsten tun. Dadurch werden wir dann träge und ungeneigt zu Seinem Dienst.

 

Diese Meinung ist also ein sehr schädlicher und hindernder Irrtum. Obwohl wir mit eigenen Werken Gott nicht versöhnen und den Himmel nicht verdienen können, obwohl unsere Werke vor den Augen Gottes nicht fehlerfrei und vollkommen sind, ist es doch eine ebenso wichtige wie unerschütterliche Wahrheit, dass, wenn unser inwendiger Mensch durch Christi Opfer geheiligt und Gott angenehm ist, dann auch alle unsere Liebesbemühungen Ihm herzlich wohlgefallen. Der Herr ist ein milder und liebevoller Vater, der mit großem Wohlgefallen das ansieht, was Seine Kinder aus Liebe für Ihn tun wollen. Wenn ein Kind Gottes nun trotz all seines Sündenelends für Seine große Barmherzigkeit dankbar und willig und geneigt ist, Ihm zu dienen, dann ist dies Sein höchstes Wohlgefallen; und alles unserem Dienst noch anhaftende Unreine und Mangelhafte ist mit der Gerechtigkeit Christi so zugedeckt, dass Gott nie auf diese Mängel blickt.

 

Es sind die Mängel und die Dürftigkeit unserer Werke, die uns hindern, hierbei an das Wohlgefallen Gottes zu glauben. Wir spähen immer nach dem, was groß und glänzend ist. Könnten wir einige große Werke tun, Menschenmassen bekehren, Missionare oder Märtyrer werden, dann könnten wir glauben, dass solches Gott wohlgefalle. Lasst uns bedenken! Das Wohlgefallen Gottes hängt nur davon ab, dass wir im Glauben und aus Liebe tun, was Er uns befahl, und dass Sein Gebot und Wort die meisten Menschen an die geringen Werke gebunden hat, die im Hause und in der Familie am notwendigsten sind. Der Herr Christus sagt, dass Er am Jüngsten Tage öffentlich vor Menschen und Engeln solche Werke preisen wird, die ein jeder Christ, auch in dem geringsten Stande, tun kann. Und Er sagt, dass Er die Werke, die wir um Seinetwillen unserem armen Nächsten getan haben, mit einem solchen Wohlgefallen betrachten will, als hätten wir sie Ihm persönlich getan.

 

Er wird sagen: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mich gespeist; Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mich getränkt; Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt Mich beherbergt; denn was ihr einem unter diesen Meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr Mir getan.“ Wie könnte der Herr Sein Wohlgefallen an unseren Werken, die wir um Seinetwillen taten, wohl stärker bezeugen? Woher rührt es, dass wir dennoch nicht glauben, dass solche Liebesdienste Gott wohlgefällig sind? Wir glauben, ja fühlen es geradezu, dass es Ihm missfällt, wenn wir nicht Ihm, sondern der Sünde dienen. Weshalb sollte es Ihm dann nicht wohlgefällig sein, wenn wir stattdessen die Sünde fliehen und in Liebe Ihm dienen? Merken wir nicht wieder, wie hier des Feindes Verblendung unsere Gedanken zu befallen droht?!

 

Lasst uns darum oft und tief die Worte von den Opfern der Liebe bedenken: Sie sind „Gott angenehm“. Möchte der Herr uns helfen, es zu glauben!

 

Dann würden wir mit herzlicher Lust sprechen: „Ist es Gott angenehm, dass ich jetzt diesem armen Bruder etwas Gutes tue, wie gern will ich es tun!

 

Sieht Christus es an, als täte ich es Ihm, wie glücklich bin ich dann! Ist es Gott angenehm, dass ich in meinem sonst schweren und mühsamen Beruf geduldig, treu und eifrig bin, wie gern will ich es sein!

 

Ist es Gott angenehm, dass ich in einer sich zeigenden Widerwärtigkeit oder einem Verlust ergeben und zufrieden bin oder dass ich gegen meine Mitmenschen freundlich, sanftmütig, mild und demütig bin, nicht Böses mit Bösem vergelte, sondern lieber eine „gelinde Antwort gebe, die den Zorn stillt“, wie gern will ich es tun!

 

Ist es Gott angenehm, dass ich jetzt diesem oder jenem entsage und meine Begierde unterdrücke, wie gern will ich es tun!

 

Ist es Gott angenehm, dass ich jetzt ein Wort des Trostes, der Warnung oder der Ermahnung an meinen Nächsten richte oder dass ich seine Fehler und Schwachheiten zudecke und ihm nicht afterrede — ist alles das wirklich Gott angenehm, wie gern will ich es dann tun!“

 

Seht, so würden wir zu allem Guten gestärkt und aufgemuntert werden, wenn wir wirklich glaubten, was der Herr Christus und die Apostel uns gesagt haben, nämlich wie angenehm solche Opfer Gott sind.

 

Jesu, der Du liebest mich,

Lehr mich auch zu lieben Dich,

Dass ich Dir in dieser Liebe

Opfre mich aus freiem Triebe.

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Gott bewahre uns davor,
unsere Sündennot nicht zu erkennen !

Du lässest durch das Blut deines Bundes deine Gefangenen los aus der Grube, darin kein Wasser ist. - Sach. 9, 11

 

Es ist wahr: Es ist grässlich mit unserer Sünde und mit dem Leichtsinn und der Gottlosigkeit unseres Herzens. Aber du daniedergedrückter Mensch, allem würde abgeholfen werden, wenn du nur Christus kennenlerntest! Du würdest mitten in deinem größten Elend dich unaussprechlich freuen. Es sind vor allem einige Stücke, die du weder glaubst noch verstehst. Du glaubst nicht, dass die Sünden der ganzen Welt, auch die deinen, schon hinweg genommen, in der Todesstunde Christi schon ganz versöhnt, ausgestrichen und getilgt sind.

 

Du glaubst nicht, dass die Sünden der ganzen Welt und auch deine am Kreuze so wirklich versöhnt wurden, dass sie keinen Augenblick deine Begnadigung verhindert haben, sondern dass eine ewige Gnade und Gerechtigkeit von jener Stunde an darauf gewartet haben, angenommen zu werden, und dass der treue Gott mit einem vor Liebe brennenden Herzen dir wie einem verlorenen Kind auf deinen Irrwegen nachgegangen ist. Könntest du das glauben, dann würdest du sogleich voll seliger Demütigung und Liebe in Seine Arme laufen und ausrufen: „O mein Herr und mein Gott!“

 

Sodann glaubst du nicht, dass das Blut Christi für alle Sünden gilt. Du meinst, es gelte für einige äußere und abgelegte Sünden sowie für gewisse mäßige Sünden, nicht aber für die inneren oder die Bosheit des Herzens, nicht für die recht schweren und unheimlichen Sünden, nicht für die noch vorhandenen starken und mächtigen Sünden. Alles das rührt daher, dass du nicht in lebendigem Glauben bedenkst, dass das Blut des Sohnes für unsere Sünden vergossen ist. Denn glaubtest du das, dann würdest du dir selber gegenüber verschwinden und nur in ein ewiges, seliges Beschauen des Versöhnungswunders in Christi Blut versinken.

 

Wache denn auf und sieh, welch eine Schar von Evangelisten, Engeln, Propheten und Aposteln gleichsam mit einem Munde bezeugen, dass Gott die Welt so geliebt hat, dass Er Seinen eingeborenen Sohn zu einem Versöhnungsopfer für die Sünden der ganzen Welt dahingegeben hat und dass diese Versöhnung Sündern wirklich zur Erlösung von ihren Sünden und den Urteilen des Gesetzes dienen sollte. So zeugt hier der Prophet: „Du lässest durch das Blut deines Bundes deine Gefangenen aus der Grube los.“ So zeugte Christus in der Nacht, als Er zu Seinem Leiden ging: „Mein Blut wird vergossen zur Vergebung der Sünden.“ So zeugt Johannes: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.“ So zeugt der Apostel Petrus: „Wisst, dass ihr mit dem teuren Blute Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes erlöst seid.“ So zeugt Paulus, dass „Christus alles durch das Blut an Seinem Kreuz versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel.“

 

Sollen wir noch mehr der zahllosen Zeugnisse anführen? Bedenke, dass ein langes Weltalter mit einem von Gott vorgeschriebenen, weitläufigen Opferdienst voll unzähliger, blutiger Opfer viertausend Jahre hindurch der Welt verkündigt und geschildert hat, wie einst in der Fülle der Zeit ein blutiges Opfer die Sünden der Welt wegnehmen und versöhnen werde! Du armes, gesetzliches Menschenkind, was wiegst du gegenüber diesem großen Zeugnis eines langen Weltalters voll unzähliger blutiger Opfer, die alle dir zurufen: Nicht du, nicht du kannst den Schaden gutmachen, der der Sündenfall heißt! „Man hat dich in einer Waage gewogen und zu leicht gefunden.“ Nein, Zion! „Du lässt (nur) durch das Blut deines Bundes deine Gefangenen aus der Grube los, darin kein Wasser ist.“

 

Ziehe nun hier einen gesunden Schluss. Hast du verstanden, wie Gott durch all diese Zeugnisse uns verkündigt hat, dass Er Seinen eingeborenen Sohn zu einem blutigen Opfer für unsere Sünden dahingegeben hat — sage, sind sie dann nicht wohl und hinreichend versöhnt? Sind dann nicht die Sünden der ganzen Welt schon versöhnt? Oder gilt das Blut Christi nicht für alle Sünden? Oder hat Christus Sein Blut nur für die Gläubigen und nur für gewisse kleinere Sünden vergossen? Luther sagt: „Christus hat wahrlich Sein Blut vergossen, nicht für erträumte und gemalte, sondern für wahrhaftige, nicht für kleine, geringe, sondern für überaus große und grobe, nicht für überwundene und getilgte, sondern für unüberwundene und starke, gewaltige Sünden.“

 

Denn bedenke, wie sollten wir sonst Hilfe und Versöhnung für diese herrschenden und gewaltigen Sünden erhalten? Und wo sollten wir Kraft erhalten, sie zu überwinden und zu töten, wenn wir nicht zuerst durch den Glauben den Trost und die Freude der Vergebung erhielten, welche Freude allein unsere Stärke ist, die mächtigen Sünden zu überwinden? Wir müssen ja zuerst Vergebung und Freude in dem Heiligen Geist erhalten, bevor wir Kraft empfangen, die Sünde zu unterdrücken. Gott bewahre uns davor, die Kraft des Blutes des Sohnes Gottes einzuschränken! Sollte dies nicht „rein machen von allen unseren Sünden“?

 

So spricht Gott der Herr: „Kommt nur und lasst uns miteinander rechten! Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden.“

 

Sollt’st du tausend Welten finden,

Von dem Höchsten zugericht’t,

Und du hättest alle Sünden,

Die darinnen sind verricht’t,

Wär es viel; doch lange nicht

So viel, dass das volle Licht

Seiner Gnaden hier auf Erden

Dadurch könnt erlöschet werden.

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Entweder oder - etwas anderes gibt es nicht !

Was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr. - 2. Kor. 6, 15 und 17

Hat Christus dich in wunderbarer Barmherzigkeit von der Welt erwählt und dich berufen, Sein Jünger und Sein Freund zu sein, mit Ihm das selige, heilige, innige Gemeinschaftsleben zu führen — o so folge Ihm mit Ernst, Aufrichtigkeit und Treue! Weder Er noch deine eigene Wohlfahrt lässt dies doppelte Wesen zu, das sich zwischen Gott und der Welt, zwischen Christus und Belial teilt.

Triff darum deine Wahl! Du kannst dich unmöglich teilen. Geschieden ist geschieden, Christus ist Christus, und die Welt ist die Welt. Gottes Freundschaft ist eine Sache und der Welt Freundschaft ist eine andere, sie können nie vereinigt werden. Vielleicht ist es zu schwer, Jesus zu folgen und die Freundschaft der Welt zu verlieren. Beschwere dich dann gar nicht damit, sondern gehe mit der Welt; das ist viel leichter und angenehmer (für das Fleisch), und es ist dadurch doch ebenso viel gewonnen, als wenn du dich zwischen ihnen teilen wolltest, ja, viel mehr. Denn in letzterem Falle verlierst du sie beide. Nicht darfst du dich recht der Welt und nicht der Freundschaft Gottes in der Zeit, nicht der Freude des Himmels in der Ewigkeit erfreuen.

Aber wie und worin sollen wir uns von den Ungläubigen scheiden? Antwort: Vorausgesetzt, dass du wiedergeboren und also schon dem Herzen und der Denkweise nach von ihnen geschieden bist — so dass du in geistlichen Dingen andere Gedanken hast als sie und andere Lust im Herzen hast als sie, so dass du liebst, was sie verachten, und das verachtest und hasst, was sie lieben —, so folgt daraus, dass du dich in allem, was von diesem Innern abhängt und auf dasselbe einwirkt, von ihnen trennst. Du musst dich also von ihrem sündigen Wesen in Worten und Werken und endlich von allem scheiden, was Anlass oder Versuchung zur Sünde mit sich führt, es seien nun Vergnügungen, Gesellschaften oder was es sonst sein möge. Du musst dich also von den Ungläubigen in Rede, Aufführung, Handlungsweise, selbstgewählten Gesellschaften und Vergnügungen trennen.

Wenn du z.B. siehst und hörst, dass andere sich unbesonnen herablassen, eitel verfängliche Dinge zu schauen, zu hören und von ihnen zu reden, musst du, der du ein Jünger Jesu und ein Tempel des Heiligen Geistes bist, hierin etwas anderes tun und wie Hiob „einen Bund mit deinen Augen machen“, dass sie nicht nach Eitelkeiten sehen, mit deiner Zunge nicht an verfänglichem und kleinlichem Geschwätz teilnehmen, sondern lieber, wenn es angeht, von den Rechten und Wohltaten des Herrn reden oder auch in der Stille mit deinem Gott sprechen. Während andere, die auch Christen sein wollen, frei und offen Gottes Gebote unter die Füße treten, Seinen heiligen Namen missbrauchen oder Seinen Sabbat entheiligen, musst du dagegen deinen Gott so fürchten und Ihn so lieben, dass du nicht gegen Seine Gebote handeln willst.

Wir reden hier vom Ausgehen von der Welt und nennen darum nicht die Sünden, die auch von ehrbaren Weltmenschen für Sünden angesehen werden, wie z.B. Ungehorsam, Zorn, Hass, Unkeuschheit, Unehrlichkeit usw. Aber in Bezug auf das, was auch diese für unschuldig ansehen und was sie verteidigen, lass das deine Regel sein, nie nach der Sitte und den Urteilen der Menge, sondern nach dem Worte Gottes und dem Beispiel Christi und der Heiligen über das Sündliche oder Unschuldige einer Handlungsweise zu urteilen. Wenn es z.B. eine Gesellschaft oder ein Vergnügen gibt, das an und für sich unschädlich und unschuldig scheint, das aber gegen den Sinn des Geistes streitet, so dass du einsiehst, dass Jesus nicht mit dir daran teilnehmen würde, dass du Ihn nicht dazu einladen, nicht in Seinem Namen hingehen kannst, oder wenn du fühlst, dass dein Inneres mehr dadurch verliert als gewinnt — so fliehe davor! Hier gelten die Worte des Apostels: „Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, strafet sie aber vielmehr.“

Wenn hier von Gesellschaften die Rede ist, so versteht sicher ein jeder, dass hiermit nicht jene Veranstaltungen gemeint sind, an die dich dein irdischer Beruf bindet. Hier gilt es, nur vor ihren Sünden zu fliehen. Wenn es sich aber darum handelt, dass es von dir selber abhängt, deinen Umgang zu wählen, dann musst du von denen „ausgehen“, die gegen deinen Herrn sind.

Hier könntest du fragen: Soll man nicht alle Menschen lieben? Gewiss, aber nur so, wie dein Herr liebte. Er liebte alle und liebte sie so, dass Er Sein Leben für sie hingab; aber Er wurde nie vertraulich mit den Feinden Seines Vaters und Seines Reiches. Tue du auch so! Liebe alle, opfere dich auf für sie, tue ihnen wohl, glaube aber nicht, dass es deine Pflicht sei, mit den Feinden deines Herrn vertraulich zu sein oder dich auf gleichen Fuß mit ihnen zu stellen — ein Vertrauen, eine Übereinstimmung, die zur Bedingung hat, dass du das Gute böse und das Böse gut heißen solltest.

Bedenke! Wenn die Jünger Jesu zuweilen zu den Feinden ihres Herrn gegangen wären und vertrauliche Freundschaft mit ihnen geübt hätten, wäre das Treue gewesen? Judas tat es und — endete damit, seinen Herrn in ihre Hände zu verraten. Vielleicht meinst du aber, dass sie nicht für Christi Feinde angesehen werden dürfen, wenn sie z.B. gute, angenehme Menschen sind. Prüfe dann! Wenn deine Gesellschaft nicht duldet, dass du gut von deinem Herrn redest, dann weißt du, wo du bist, nämlich bei Seinen Feinden. Du musst entweder mit deinem ganzen Wesen die Gesellschaft verwunden, indem du deinen Jüngersinn bekennst — oder mit ausreichender Zweideutigkeit und Verstellung deinen Herrn verleugnen und dein Gewissen verwunden.

Das bedenke, wer freiwillig zu dem Kohlenfeuer der Feinde Christi geht!

 

 

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Der Sorgengeist greift jeden wiedergeborenen Christen an!

Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, dass Er nicht helfen könne; und Seine Ohren sind nicht hart geworden, dass Er nicht höre. Jes. 59,1

 

Es gibt Menschen, die sich wohl in allen Stücken als rechte Christen beweisen und doch in gewisse Sorgen und Nöte vertieft einhergehen, als wären diese nie zu ändern, als gäbe es eine Not, in der unser Gott nicht helfen könnte, als wäre Gott tot oder ohnmächtig geworden und als ob das Kind des Höchsten in irgendeiner Sache unglücklich sein müsste. Zwar scheinen sie Glauben und Erkenntnis genug zu haben; aber in einer gewissen Not oder Schwierigkeit ängstigen sie sich und seufzen und trauern in einer solchen Weise, als gäbe es keinen Gott und Heiland. Werden sie daran erinnert, Gott zu vertrauen, dann antworten sie: „Wohl weiß ich, dass Gott mächtig und treu ist, aber hier ist ja ein Verhältnis, dem nicht abgeholfen werden kann.“

 

Dieser Geist der Sorge kann zuweilen jeden Christen angreifen.

 

Aber es ist nur Finsternis, Unglaube und Irrtum, wenn ein Christ sich für unglücklich und sein Verhältnis für unabänderlich ansieht. Der Herr spricht: „Ist Meine Hand nun so kurz geworden, dass sie nicht erlösen kann? Oder ist bei Mir keine Kraft zu erretten? Oder habe Ich kein Herz mehr für euch? Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem Ich sie entlassen hätte? Oder wer ist Mein Gläubiger, dem Ich euch verkauft habe?“

 

Es liegt also lauter Finsternis und Irrtum in dem Gedanken, dass ein Christ in irgendeinem Fall unglücklich sein müsste. Ein Kind Gottes ist nie unglücklich, es kann in Wirklichkeit nicht unglücklich sein.

 

Denn ein Kind Gottes zu sein, ist an und für sich schon ein solches Glück, dass jedes Unglück des Lebens - wenn auch demselben nicht abgeholfen werden könnte - dagegen nur wie ein kleines Sandkorn gegen die ganze Erde, nur wie der Verlust eines Pfennigs gegen den Gewinn von Millionen ist.

 

Und unser Gott kann allem abhelfen, „die rechte Hand des Höchsten kann alles ändern“. Sollte Er aber in einer Sache nicht helfen oder sie nicht ändern wollen, weil Er es nicht für gut hält, dann darf dies die Kinder Gottes nie unglücklich machen, weil sie sicher zu ihrem Glück gerade in dieser Lage verbleiben müssen, gemäß den Worten des Apostels: „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Das ist der große Vorzug, den alle Kinder Gottes anderen Menschen gegenüber haben, dass - was ihnen auch immer geschehen mag - ihnen alles unbedingt zu ihrem Besten dienen muss.

 

Die Welt kann wohl mehr Gold und Silber, mehr Speise und Trank, mehr Scherz und Vergnügen haben, in das glückliche Verhältnis aber kann sie nie kommen, in dem die Kinder Gottes leben, denen alles zu ihrem Besten dienen soll, wohingegen die Welt alles zu ihrem Schaden anwendet. Und wenn der Welt alles am besten zu sein scheint und sie aufs höchste gekommen ist, dann ist es nichts weiter, als dass sie des Teufels Sklavin und Miterbin des ewigen Feuers ist.

 

Wenn dagegen die Kinder Gottes es am ärgsten haben und am tiefsten in das Jammertal der Leiden und Versuchungen hinabgeführt werden, wenn Hiob im Sack und in der Asche sitzt und jammernd seine Wunden schabt, wenn Jeremia in der Grube voller Schlamm, Daniel in der Löwengrube und der arme Lazarus mit Wunden und in Fetzen vor des Reichen Tür liegen, ist es nicht ärger mit ihnen, als dass sie mitten in alledem des Herrn Augäpfel“, Seines Herzens Lust, Kinder der Gerechtigkeit, das heilige Volk und das Eigentumsvolk sind, um schließlich von den Engeln in Abrahams Schoß getragen zu werden.

 

Die Kinder Gottes können also nie unglücklich sein.

 

Selbst das Unglück muss ihnen zum Nutzen gereichen - und was noch mehr ist, selbst die Sünde, die das größte Übel ist, wird sie nicht verdammen, der Teufel sie nicht überwinden, der Tod ihnen nicht schaden, vielmehr müssen all diese grässlichen Feinde auf den Wink des Herrn ihnen zum Nutzen gereichen.

 

Hieraus erkennen wir, dass es keine Not gibt, in der unser Gott nicht helfen kann, dass keine Macht uns von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, zu scheiden vermag und kein Feind Ihm die Schafe Christi entreißen kann. Um jemals verlorenzugehen, müssten sie wie unsere ersten Eltern „vorsätzlich“ von Christus weggehen, vorsätzlich Seiner Stimme ungehorsam werden, bezaubert von der Stimme der Schlange und dem Betrug der Sünde.

 

Hier ist der Grund für die wichtige Wahrheit, dass kein Christ verlorengeht, solange er sich davor fürchtet, Gottes Wort schätzt, dasselbe hört und sich sagen lässt.

 

Solange kann keine Gewalt ihn von der Liebe Christi scheiden, wäre er auch noch so schwach, sähe es auch noch so übel aus und läge er auch noch so tief im Elend.

 

Allem kann abgeholfen werden, solange er Hilfe bei dem Herrn sucht, und zwar in Übereinstimmung mit der Weise, in der der Herr zu helfen versprochen hat.

 

Denn es ist unmöglich, dass jemand, der dem Herrn vertraut und Ihn im Glauben anruft, dennoch schließlich zuschanden würde.

 

Forscht in der Schrift von Anfang der Zeit an und untersucht, ob jemand, der auf den Herrn gehofft und Ihn angerufen hat, jemals zuschanden geworden ist. Es ist nur ein jämmerlicher Unglaube, wenn ein Christ in irgendeiner Lage trauert, als hätte er keine Hoffnung. Denn allem kann unser Gott abhelfen. Er ist ein allmächtiger, treuer Vater, der in allem für Seine Kinder sorgt, an allem teilnimmt, was ihnen zustößt, sie schützt, pflegt und ihnen hilft, wie geschrieben steht: „So spricht der Herr Zebaoth: Wer euch antastet, der tastet Meinen Augapfel an.“

 

Fass’ im Glauben kühnen Mut,

Hilf’ wird dir Dein Helfer senden;

Mit der Hand, die Wunder tut,

Wird Er deine Leiden enden;

Er ist lauter Lieb und Huld;

 

Hoffe, Herz, nur mit Geduld!

 

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Unsere Bürgerschaft ist im Himmel !

Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilands Jesus Christus, des Herrn. Phil.3, 20

 

Im zweiten Brief an die Korinther sagt Paulus: „Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht; wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um; als die Sterbenden und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht ertötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich.“

 

Höre nur, welche Rätsel!

 

Ist dies nicht ein wunderliches und geheimnisvolles Wesen, das so spricht! Ein so wundersames Wesen ist ein Christ, unterdrückt und doch triumphierend, betrübt und doch fröhlich, arm und doch sehr reich, sündig und doch vollkommen gerecht, elend und doch herrlich, Wanderer auf Erden, aber immer mit einem himmlischen Wandel!

 

Die Welt hat auch Freude und Vergnügen, aber nur, solange „die Blume auf dem Felde“ nicht verwelkt, nur, solange das irdische Wohlergehen währt. Wenn dies aber vorbei ist, dann hat auch die Freude ein Ende. Dem Apostel Paulus dagegen geht die Sonne erst am Abend auf; und wenn es hier unten dunkelt, dann erhebt er sich zum Lichte des Paradieses dort oben.

 

Er hat ein doppeltes Leben.

 

Er ist ein Wanderer auf Erden, aber seine Bürgerschaft ist im Himmel. Er gehört der Ordnung einer höheren Sache an und lebt mit seinem Herzen in seinem höheren, rechten Vaterland. „Unser Wandel“ (oder genauer) „unsere Bürgerschaft ist im Himmel“, sagt er. „Sie ist“, sagt er, nicht „sie wird sein“, und er bezeichnet sie damit als etwas schon Gegenwärtiges. Paulus spricht hier etwas ganz anderes aus als das, was die Welt mit der Hoffnung „eines zukünftigen Lebens“ meint. Paulus weiß, dass er, während er noch auf Erden wandelt, schon Mitbürger des Himmels ist. Welch ein Glück und welch ein Schatz ein solches Bewusstsein ist, das hat noch kein Menschenherz auf Erden je ganz ermessen können.

 

Woher aber, so mag man wohl fragen, hatte Paulus diese Glaubensgewissheit?

 

Er kannte Christus! Das ist das Geheimnis!

 

Er sah im Dunkel seines Erdenlebens einen Mann, der ihm diese Gewissheit schenkte, einen geheimnisvollen Mann, der da sprach: „Ich bin vom Vater ausgegangen und in diese Welt gekommen.“ Als dieser dann sagte, Er wolle hingehen und Seinen Freunden in des Vaters Haus die Stätte bereiten, und sie Ihn darauf nach dem Wege dorthin fragten, war Seine Antwort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Als sie Ihn baten: „Zeige uns den Vater!“, antwortete Er: „Wer Mich sieht, der sieht den Vater.“

 

Auf Seinen Allmachtswink wurden die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Stummen redend, und die Toten standen aus ihren Gräbern auf. Er trieb die Teufel aus, Er vergab die Sünden, Er befahl den Kräften der Natur und zerbrach schließlich selber die Ketten des Todes, indem Er mit einem verklärten Leib aus dem Grabe auferstand.

 

Nachdem Paulus mit diesem Herrn und Heiland in Bekanntschaft gekommen war, konnte er die trostvolle Sprache führen: „Unsere Bürgerschaft ist im Himmel.“ Zugleich wusste er, dass er durch Ihn das im Sündenfall verlorene Kindesrecht bei Gott und das Bürgerrecht im Himmel wiedererhalten hatte. Was folgt daraus? Daraus folgt, dass alle, die denselben Glauben haben und dieselbe Bekanntschaft mit dem Heiland gemacht haben wie Paulus, auch dieselbe Gnade und Bürgerschaft im Himmel haben wie er, weil sie mit demselben Blut des Sohnes Gottes erlöst sind wie er und darum dieselbe tröstliche Gewissheit davon haben sollen wie er.

 

Gewiss wirst du die Herrlichkeit dieser himmlischen Bürgerschaft nicht an dir sehen und fühlen.

 

Sie ist tief verborgen und mit allem Elend dieses Lebens bedeckt. „Unser Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“ Aber sie ist doch gewiss und wohlbegründet. Ist es Nacht auf Erden, dort oben ist es ewig hell und klar. Ist der Weg uneben und mit Dornen bewachsen, wir pilgern unserer Heimat zu. Dort sind unsere Freunde, die uns kennen, und dort ist unser großer Freund vor anderen Freunden. So heißt es dann.

 

Und dies ist keine Dichtung, sondern die gewisseste Wirklichkeit, gegründet auf Christi Worte und Werke und auf Seinen Eingang für uns in das Allerheiligste.

 

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge“, sagt der Apostel, „sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Und dies ohne Ansehen der Person. „Es ist hier kein Unterschied, sie sind allzumal Sünder.“

 

Aber ein jeder, der an Christus glaubt, durch den allein wir erwählt sind, ehe der Welt Grund gelegt war — ein jeder, der an Christus glaubt, d. h. der sich selber richtet und straft, seinen einzigen Trost aber in dem hat, der die Gottlosen gerecht macht — ein jeder, sowohl die Sünderin als auch die Jungfrau Maria, sowohl der Schächer als auch Paulus, ist gleichermaßen erwählt, gerecht und Gott angenehm in dem Geliebten.

 

Ein jeder von ihnen ist ebenso gewiss einer dieser Mitbürger mit den Heiligen und den Hausgenossen Gottes.

 

Wie groß ist Deine Herrlichkeit,

Du gläub’ge Seel, schon in der Zeit,

Die du auf Jesum Christ vertraust

Und auf Sein festes Wort nur baust.

 

Er hüllte dich in Sein Gewand

Und hat sich selber dir vertraut,

Er gab dir Seines Geistes Pfand,

So bist du Jesu Christi Braut.

 

Du stehst mit Jesu in dem Bund,

Und diesen hält Er ewiglich.

Er denkt an dich zu jeder Stund,

Er selber litt den Tod für dich.

 

So gehst du in Sein Reich fürwahr

Und erbest dann aus Seiner Hand.

Nur ein’ge Tage oder Jahr’,

 

Erreicht ist dann das gute Land.

 

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Ich kenne euch nicht !

Ich erkenne die Meinen und bin bekannt den MeinenJoh. 10, 14

 

Nicht ohne weiteres wird man erkennen können, welch ein großes Geheimnis in diesen Worten liegt.

 

Sie sagen uns, dass eine innige Bekanntschaft zwischen dem Herrn und Seinen Schafen herrscht, auf der alles beruht.

 

Was mag das bedeuten? Man fängt an, etwas zu ahnen, wenn man denselben Herrn in der entscheidenden Stunde, in der Er an Sein Versöhnungswerk geht, feierlich erklären hört: „Das ist das ewige Leben, dass sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“

 

Höre, was der Herr Christus für das ewige Leben erklärt!

 

Nur Gott und den Heiland zu erkennen.

 

Und, wenn Er von dem feinsten Selbstbetrug in geistlichen Dingen redet, von dem Betrug einer eigenen Frömmigkeit, Kraft und Geistlichkeit, durch den viele am Jüngsten Tage sagen werden: „Haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt und in Deinem Namen Teufel ausgetrieben und in Deinem Namen viele Taten getan?“ — dann wird Er sie mit den Worten „Ich habe euch noch nie erkannt“ abweisen.

 

Dieselben Worte finden wir in dem ewig gültigen Abweisungsurteil über die Jungfrauen, die zur Hochzeit wollten, ihre Lampen nahmen, dem Bräutigam entgegengingen, aber kein Öl hatten. Der Herr wird nur diese eine Bemerkung machen: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“

 

Bedenke, wie bedeutungsvoll dieses Wort „kennen“ hier sein muss. Dasselbe Richterwort gebraucht Er, als Er erklärt, weshalb diejenigen, welche durch die enge Pforte einzugehen trachteten, es aber dennoch nicht konnten und dann beschwörend sagen würden: „Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehrt“; auch ihnen gilt das gleiche, niederschmetternde Richterwort: „Ich kenne euch nicht, woher ihr seid.“

O, muss nicht ein jeder, der dies liest und dabei erkennt, wie der Herr Christus als der entscheidende Richter so ernstlich darum geeifert hat, dies hervorzuheben — muss nicht ein jeder merken, dass hier ein überaus wichtiges Geheimnis vorliegt? Für die Gläubigen war und ist dies nichts Unvermutetes; im Gegenteil, für sie sollte es gerade eine erfreuliche Bestätigung dafür sein, dass sie Ihn recht erfasst haben.

 

Unerwartet aber ist es für diejenigen, die sich darüber wundern, dass der Herr nicht sagt: „Ihr habt gegen Mein Gesetz gesündigt“ oder „Ihr seid nicht ernstlich genug in eurer Besserung und Heiligung gewesen“; ja, auch für diejenigen, die sich wundern, dass der Herr nicht eine scharf eingeteilte Gnadenordnung vorlegte und sagte: „Gegen diese habt ihr gefehlt“. Überraschend wird es für alle diejenigen sein, die es so haben wollen, die zu ihrer Verwunderung Ihn aber immer nur sagen hören: „Ich kenne euch nicht!“

 

Alle werden erkennen müssen, dass in dem Texte vom Jüngsten Gericht bei Matth.25, wo so viele Werke angeführt werden, dennoch das ganze Gewicht darauf gelegt wird: „Das habt ihr Mir getan“, um Meinetwillen habt ihr Meinen geringsten Brüdern dies oder jenes getan, dass also Christus und eine innige Bekanntschaft mit Ihm die Quelle gewesen sind, aus der diese Werke flossen; dass allein Christus, nicht aber ihre eigene Heiligkeit, der Gegenstand ihres Auges und ihres Heiligungseifers gewesen ist.

 

Sollten nicht alle, die erkannt haben, welche besondere Fürsorge Jesus um dieses Verhältnis geübt hat, um des Herrn Christus und des ewigen Wohls ihrer unsterblichen Seelen willen einmal stillhalten und sich von dem Herrn, der die Schlüssel in Seiner Hand hat, sagen lassen, dass, wo Er zuschließt, kein Mensch aufschließt?

 

Sollten wir nicht Seinen Worten stillhalten und sie ernstlich beherzigen? Viele ernste und fromme Männer sind nach jahrzehntelangem heiligen Eifer um Gott und Sein Reich dadurch über dies Verhältnis aufgewacht und wie Brände aus dem Feuer gerissen worden, dass sie das Geheimnis des Reiches Gottes in dem duldenden, blutenden Herrn mit den durchbohrten Händen und Füßen zu sehen bekamen.

 

Nur in Ihm und in Seinem Tod haben sie hinfort ihr ganzes Leben, ihre Freude und ihren Trost erhalten und alsbald ihre bisherige irdische Seligkeit demgegenüber für schal und jammervoll erachtet. So wird man gesinnt, wenn man Jesus recht erkennen lernt; und nur diejenigen, bei welchen Christi Erkenntnis solcher Art ist, sind Seine Schafe.

 

„Willst du dann ein für allemal wissen und deutlich definieren (bestimmen) können, was ein Christ sei“, sagt Luther, „oder woher der Mensch ein Christ heiße, so musst du nicht sehen nach Mose Gesetz oder der größten Heiligen Leben und Heiligkeit, sondern nur hierher auf das Wort Christi: „Meine Schafe kennen Mich“, so dass du sagst:

 

Ein Christ ist nicht, der da ein herrlich, streng, ernstlich Mönchs- und Einsiedlerleben führt; denn solches können auch Juden und Türken tun, unter denen etliche viel strenger leben.

 

Kurz: Alles, was in uns und von uns geschehen kann, das macht keinen Christen.

 

Was denn? Allein das, dass man diesen Mann kenne, von Ihm halte und sich zu Ihm versehe, was Er will von Ihm gehalten haben, nämlich dass Er sei der gute Hirte, der Sein Leben für die Schafe lässt und sie erkennt.

 

Solche Erkenntnis heißt und ist nichts anderes denn der Glaube, so da folgt aus der Predigt des Evangeliums.“

 

„Weicht alle von Mir!“ O schreckliches Wort!

So wird Er nur sagen zu jenen dort,

Die hier nicht im Glauben zu Ihm gekommen

Und Seine Versöhnung nicht angenommen

Zu ihrem Heil.

 

 

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Alle meine Erdentage sind im Buch des Lebens aufgeschrieben

Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln. - Offb. 5, 1

 

Überaus gewaltig und herrlich ist der in diesen Worten enthaltene Trost. Wenn unsere Augen nur geöffnet würden, ihn zu erblicken und in einem wachen Glauben für Wahrheit zu halten, würden wir wohl alle unsere Besorgnisse von uns werfen und sagen: „Nun will ich nichts mehr! Jetzt mag Gott in allen Dingen das mit mir tun, was Er will. Ja, jetzt mögen alle bösen Geister und bösen Menschen mit mir tun, was sie vermögen; ich fürchte mich vor nichts.“

 

Lasst uns darum das angeführte Bibelwort etwas näher betrachten!

Johannes sieht ein Buch in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sitzt. Und was enthält dieses Buch? Es enthält, wie die erste Stimme aus dem geöffneten Himmel sagte, „was nach diesem geschehen soll“ (Kap. 4, 1): was mit der ganzen Welt und vor allem auch mit dem Volke Gottes auf Erden geschehen soll.

 

Ein solches Buch in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sitzt, bedeutet: Gott weiß aufs Genaueste alles, was uns widerfahren wird, wie ja das, was in ein Buch geschrieben ist, stets vor Augen liegt. Da das Buch in Seiner rechten Hand, der wirkenden Hand, ruht, so ist damit bezeichnet, dass der große, allmächtige Gott alles leitet und regiert. Dazu trägt Er um das, was uns widerfahren soll, eine so genaue Fürsorge, dass Er es in einem Buch aufgeschrieben hat; denn wir wissen, dass Buchführung über das, was getan wird, die genaueste Fürsorge andeutet.

 

Aber nun: Ist nicht gerade das, was hernach geschehen soll, der Gegenstand aller unserer Besorgnisse? Unsere Herzen sind gewöhnlich voller Unruhe und voller Gedanken über das, was uns widerfahren wird. Auch derjenige, der so glücklich ist, nicht von der Traurigkeit der Welt, die den Tod wirkt, verzehrt zu werden, sondern ein gläubiger Christ geworden ist, hat dennoch eine neue Welt von Besorgnissen in Bezug auf mancherlei wichtigere Dinge: Hier unsere eigene Seele, unsere Sünden, Versuchungen, Kämpfe, die Gefahren vor Fall und Abweichungen, dort die Seelen unserer Angehörigen und anderer Menschen, und wie es ihnen ergehen wird; hier die Zukunft der Kirche oder was der Gemeinschaft widerfahren wird, dort eine Menge von Kleinigkeiten, die uns doch oft aufs Bitterste beunruhigen.

 

Denn abgesehen davon, dass die Christen die Liebesfürsorge haben, dass alles wohl gehen möge, und einen erleuchteteren Blick auf solches, was andere für ein Nichts ansehen, so sind sie auch stets die Zielscheiben aller feurigen Pfeile des Teufels, dieses ruhelosen Feindes, der mit Versuchungen, Anfechtungen und allen möglichen falschen Eingebungen unseren Frieden zu stören sucht, so dass Gottes Kinder oft weder Tag noch Nacht Ruhe haben.

 

Worauf sollen sie sich dann verlassen?

 

O dass es mir gegeben würde, zu sehen, was hierin liegt, dass alles, was uns widerfahren kann, in ein Buch geschrieben ist, das in der rechten Hand dessen ruht, der auf dem Thron sitzt, wie auch schon David sah und zum Troste seines Herzens sang: „Alle Tage waren in Dein Buch geschrieben, als derselben keiner da war.“ Wir haben noch einen treuen Vater im Himmel, der sich mit so zärtlicher Fürsorge um alles kümmert, was uns betrifft, dass Er es in ein Buch geschrieben hat, das Er in Seiner rechten Hand hält. Wenn wir eine solche Zärtlichkeit und Fürsorge Gottes um uns sehen und glauben könnten, — glaubst du dann nicht, dass unsere armen Herzen eine selige Ruhe und einen hohen Frieden und Trost in allen kommenden Tagen haben würden?

 

Aber hier kommt nun der Heide in unserer Brust — unser ungläubiges, finsteres Herz und unsere Vernunft — und sagt: „Ja, die großen Weltbegebenheiten oder das, was der ganzen Kirche widerfahren soll, das hat Gott in sein Buch geschrieben, nicht aber, was so kleine, einzelne Wesen wie mich angeht.“

 

Gewiss scheint es zu viel zu sein, gewiss ist es unserem Verstand ganz und gar unbegreiflich, wenn wir sagen sollten, dass Er auch alles, was dir und mir widerfahren wird, in Sein Buch geschrieben hat. Aber was soll man tun, wenn derselbe große Herr, der auf dem Thron sitzt, sagt, dass Er nicht nur für jeden einzelnen Menschen und dessen geringsten Angelegenheiten, sondern sogar für jeden Vogel auf Erden sorgt? (Matth. 10, 29–31).

 

Was sollen wir aus diesem Herrn machen? Einerseits sagt unsere Vernunft: „Das ist ganz unmöglich, unmöglich!“, und andererseits steht die ganze sichtbare Schöpfung voll unzähliger Zeugen gegen uns auf und ruft mit tausend Stimmen: „Siehe, was Gott erschaffen hat! Siehe, welche großen Werke, und siehe, welche Kleinigkeiten!“ Und da Er nun einmal alle diese Kleinigkeiten gemacht hat, ist es Ihm wohl ebenso leicht, sie zu sehen und zu behüten. Ach dass wir aus der jämmerlichen Finsternis unseres Unglaubens aufwachen könnten! Wir leben mitten in dem unendlichen Reichtum an Zeugnissen von der Macht und der Herrlichkeit Gottes und sehen doch nichts! Es ist der Herr selber, der da sagt: „Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Doch fällt derselben keiner auf die Erde ohne euren Vater. Auch sind die Haare auf eurem Haupte alle gezählt.“

 

Sollt’ Er was sagen und nicht halten?

Sollt’ Er was reden und nicht tun?

Kann auch der Wahrheit Kraft veralten?

Kann auch Sein wallend Herze ruhn?

Ach nein! Sein Wort steht felsenfest;

 

Wohl dem, der sich auf Ihn verlässt!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Seine Treue und Allmacht geben uns immer wieder Trost !

Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?
Röm. 8,35
nach dem Grundtext

 

Hier kommt der Apostel der Hauptsorge der Kinder Gottes wegen ihres Verbleibens in der Liebe Christi entgegen. ER hatte uns vorher über die Besorgnis wegen der Beschuldigungen des Gewissens und der Furcht vor Gottes Zorn mit der gegenwärtigen Gnade getröstet. Jetzt wendet er sich gegen die Bekümmernisse wegen der vielen Gefahren für das geistliche Leben und will uns dessen vergewissern, dass nichts von allem, was uns während der Wanderung jemals widerfahren kann, uns von der Liebe Christi zu scheiden vermag. Und wie zuvor, so stellt er auch hier wieder seinen Trost in dem triumphierenden Ton einer Frage dar.

 

„Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ Die Frage bezeichnet einen starken Glauben und eine große Zuversicht des Apostels. Sie regt dazu an, darüber nachzudenken, inwiefern wir von der Liebe Christi geschieden werden könnten. Hier wird uns eine ausführliche, trostreiche Antwort gegeben. Aber eine solche Bekümmernis pflegt die Gläubigen zu beunruhigen, und sie brauchen diesen Trost. Wir dürfen nicht denken, der Apostel hätte etwas geschrieben, um nur seine eigene Zuversicht zu zeigen, nicht aber in der Absicht, etliche solche Trostbedürftige damit zu trösten. Es ist eine allgemeine Besorgnis aller wahren Gläubigen, ja ein kennzeichnendes Merkmal der wahren Gnade in den Herzen, dass sie wegen des Verbleibens in der Liebe Christi besorgt sind. Es genügt ihnen nicht, für die Gegenwart Trost zu haben und in der Gnade Gottes zu sein, sondern sie denken auch an das Verbleiben darin bis an das Ende.

 

Es ist ein gutes Zeichen, wenn du deine Schwachheit und Unbeständigkeit sowie die Hindernisse und die Macht der Feinde so lebhaft empfindest, dass du deines teuren Schatzes beraubt zu werden befürchtest, obwohl es eine Schwachheit deines Glaubens ist, wenn du in der Treue und der Stärke deines Gottes keinen entsprechenden Trost hast. Die Furcht aber ist ein gutes Zeichen, denn sie deutet nicht nur an, dass du deine Schwachheit und die Macht der Feinde empfindest, sondern dass auch die Gabe selbst dir unentbehrlich wurde.

 

Denn so ist ja die Natur des Herzens, dass wir, je nachdem uns etwas teuer und unentbehrlich ist, Angst und Furcht haben, es zu verlieren. Wenn ich einen kleinen Schatz zu verwahren habe, dann bin ich gewiss nicht in allzu großer Furcht vor Dieben. Ist der Schatz aber groß, z.B. eine hohe Geldsumme, dann meine ich, dass alle Diebe dies wissen würden, und dann halte ich zur Aufbewahrung keinen Raum für sicher genug. Wer in dieser gefahrvollen Welt seinen Seligkeitsschatz niemals zu verlieren befürchtet, wird dessen Wert auch nicht sehr hoch schätzen. Ein besseres Zeichen ist es, wenn du einen besonderen Geist der Furcht hast, ein Gemüt, das fast beständig einen Betrug oder eine geistliche Gefahr befürchtet, und wenn du, wie ein alter Lehrer schreibt, „gleichsam von Todesangst ergriffen wirst, wenn du dir den Fall denkst, dass du eines Tages die Gottesfurcht und den Glauben aus deinem Herzen verlieren würdest“. Solches zeugt von einem Werk des Geistes an der Seele, das dir deinen Gnadenstand recht teuer und unentbehrlich machte. Diejenigen aber, die um die Gnade Gottes bekümmert sind, sollen mit ihr getröstet werden. Das ist eine Hauptregel im ganzen Wort Gottes. Nach ihr handelt der Apostel auch hier. Gerade diejenigen, die sich fürchten, will er trösten; ihnen versichert er hier, dass sie einen solch mächtigen, getreuen Herrn und Beschützer haben, dass nichts sie von Ihm zu scheiden vermögen wird. Viele mächtige Feinde und Hindernisse werden sich uns zwar in den Weg stellen; „aber in dem allen überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat.“

 

Die Liebe Christi!

 

Die Gnade, von der uns nichts zu scheiden vermögen wird, bezeichnet hier der kurze, aber inhaltsreiche Ausdruck die Liebe Christi, d.h. nicht unsere Liebe zu Christus, sondern Seine Liebe zu uns, wie es der Zusammenhang zeigt.

 

Denn in dem unmittelbar vorhergehenden Vers hat der Apostel beschrieben, was Jesus für uns getan hat und noch tut. Was will es denn heißen, von der Liebe Christi geschieden zu werden? Ganz ohne Zweifel bedeutet es, von der persönlichen Teilhaftigkeit an der Liebe Christi, also vom Gnadenstande geschieden zu werden. Im Gnadenstande ist die Liebe unsere ganze Seligkeit. Nicht nur, dass wir durch die Liebe Christi alles das empfingen, was zum Leben und zur Seligkeit gehört - des Vaters ewige Gnade, die Freiheit von aller Verdammung, den Heiligen Geist in unserem Herzen, die Kindschaft und das Erbrecht im Himmel -, sondern sie ist es auch, die schon hier den größten Schatz und die Seligkeit aller Gläubigen bildet. Der echten Braut gilt die Liebe des Bräutigams mehr als alle Seine Gaben und Schätze. Ein Gläubiger spricht darum mit Asaph:Herr, wenn ich nur Dich habe, dann frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ ER wird auch daran erkannt, dass seine Besorgnis, wenn er sich verging, zumeist in der Furcht besteht, seinen Herrn erzürnt und Seine Liebe verloren zu haben. Darum ist der Ausdruck die Liebe Christi einem gläubigen Herzen entnommen.

 

Nun sagt der Apostel: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ Wie zuvor bemerkt wurde, liegt schon im Ton der Frage die trostvolle Gewissheit, dass niemand und nichts uns von dieser Liebe zu scheiden vermögen wird. Wir müssen es einen großen, göttlichen Trost nennen, dass wir einen so getreuen und mächtigen Herrn haben, der uns in allen Versuchungen und Gefahren beistehen und uns glücklich hindurchhelfen wird, wenn wir Ihn anrufen - auch wenn wir nicht den Trost erhalten, den unser altes Herz gern haben will, nämlich nicht mehr in solcher Gefahr zu schweben, dass wir es täglich nötig hätten, den Herrn anzurufen und von Ihm abzuhängen.

 

Gepriesen sei der Herr!

 

Wir haben in Seiner Treue und Allmacht doch immer Trost, wenn wir ihn brauchen.

  

Und nur so ist der Trost, den der Herr uns geben will!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Gott wird Mensch in Jesus Christus

Das Wort ward FleischJoh. 1,14

 

Das Wort, das ewige Wort ward Fleisch. Gottes ewiger Sohn wird Mensch, wirklicher Mensch, nur nicht ein sündiger, sondern ein reiner Mensch, geboren von einer Frau. Wer von einer wahren, natürlichen Frau geboren wird, der muss auch ein wahrer, wirklicher Mensch sein. So ist auch Gottes ewiger Sohn ein Glied unseres Geschlechts, so dass Sein Stamm und Seine Vorfahren unter die Nachkommen Adams gezählt werden, wie es das erste Blatt des Neuen Testamentes zeigt. Gottes Sohn ist unser Verwandter, unser Blutsverwandter, den Brüdern gleich, die Sünde ausgenommen. Unbegreifliche Liebe Gottes, die einen so wunderbaren und so gnadenvollen Ratschluss zu unserer Errettung fasste!

 

Aber hier wird es vor den Augen der Vernunft schwarz. Gottes ewiger Sohn unser Blutsverwandter, unser Bruder! Ist es wahr? Ist es möglich? Ich beginne und ich schließe, und ich beginne wieder mit diesem Punkt. Ist es wahr? Ist es möglich? Ich kann es nicht begreifen, kann aber auch nicht davon wegkommen. Meine Gedanken werden gleichsam in ein Netz ewiger Unbegreiflichkeiten, zugleich aber auch in ein Netz unwiderleglicher Zeugnisse eingeschnürt. Die Frage hat ein solches Gewicht, dass mit ihr das ganze Christentum steht oder fällt und damit zugleich auch unsere ganze Errettung und Seligkeit.

 

Einerseits ist es viel zu groß und zu herrlich, dass wir armen, gefallenen Menschenkinder so hoch geschätzt und geehrt sein sollten, dass Gottes ewiger Sohn unser Bruder und Blutsverwandter sein soll - viel zu groß und herrlich, so dass ich es wegen seiner Größe nicht glauben kann. Andererseits ist mir dieser Stein des Anstoßes zu schwer, um ihn wegwerfen zu können. Es steht eine Welt voller Zeugnisse da, die auf Ihn deuten; zuerst ein ganzes Weltalter der merkwürdigsten Vorhersagungen, sodann ein nachfolgendes Weltalter der merkwürdigsten Erfüllungen und der wunderbarsten pünktlichen Vollziehungen alles dessen, was vorhergesagt wurde. Kann ich die Person wegwerfen, die der Gegenstand dieser Voraussagungen und Erfüllungen ist? Den Stein, der von den Bauleuten verworfen wurde, den Gott aber zu einem Eckstein machte, - sollte ich versuchen, den wegzuwerfen? Oder kann ich auch nur das verwerfen, was ich heute von Seinem Reich auf Erden sehe? Ja, kann ich alles das verwerfen, was ich selber von diesem getreuen Herrn erfahren habe? O nein! Er ist ein lebendiger und gegenwärtiger Gott, wir kennen Ihn ja, - doch nur als offenbart im Fleisch, denn niemand kennt den Vater, denn nur der Sohn.

 

Kann ich aber andererseits all das Große und Herrliche glauben, was darin liegt, dass Gott offenbart ist im Fleisch? Das ist doch allzu groß und herrlich!

 

Und doch ist es eine ewige und göttliche Wahrheit, die ebenso gewiss und göttlich ist, wenn auch die Vernunft aller Menschen daran zerschellt. Ja, Gott sei Dank, dass wir sie nicht begreifen können, d.h. dass wir nicht einen so kleinen Gott haben, dem unsere arme, blinde Vernunft folgen könnte! Gott bewahre uns davor, einen Gott zu haben, der nicht unseren Verstand übersteigen würde!

 

Dass das arme, gefallene und enge Herz diesen unaussprechlichen Schatz und diese unbeschreibliche Freude aber nicht behalten kann, das ist doch eine Plage, derentwegen man sich eine baldige Erlösung wünschen kann. Könnte ich diese große Herrlichkeit nur lebendig in meinem Herzen behalten, dass Gottes ewiger Sohn unser Blutsverwandter, unser Bruder ist, dann wollte ich nichts mehr, dann hätte ich für Zeit und Ewigkeit genug. Denn dann würde ich solche Schlüsse aus diesem seligen Verhältnis ziehen, dass kein einziger trauriger Gedanke mehr Raum bekommen könnte. Mein armes Herz würde wohl eher vor allzu großer Freude und Wonne brechen.

Unser gefallenes und erniedrigtes Geschlecht ist so geehrt worden, dass Gottes ewiger Sohn sich in unser Geschlecht begeben hat, einer unseresgleichen, unser Blutsverwandter geworden ist. Nun will ich nichts mehr wissen, unser Geschlecht ist wahrlich so geehrt und über alle Engelthronen, ja bis in den Himmel erhöht worden, so dass man wohl sagen muss, dass unser durch den Sündenfall erlittener Schaden, unsere Schmach und Erniedrigung mehr als reichlich gerächt und erstattet sind. Jetzt ist es die größte Ehre, ein Mensch zu sein; ja die heiligen Engel hätten wahrlich Grund zu wünschen: Ach, wer nur ein Mensch wäre!“ Es ist wahr, was Luther bemerkt: „Nachdem der Sohn Gottes ein Mensch geworden ist, sollte dies doch die Frucht und die Wirkung auf uns haben, dass wir alles, was Mensch heißt, innig lieben und uns darüber freuen und nie mehr irgendwelche Unfreundlichkeit gegen ein Mitglied dieses Geschlechts hegen.“

 

Alle wiedergeborenen Christen müssten sich auch zu ihrem Troste und ihrer Ermunterung gegen alle Widerwärtigkeiten des Lebens etwas tiefer in diese Betrachtung versenken und Gott um die Gnade bitten, sie in ihr Herz hineinzubringen, so dass sie mit großer Freude und Verwunderung sprechen könnten: Jetzt will ich nichts mehr. Gottes Sohn ist ein Mensch! Dann wird es mit allem gut werden. Ist Gottes Sohn unser Anverwandter oder Blutsverwandter geworden, dann ahne ich im Herzen Gottes eine größere Liebe zu den Menschen, als wir gewöhnlich glauben. Dann muss es nicht so sein, wie es uns so oft vorkommt, dass Gott fern und gleichgültig gegen uns sei; nein, dann muss ein tiefes Verbergen dahinterliegen, ein wundersames Spielen mit uns, wenn Er sich so verhält, als kümmere ER sich nicht um uns.“

 

O Abgrund der Barmherzigkeit,

Dass Gott sich hat in Fleisch gekleidt,

Die Menschheit angenommen,

In allem, ohn’ die Sünd, uns gleich!

Willkomm’n, Herr Gott, vom Himmelreich!

 

Willkomm’n, Herr Jesu! Amen.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Befinde ich mich auf dem schmalen Weg in die Ewigkeit?

Ringet danach, dass ihr durch die enge Pforte eingehet. Luk. 13, 24

 

Welches ist wohl das letzte Ziel für all unsere geistlichen Bestrebungen, für unser Forschen und Lesen?

 

Ist es nicht dieses, dass wir selig werden, dass wir hier in einem guten Verhältnis zu Gott stehen und im Tode zu Ihm heimgehen und allezeit bei Ihm sein werden? Müssten wir darum nicht stillhalten und untersuchen, ob unsere geistlichen Bemühungen auch von der Beschaffenheit sind, dass sie uns wirklich zu diesem seligen Ziele führen, damit wir weder „als aufs Ungewisse laufen noch fechten, als die in die Luft streichen“? Es ist notwendig, erst zu untersuchen, ob auch alle geistlichen Bestrebungen ans Ziel führen und ob ein jeder, der in irgendeiner Weise nach dem Reiche Gottes trachtet, auch wirklich hineinkommen wird, oder ob es im Gegenteil nur einen Weg zum Leben gibt. Dann bleibt zu untersuchen, ob wir uns auf diesem allein selig machenden Weg befinden, so dass wir mit Freuden die Jahre zu Ende eilen sehen können, oder ob wir zuvor noch zu einem anderen Leben kommen müssen, bevor wir selig sterben können.

 

Traurig, schrecklich, wenn man nicht Gnade zu einer solchen Besinnung erhält!

 

Traurig, schrecklich, wenn man die Sache mit dem Leichtsinn seiner fleischlichen Sicherheit abmachen kann, ohne Prüfung vor dem Herrn! Wer aber Gnade zur Besinnung erhält und wer gegen seine Seele aufrichtig sein will, der hüte sich davor, die Antwort auf seine Fragen aus der Luft zu holen oder sich niederzusetzen, um nur zu denken oder nachzusinnen und unmittelbare Antwort im Herzen zu erwarten. In so wichtigen Fragen darfst du auch nicht nach den Meinungen eines Menschen fragen, sondern musst nur auf das Wort des Herrn achten, der am Jüngsten Tage richten wird. Deshalb führen wir einige bedenkenswerte Worte aus dem Munde Jesu an. Gott gebe uns Gnade, sie recht zu beachten!

 

Jesus sagt: „Ringet danach, dass ihr durch die enge Pforte eingeht; denn viele werden, das sage Ich euch, danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden es nicht tun können.“ Hier wird die wichtigste Frage diese sein: Was bedeutet dies? Wie geschieht es, dass auch solche, die danach trachten, durch die enge Pforte einzugehen, es nicht werden tun können? Glücklicherweise hat der Herr auch dies erklärt. Und die Erklärung der Schrift darüber ist eine zweifache. Die erste lautet so: Viele trachten nach dem Reiche Gottes, tun es aber nicht mit genügendem Ernst, um durch die enge Pforte eingehen zu können. Sie sind erweckt, aber nicht ganz wach; sie wollen Gott und Seine Gnade, aber auch die Welt und ihre Freundschaft haben. Sie wollen zwei Herren dienen und nicht alle Sünden fahren lassen. Christus sprach: „Wer zu Mir kommt und hasst nicht sein eigenes Leben, wer nicht um Meinetwillen alles fahren lassen kann - Vater, Mutter, Bruder, ja sein eigenes Leben —, der kann nicht Mein Jünger sein. Er ist gleich einem Menschen, der einen Turm baute, aber nicht hatte, es hinauszuführen.“ Er hat dann gewiss Mühe und Kosten daran gewandt, hat aber nichts davon. Es war ein reicher Jüngling, der Jesus nachfolgen wollte, es ließ sich aber nicht tun mit Beibehalten des Reichtums; und als er hörte, dass er diesen fahren lassen müsste, ging er betrübt von dannen.

 

So geht es vielen. Welch herzzerreißender Umstand, dass sie dann betrübt von dannen gehen! Sie waren der Pforte des Himmels so nahe. Sie sahen den Herrn und liebten Ihn in gewisser Weise, waren aber gezwungen, von Ihm wegzugehen, denn sie konnten nicht alles um Seinetwillen verlassen. Sie trachteten also danach, hineinzugehen, konnten es aber nicht tun.

 

Andere gehen unwissend, in falschem Troste fern vom Herrn; sie meinen, dass sie Ihm angehören, obwohl ihnen die Kennzeichen der Neugeburt und der neuen Kreatur fehlen.  Noch andere wollen wohl um alles in der Welt das Suchen nicht aufgeben, meinen auch nicht, dass mit ihnen alles schon gut stehe; das eigentliche Eingehen durch die Pforte aber schieben sie fortwährend auf. Sie denken an die Bekehrung und den Glauben, ihre eigene Bekehrung aber vorzunehmen oder jetzt Gnade und Versöhnung mit Gott zu suchen und die Gabe des Glaubens, das Leben und den Frieden des Glaubens zu suchen, daraus wird nichts, weil sie zögern und warten, bis es zu spät ist. Sie zögern ein Jahr nach dem anderen und meinen, dass der Herr immer auf sie warten und ihnen die Tür nicht zuschließen würde, bevor sie hineingegangen sind; so werden sie betrogen, dass sie schließlich nicht hineingehen können.

 

Die andere Ursache ist viel schwerer zu fassen, sie ist „der eigentliche Stein des Anstoßes und der Fels des Ärgernisses“. Viele werden so ernstlich danach trachten, durch die enge Pforte einzugehen, dass sie deshalb Vater, Mutter, Brüder verlassen, ja, dass sie ihr eigenes Leben drangeben können, sie werden aber nur deshalb nicht eingehen können, weil sie nicht einer Sache entsagen wollen, an der sie noch mehr als an ihrem Leben hängen, nämlich an ihrer eigenen Meinung und dem Ansehen ihrer eigenen Bekehrung und Entsagung.

 

Mit anderen Worten: Sie trachten danach, durch die enge Pforte einzugehen, lassen sich aber nicht sagen, wo diese ist, sondern gehen darauf los und stoßen mit dem Kopf gegen die Mauer, wo keine Pforte ist.

 

Das sind die Leute, die Jesus mit dem Manne auf der Hochzeit beschreibt, der kein hochzeitliches Kleid anhatte, und mit den Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen, aber kein Öl in ihren Gefäßen mit sich nahmen.

 

Sie haben Christus und den Glauben zwar in der Lehre, im Verstande und im Munde, im Herzen aber ist etwas anderes ihr Weg, etwas anderes ihnen wichtiger — nämlich das, was sie selber „durch Gottes Hilfe“ sein und tun sollen.

 

Geht drum hin und fallet nieder,

Bittet: Herr, erforsche mich!

Sucht das Wort, durchsucht es wieder,

Prüft euch doch ganz ernstiglich!

 

Lasst euch sagen und zerschlagen,

Wenn euch Gott im Worte lehret,

 

Dass ihr Ihm nicht angehöret.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)