Jesus Christus erzieht uns für die Ewigkeit

Lasset uns unser Wesen erforschen und prüfen und uns zum Herrn bekehrenKlagel. Jer. 3,40

 

Nachdem Jeremia von den Trübsalen geredet hat, dass man auf die Backen geschlagen und „fälschlich gerichtet“ werde, und von allem gesagt hat: „Wer darf denn sagen, dass solches ohne des Herrn Befehl geschehe?“, fügt er hinzu: „Wie murren denn die Leute im Leben also?

 

Ein jeglicher murre wider seine Sünde. Und lasset uns unser Wesen erforschen und prüfen und uns zum Herrn bekehren.“ Eine überaus wichtige Ermahnung, wenn wir recht von dem Übel erlöst werden wollen!

 

Der Herr ist ein großer, getreuer Freund, ein Freund für die Ewigkeit.

 

ER will die Seele erretten.

 

ER will uns vom ewigen Verderben und von der Hölle erlösen.

 

Wie unaussprechlich hart muss dann der äußere Mensch oft angegriffen werden, wenn der inwendige gesund und am Leben erhalten werden soll. Darum sei nicht so fleischlich gesinnt, dass du nur auf Menschen und äußere Umstände blickst, wenn dir etwas Böses widerfährt. Glaube doch, dass ein Gott unter uns lebt, der sogar die Haare auf unserem Haupte gezählt hat, und dass uns ohne Seinen Willen nicht das geringste Übel geschieht. Gehe in dich und erforsche dein Wesen, ob darin nicht etwas ist, worauf der Herr dich mit diesem plagenden Übel aufmerksam machen will. Wahrlich, wenn wir nicht bezaubert sind, werden wir bald merken, was der Herr bezweckt, und wir werden bekennen müssen, dass eine Sünde oder Untreue der Grund zu dem Übel ist, woran wir leiden. Wir werden finden und erkennen, dass wir uns nicht bei einem einzigen Übel, das uns trifft, entschuldigen können, dass es nicht im Zusammenhang mit unseren Sünden stände. Und solange du nicht die Hauptursache, nämlich deine Sünde oder Untreue, hervorsuchen und um Erlösung davon bitten willst, erhältst du, sofern du ein wahres Kind bist, das für den Himmel erzogen werden soll, keine Ruhe in deiner Seele.

 

David redet davon, die Sünde vor dem Herrn zu verschweigen, d.h. vor dem Angesicht des Herrn die Sünde nicht einzugestehen und Gnade zu suchen. Er sagt davon: „Da ich es verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Heulen; denn Deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir usw. Da sprach ich: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst Du mir die Missetat meiner Sünde. Dafür werden Dich alle Heiligen bitten zur rechten Zeit; darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an dieselben gelangen.“ Sieh hier den Weg, von dem Übel erlöst zu werden.

 

Hast du dagegen Ruhe in der Sünde, hast du Ruhe im Festhalten an einer dir bewussten Untreue oder Sünde, dann ist die Befreiung von dem äußeren Übel dein größtes Unglück, dann erwartet dich eine neue Sorge in der Ewigkeit. Darum, welches Übel uns auch immer treffen mag, in welche Not wir auch immer geraten mögen, wir werden nicht beten können: „Erlöse uns von dem Übel“, ohne dabei an unsere Sünden zu denken. Doch dies gilt von wahren Kindern Gottes, die den Geist der Furcht des Herrn in ihrem Herzen haben. Und dann wird es auch nicht lange währen, auch wenn die äußere Not anfangs alle unsere Gedanken in Anspruch nimmt und bis unser Auge sich auf das Innere richtet, dass wir erkennen und darüber nachdenken, was der Herr bezweckt.

Dann geht es, wie gesagt, so, dass du keine Ruhe hast und keine rechte Zuversicht zum Herrn haben kannst, bevor du Ihm nicht deine Sünden bekannt, dich nicht selber angeklagt und gerichtet hast und dir die Schuld an allem beimisst, indem du sagst: „Ich habe tausendmal mehr als dieses Übel für Zeit und Ewigkeit verdient, denn ich habe gesündigt. Errette mich, errette mich von meiner Sünde!“ Denn in dem Augenblick, in dem wir uns so vor dem Herrn demütigen, erhalten wir wieder Trost und Erquickung und eine kindliche Zuversicht zu Seiner Gnade, neben der Gewissheit: Der Herr wird mein Gebet erhören, ER wird mich von allem Übel erlösen.

 

Aber sieh! Alles, was der Herr tut, läuft darauf hinaus, dass ER unser größtes Übel, die Sünde, heilen, uns geistlich gesund und ewig selig machen will.

 

Darum handelt ER so oft geradezu gegen unsere Meinung und gegen unseren Willen.

 

Er nimmt die äußere Not nicht weg, ja oft auch nicht die innere, sondern lässt auch viel geistliches Böse unsere Seele plagen, unseren alten Menschen durch beständige Demütigungen ermüden und ermatten, wenn wir viel lieber gesund und stark sein wollten. „Der Herr führt die Seinen wunderlich.“ Darum lässt er das dich plagende Übel noch eine Zeitlang währen, vielleicht sogar die ganze Lebenszeit hindurch, und lässt außerdem ein neues Leiden hinzukommen. Das wird dir jetzt viel zu schwer, ja unerträglich sein, du wirst dich an der Regierung des Herrn ärgern, wenn du nicht Seine treue Meinung und Absicht damit bedenkst und deinem Herzen einprägst, dich nämlich von dem größten Übel, der Sünde, zu reinigen und zu erlösen, deinen Geist, die Seele und den Leib zu heiligen und dich für den Himmel zu erziehen.

 

Wenn ein Mensch zu diesem klaren Bewusstsein kommt, kann er sich sogar der Trübsal rühmen, sich über seine bittersten Erfahrungen freuen und Gott für dieselben danken und schließlich ein solcher Gnadenmensch werden, der die Sorge für besser als die Freude, das Leiden für besser als den Genuss, die Armut für besser als den Überfluss, die Verachtung für besser als die Ehre, den Tod für besser als das Leben hält.

  

Herr, mach meine Seele stille!

O Allweiser, wenn mein Wille

Nur in Deinem Willen ruht,

Ja, dann strahlt trotz Leid und Schmerzen

Fried und Freude mir im Herzen;

 

Dann ist alles, alles gut.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Gibt es diesen tiefen festen Glauben in mir?

Kommt her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ... so werdet ihr Ruhe finden für eure SeelenMatth. 11, 28–29

 

Diese liebliche Botschaft ist für unglückliche, arme und gebundene Menschen, die über ihre vorgenommene Bekehrung mutlos sind. Das Evangelium sagt ihnen zu, dass alles, was sie so ängstlich und erfolglos bei sich selber gesucht haben oder durch Besserung, Reue, Gebet und Streit zu gewinnen trachteten, schon von einem Manne ihnen erworben und gewonnen, ja in einem ewigen Testament ihnen zugesichert ist. Wenn sie anfangen, solches zu verstehen, dann bleibt es nicht ohne Frucht; es hat eine unwillkürliche Wirkung auf ihr Herz, es entzündet bei ihnen den wahren, lebendigen, seligmachenden Glauben. Hier entsteht ein Verwundern, ein Fragen, hier entstehen Freude und Hoffnung; dort vermehrte Sorge und Reue, hier Gewissheit und Freude — alles durch dasselbe Leben erregende Evangelium, alles durch denselben angezündeten Glauben.

 

Der eine fängt an, sich zu verwundern und zu fragen: „Soll das so verstanden werden? Darf auch ich kommen?“ Und ein Trachten nach Christus, Hunger und Durst nach Seiner Gerechtigkeit erfüllen das Herz. Ein anderer wird noch betrübter als zuvor; das unter dem Gesetz vertrocknete und starr gewordene Herz beginnt durch die große Liebe Christi zu schmelzen, so dass eine neue Sorge entsteht, vereinigt mit Hoffnung und inniger Sehnsucht danach, jetzt dieser Liebe und Gnade teilhaftig zu werden. Ein dritter wird auf einmal aus der tiefsten Not zu der größten Freude und Gewissheit entrückt.

 

Hierin sind die Wege des Heiligen Geistes unter verschiedenartigen Umständen verschieden.

 

Ihre niedergedrückten Herzen, ihre auf sich selbst und ihre eigene Gerechtigkeit gewandten Augen werden nun auf ein anderes Ziel gerichtet, aufwärts auf den Gekreuzigten, von ihrer eigenen Gerechtigkeit auf Seine Gerechtigkeit, von ihrem Gehorsam auf Seinen Gehorsam, von ihrer Reue auf Seine Angst, von ihren eigenen Gebeten auf Seine Gebete, so dass ihre ganze Hoffnung auf Rettung, ihre ganze Sehnsucht, ihr ganzes Trachten jetzt auf Ihn gerichtet sind. Sieh, bei diesen allen ist ein seligmachender Glaube angezündet, nämlich der Glaube, den Christus so oft bei denen pries, die zu Ihm kamen, um Gnade und Hilfe zu suchen: Die kranke Frau bei Matth.9, die von hinten zu Jesus trat und Seines Kleides Saum anrührte, um von ihrer Krankheit geheilt zu werden, — sie wurde gesund zu derselben Stunde, und Jesus sprach: „Sei getrost, Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen!“ Ebenso die Sünderin, die in Simons Haus mit ihren Tränen Jesu Füße netzte und die Zusage erhielt: „Dir sind deine Sünden vergeben, dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin mit Frieden.“

 

Von diesen Beispielen sagt Luther: „Sie haben das gute Gerücht (Evangelium) gehört, dass Christus der Mann sei, der allen hülfe und alle tröstete; diesem Gerücht hatten sie geglaubt und kamen deshalb zu Ihm, getrieben von der Not; hätten sie nicht geglaubt, so wären sie nicht gekommen.“ Aber beachte! Dieser Glaube hatte sich nur in einem Suchen, in einem Kommen und Anrufen des Namens des Herrn geäußert, und Jesus sagte dennoch, dass es ein wirklicher Glaube, ein helfender Glaube sei, indem Er gerade von diesem sagte: „Dein Glaube hat dir geholfen.“

 

Solches Kommen, Hungern, Dürsten, solcher Kampf und solches Suchen äußerten sich auch bei dem Vater des mondsüchtigen Knaben, als er weinend ausrief: „Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben!“, sowie bei der Braut im Hohenliede, als sie in der Nacht in der Stadt umherlief und die Wächter fragte: „Habt ihr nicht gesehen, den meine Seele liebt?“, ebenso bei dem Patriarchen Jakob, als er ausrief: „Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn.“

Dieser suchende, anrufende, hungernde und dürstende Glaube ist der eigentlich seligmachende Glaube, weil er sich auf Christus gründet und, an allen eigenen Versuchen verzweifelnd, seine Rettung in Ihm allein sucht.

 

Diesem Glauben folgt, früher oder später, ein anderer Grad des Glaubens, ein Finden, eine Gewissheit, eine Antwort, so dass die Braut nun spricht: „Ich habe gefunden, den meine Seele liebt, Er ist mein und ich bin Sein.“

 

Dann fällt die Decke von den Augen, mein Sinn wird erleuchtet, so dass ich nun auf einmal sehe, was ich früher nicht sehen konnte, wie nämlich alles das in Christus vollbracht ist, wonach ich suchte, wie alle meine Sünden und Unreinigkeiten, meine ganze Kälte, Härte und Trägheit in Ihm teuer genug gesühnt, bezahlt, getilgt, ja in die Tiefe des Meeres versenkt sind, und dass ich einzig und allein um des Unglaubens willen so unglücklich einhergegangen bin. Nun aber sage ich: „Ist Einer für alle gestorben, so sind sie alle gestorben.“ (2. Kor. 5)

 

Ich bin in Christus auferstanden.

 

Das ist die volle Glaubensgewissheit.

 

Und ihr folgt immer ein Friede, ein seliger Friede, ein Friede Gottes, nämlich Friede im Gewissen von allen nagenden Sünden, denn sie sind jetzt alle getilgt, vergeben. Daraus folgt eine vertrauliche Freundschaft mit Gott, von der der Apostel sagt: „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“

 

Brich, Seele, aus in Jubelfreud,

Denn Jesus ist nun mein!

Er, Er ist meine Seligkeit

Und wird es immer sein.

Er ist mir mehr als Geld und Gold

Und mehr als täglich Brot,

Vergeben hat Er mir so hold,

 

Erlöst aus aller Not.

Wer treulich kämpft, bringt auch den guten Lohn

 

Zuletzt davon.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Nicht jedes Leiden ist ein Zeichen der Miterben Christi !

So wir anders mit leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Röm. 8,17

 

„So wir anders mit leiden.“

 

Das ist die Laufbahn zur Herrlichkeit.

 

Zwar haben wir das Erbrecht schon durch die Kindschaft, schon durch Christi Leiden erworben, aber die Kampfbahn zum Erlangen des Erbes ist, „mit Ihm zu leiden“. Dies ist von besonderer Wichtigkeit, gleichsam ein bezeichnendes Merkmal der wahren Erben, der echten Kinder, teils um diejenigen zu erwecken und von der Anzahl der Kinder Gottes zu scheiden, die fälschlich wähnen, am Erbe teilzuhaben, während sie doch nicht Christi Nachfolger sind, teils zum Trost für diejenigen, die mit Ihm leiden, aber so leiden, dass sie oft der Verzweiflung nahe sind. Lasst uns denn die Worte „So wir anders mit leiden“ tiefer bedenken!

 

Der Apostel sagt uns hier, dass wir auch im Leiden Teilhaftigkeit an Christus haben werden, der durch Leiden zur Herrlichkeit einging. Es ist eine so entschiedene und bestimmte Ordnung Gottes, dass der Herrlichkeit das Leiden vorangehen soll, so dass auch Christus - der als unser Vorgänger und Vorbild in allem diesen Weg gegangen ist - ausdrücklich erklärt hat, dass wir Ihm darin nachfolgen sollen. Was ER auf Erden litt, muss in zwei besonderen Beziehungen betrachtet werden. Erstens litt ER als Versöhner für unsere Sünden; zweitens war das Leiden Sein Weg zur Herrlichkeit. Was das Versöhnungsleiden betrifft, so steht ER darin ganz allein. ER trat die Kelter allein und war niemand unter den Völkern mit Ihm.“ ER allein befriedigte die Forderungen der göttlichen Gerechtigkeit. ER allein erwarb uns den Lohn der Gerechtigkeit, das ewige Erbe. Aber in der anderen Beziehung war Er unser Vorbild und Wegweiser. Darin müssen wir Seinen Fußstapfen folgen und Ihm ähnlich werden. Die Schrift lehrt ausdrücklich auch von Ihm, dass ER für Seine Erhöhung zu kämpfen und zu siegen hatte und dass ER hierin unser Vorbild und Beispiel sein soll. ER selber spricht:Wer überwindet, dem will Ich geben, mit Mir auf Meinem Thron zu sitzen, wie Ich überwunden und Mich mit Meinem Vater auf Seinen Thron gesetzt habe.“ Das Leiden ist also das Los, das alle Miterben Christi hier auf Erden mit dem Erstgeborenen gemeinsam haben. Sie müssen durch Trübsal zu ihrem Erbe gelangen, einige durch große Trübsal.

 

Aber hier muss genau beachtet werden, dass der Apostel nicht nur sagt: So wir leiden, sondern er sagt: „So wir mit Ihm leiden.“ Denn nicht jedes Leiden ist ein Zeichen der Miterben Christi, „der Gottlose hat viel Plage“, und alles auf Erden Lebende leidet.

 

Hier handelt es sich nur um dasjenige Leiden, das wir durch die Vereinigung mit Christus und in Seiner Nachfolge haben, nämlich nicht nur die Feindschaft und Schmach vonseiten der Welt, sondern auch alle Anfechtungen der Sünde, des Fleisches und des Satans, die gerade eine Folge unserer Vereinigung mit Christus sind, und schließlich geht es um das Leiden, das unsere Züchtigung vom Vater ist, die stets Seine echten Kinder kennzeichnet. Erstens ist es eine im Wort ausgemachte Sache, dass „alle, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, Verfolgung leiden müssen“, wie Jesus uns ausdrücklich sagt: „Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie Mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen.“ Wenn darum jemand ein wiedergeborener Christ sein und sich des Glaubens und der Hoffnung auf die ewige Seligkeit rühmen will, dabei aber ein so beschaffenes Christentum und eine solche Gottesfurcht hat, dass er zu gleicher Zeit sich mit der Welt gut stehen und von dem allgemeinen Haufen geachtet und geliebt sein kann, dann liegt darin nur ein finsteres, entscheidendes Zeichen der Art seiner Gottesfurcht, ein Zeichen dafür, dass er kein wahrer, getreuer Nachfolger Christi ist.

Der Herr hat es gesagt.

 

Sodann gehört zum Leiden mit Christus all jenes Leiden von der Sünde und dem Satan, das wir nur deshalb haben, weil wir mit Christus vereinigt wurden. Gleichwie ER die Sünden der Welt mit Angst und Not trug, so dass ER in Gethsemane kämpfte, betete und schwitzte, müssen auch alle diejenigen, die Seinen Geist haben, wegen der ihnen innewohnenden Sünde kämpfen und beten. Gleichwie Christus vom Teufel versucht und angefochten wurde, müssen auch alle Gläubigen hier von demselben Feind mit peinigenden Versuchungen und feurigen Pfeilen verfolgt werden. Wenn jemand ein wiedergeborener Christ sein will, gleichwohl aber einen so beschaffenen Glauben und eine solche Gottesfurcht hat, dass die Sünde ihn nicht plagt, der Teufel ihn nicht versucht und anficht, so dass er immer stark, ruhig und mutig ist, dann hat er darin ein bedenkliches Zeichen dafür, dass sein Glaube und seine Gottesfurcht falsch sind. Die Geschichten aller Heiligen bewahrheiten dies vielfältig.

 

Das Leiden mit Christus kann aber nicht recht erkannt werden, wenn wir nicht beachten, dass der Leidende ein Kind Gottes sein muss, der nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist lebt und wandelt, ja von Gottes Geist getrieben wird und in diesem Geist „Abba, lieber Vater!“ ruft. Ein solches Gotteskind erfährt, dass es eine ganze Menge neuer Leiden sowohl von der innewohnenden eigenen Bosheit als auch von dem Teufel und der Welt zu ertragen hat - Leiden, von denen es zuvor nichts wusste.

 

Alle solche Leiden hat es also nur deshalb, weil Christus in ihm ist; und dann sind sie gewisslich sichere Zeichen eines Miterben Christi, der jetzt für das Erbe, das er empfangen soll, erzogen wird.

 

Römerbrief

 

Dein Jesus selbst geht dir zum Beispiel vor;

Er musste ja auf Erden vieles leiden,

Eh’ Er sich hob zur Herrlichkeit empor,

Wo Er nun hat und gibt die ew’gen Freuden.

Wer treulich kämpft, bringt auch den guten Lohn

 

Zuletzt davon.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Kinder Gottes mit unverdienter Gnade

Der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohne der FreienGal. 4,30

 

Gar viele sonst ganz erleuchtete Menschen wissen nicht, dass in der Christenheit zwei geistliche Reiche sind. Erstens gibt es ein Gesetzesreich, in dem man alles nach seinem eigenen Verdienst erhält, gemäß dem Wort des Apostels: „Dem, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht.“ Dasselbe wollte auch Christus uns zeigen, als Er sagte, dass diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet und die volle Last und Hitze getragen hatten, keine Gnade erhielten, sondern nur ihren Lohn bekamen, weil sie mit Werken umgingen. Solche Leute werden im Galaterbrief Knechte und Sklaven, der Magd Söhne genannt, die nur das erhalten, was sie verdient haben.

Zweitens gibt es ein Gnadenreich, in dem es nie nach unserem Verdienst geht; vielmehr haben diejenigen, die da hineingehören, eine beständige Gnade. In ihren besseren und schlimmeren Stunden sind sie in demselben Gnadenstand aus der Tatsache, weil sie einen Bürgen haben, der für sie eintritt, dass sie nicht nach dem Gesetz gerichtet und keine Sünden ihnen zugerechnet werden. Von ihnen sagt Paulus: „Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.“ David sagt: „Die Seligkeit ist des Menschen, welchem Gott die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke zurechnet“ - und dem Gott keine Sünde zurechnet. Sie werden im Galaterbrief Kinder, Söhne und Söhne der Freien genannt, die im Hause bleiben und das Erbe des Höchsten haben sollen.

 

Mit diesen Worten von den Knechten und Kindern im Hause, vor allem in dem vorbildlichen Hause Abrahams, hat Paulus darauf aufmerksam gemacht, wie Gott mitten in unseren Familienkreis ein so beredtes Bild Seiner Gnadenbeweise gestellt hat. Ist es nicht wahr, dass die Kinder im Hause in leiblicher Hinsicht in einem solchen Gnadenstand sind, dass sie nie etwas schuldig werden, wie viel sie auch täglich ausgeben und wie wenig sie auch arbeiten? Sie haben alles das, was sie brauchen, frei und umsonst. Sie erhalten Speise und Trank, ihre Kleider, ihre Pflege, ihre Erziehung.

 

Obwohl sie vielleicht nicht das Geringste erwerben, sondern nur verbrauchen, werden sie nie etwas schuldig. Und wenn sie viele Jahre hindurch das Gute empfangen haben, sollen sie schließlich auch noch das Erbe in Besitz nehmen. - Mit den Dienern im Hause, die durch schwere und treue Arbeit vielleicht alles das einbringen, wovon das Haus lebt, hält man Rechnung, so dass sie, wenn sie mehr als den vereinbarten Lohn empfangen haben, schließlich in Schuld stehen; das Haus aber zu erben, davon ist nie die Rede. Die Kinder aber, noch einmal sei es gesagt, werden trotz allem, was sie verbrauchen, obwohl sie nichts erwerben, nie etwas schuldig sein. Ist das nicht eine verwunderliche Regierung? Und woher kommt es, dass die Kinder nichts schuldig werden? Das kommt nur daher, weil man nie Rechnung mit ihnen hält.

Sie sind ja Kinder!“, sagt man. Wer hält wohl Rechnung mit den Kindern, solange sie vom Brot des Vaters leben oder noch auf Kindesfüßen stehen?“

Sieh da das Geheimnis des Reiches Gottes! Mit den Kindern wird nie Rechnung geführt. Unsere Schuld oder Schuldlosigkeit hängt nur davon ab, ob wir Knechte oder Kinder, der Magd Söhne oder Söhne der Freien sind. Schaue in deinem eigenen Familienkreis das wahre Bild des Gnadenreiches, das Bild, das die Schrift so oft anwendet. Geradeso wie mit deinen Kindern ist es mit denen, die in Christus sind und bei Gott auf Kindesfüßen leben. Sie erhalten keine Rechnung. Sie gehören zu denjenigen, denen Gott keine Sünde zurechnet. Sie leben von der Gnade aus dem Verdienst ihres erstgeborenen Bruders. Darum sind sie in einer beständigen Kindschaftsgnade.

 

Ja, es ist wahr! Die Schrift kann nicht umgestoßen werden, obwohl unsere unbeständigen und vom Gesetzessinn erfüllten Herzen diesen seligen Trost nicht behalten können.

 

So wahr die Schrift aber nicht lügt, so wahr ist dies mit allen Gläubigen der Fall.

 

Gott rechnet ihnen keine Sünde zur Verdammnis zu, weil sie Seine Kinder sind und sowohl in schlimmeren als auch in besseren Stunden in derselben Gnade bei Ihm stehen, wenn sie sich über erhaltene Kraft, etwas Gutes zu tun, freuen oder wenn sie sich über ihre Sünden und Torheiten ängstigen, so dass sie „vor Unruhe ihres Herzens heulen“. In derselben Gnade stehen sie, wenn sie „schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist“, wie wenn sie in langwieriger Dürre mit Wermut und Galle gespeist werden. Denn wäre es nicht so, sondern wären wir Gott in den Stunden wohlgefälliger, in denen wir die Gnade erhalten, frömmer und heiliger zu sein, außer der Gnade aber in den Stunden, in denen wir schwach sind und uns versehen, so käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, und Christus wäre vergeblich gestorben. Dann sind wir wahrlich in einem Reich der Werke, das über die Gnade herrscht, nicht aber in einem Gnadenreich, das über die Werke herrscht“. Wir leugnen nicht, dass dies die grässlichste Torheit für unsere Vernunft ist, da alles, was in uns ist, Gefühl, Vernunft und Gewissen, vom Gesetzessinn erfüllt ist.

 

Aber sollen wir ernstlich das glauben, was wir der Natur nach meinen und fühlen?

 

Das hieße ja vom Glauben abfallen.

 

Nein, das Gnadenreich, in dem keine Sünden zugerechnet werden, ist die Summe des ganzen Verdienstes Christi und aller Zeugnisse der Schrift darüber.

 

Gott sei gepriesen für Seine unaussprechliche Gabe!

 

Kommt her, ihr Menschenkinder,

Hier hat man’s ewig gut.

Kommt her, ihr armen Sünder,

 

Hier quillt das reiche Blut.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Der Ursprung der Sünde

Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben1.Mose 2,16–17

 

Das hierin besonders Bedenkenswerte und Lehrreiche ist die Tatsache, dass Gott Sein Verbot an eine so geringe und unbedeutende Tat knüpfte. Sieh und lerne ein für allemal, wie der große, heilige Gott richtet! Wenn Er den Menschen auf die größte und bedeutungsvollste Probe stellt, wählt Er nicht selten die geringste Tat, die auf Erden erdacht werden kann. Eine Probe, deren Folgen sich über eine ganze Welt erstrecken sollte, ein Gebot, dessen Übertretung den Tod aller Art - geistlich, leiblich und ewig - mit sich führen sollte, wird an eine so geringe Tat geknüpft, nicht von der Frucht eines Baumes mitten unter dem Reichtum an Bäumen und Früchten des Paradieses zu essen.

 

Der Herr hat mit diesem Gebot dem Menschengeschlecht auf ewige Zeiten die Lehre gegeben, dass Seine Augen auf das Herz und auf den Gehorsam, nicht aber auf die Größe der Tat sehen. Er hat uns damit eine ernste Lehre gegeben, dass Er über die von Ihm erschaffenen Wesen ein allein gebietender Herr sein will, der vollkommenen Gehorsam verlangt, wenn Er etwas befiehlt. Hätte Er z.B. zu Adam gesagt: „Du sollst deine Frau nicht töten“ oder: „Du sollst nicht die Tiere peinigen“, dann hätte die Vernunft sicher verständliche Gründe dafür gesehen, hätte das Gebot gebilligt und unterstützt und so nur der Vernunft wegen sich danach gerichtet, und dann wäre der Gehorsam gegen des Herrn Gebote nie auf die Probe gestellt worden. Dann hätte der Mensch sich an den Wert der Tat geheftet und das übersehen, was Gott eigentlich haben wollte - den Gehorsam. Nun aber wählte Gott die allerkleinste Tat, auf dass die Vernunft keinen Grund, keine Leitung, keine Unterstützung finden, sondern damit das Gebot einen reinen Gehorsam fordern sollte. Jetzt würde die Vernunft sagen: „Sollte Gott uns wegen einer so geringen Tat zum Tode verurteilen? Das Paradies ist ja voller Bäume und Früchte, dazu sind wir die einzigen, die davon genießen sollen. Für wen soll dieser liebliche Baum aufbewahrt werden?“

 

Es kann auch nicht mit Worten ausgesprochen werden, wie mannigfaltig und unendlich viel Böses aus der Neigung kommt, auf den Wert der Tat statt auf Gottes Wort und Gebot zu sehen. In dieser Neigung liegt der Grund zu aller Sicherheit und Heuchelei. Wenn Gott sagt: „Du sollst nicht töten, nicht stehlen, nicht ehebrechen“, dann kann man das für wichtige Gebote halten. Wenn Er aber sagt: „Du sollst den Namen deines Gottes nicht missbrauchen“ oder: „Du sollst deinem Bruder nicht zürnen, auch nicht seine Worte und Taten durch falschen Bericht entstellen“ usw., dann scheint es einem, als wären dies nur geringe Gebote, die man nach Belieben halten oder auch übertreten kann. Vergisst man den heiligen Willen und die Gebote des großen Gottes und sieht nur auf die Tat, dann kann man mitten unter dem gräulichsten inneren Sündenwesen sicher leben, wenn man nur äußerlich und in gewissen Stücken fromm ist. So handeln von Natur alle Menschen.

 

Aber nicht nur in Bezug auf Gottes Gebote, sondern auch in Sachen des Glaubens bereitet uns die Neigung, nur auf die Tat und nicht auf die Worte Gottes zu sehen, großen Schaden. Dass Gott in der Taufe ein Kind annimmt, es Christus mit Seinem ganzen Verdienst anziehen lässt, das ist für die Vernunft, die nur Wasser und die Amtshandlung eines schwachen Menschen (des Predigers) sieht, die größte Torheit. Wenn das Kind etwa im Alter von zwei Jahren Adams Natur zeigt, dann kann man nicht glauben, dass es vor Gott heilig ist oder dass Seine Engel sich über dasselbe freuen. Oder wenn ein Erwachsener zum Glauben gekommen ist und heute getauft wird, dann muss er morgen spüren, dass „der Unflat am Fleisch nicht abgetan ist“, sondern dass er nur vor Gott rein und in Christi Gerechtigkeit heilig ist. Aber nun sieht er diese Gerechtigkeit nicht, sondern nur das, was er von Adam her hat, nur seine eigene Sünde und Unreinheit, und ist dann gleich bereit, den Mut zu verlieren und zu denken: „Nein, ich wurde doch nicht rein.“ Dann bedeutet es durchaus nichts, was Jesus sagte: „Wer gewaschen ist, der ist ganz rein (vor Gott) und darf nicht, denn die Füße (den Wandel) waschen.“

 

Dann heißt es: „Wenn ich doch fromm und heilig sein könnte; aber dass ich nur Christi Gerechtigkeit haben soll - das ist ein Nichts.“ Warum das?

 

Nur deshalb, weil Christi Verdienst nicht mein eigenes Werk ist und weder gesehen noch gefühlt wird, sondern mir allein von Gott zugesagt ist. Dass Er dies sagt, ist mir nichts. Wenn ich selber etwas Heiliges täte, das wäre doch etwas, worauf ich bauen könnte. In dieser Weise ist dann alles, was Jesus getan, gelitten und gesagt hat, nichts. Alles ist nichts gegen mein eigenes Werk.

 

So ist die Natur. Deshalb ist es wohl nötig, zu beachten, wie die größten Dinge sich unter der geringsten Gestalt verbergen, wenn der Herr etwas sagt.

 

Solches wollte Er ein für allemal die ganze Welt lehren, als die größte Probe an die kleinste Tat geknüpft wurde, wie die ist, von der Frucht eines Baumes zu essen. Bedenke, wenn eine ganze Welt durch eine so kleine Tat, nur um des Wortes des Herrn willen, unter die Sünde, unter Tod und Verderben kommt, dann darf in Zukunft niemand auf den Wert der Tat, sondern einzig und allein auf des Herrn Wort sehen.

 

Dein ganzes Wort, o Herr, lehr schätzen mich,

 

Gib mir ein Herz, das Dir folgt williglich!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Gotteskinder mit unverdienter Gnade

(Kinder erben - Knechte verdienen)

Der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohne der FreienGal. 4,30

 

Gar viele sonst ganz erleuchtete Menschen wissen nicht, dass in der Christenheit zwei geistliche Reiche sind. Erstens gibt es ein Gesetzesreich, in dem man alles nach seinem eigenen Verdienst erhält, gemäß dem Wort des Apostels: „Dem, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht.“ Dasselbe wollte auch Christus uns zeigen, als Er sagte, dass diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet und die volle Last und Hitze getragen hatten, keine Gnade erhielten, sondern nur ihren Lohn bekamen, weil sie mit Werken umgingen. Solche Leute werden im Galaterbrief Knechte und Sklaven, der Magd Söhne genannt, die nur das erhalten, was sie verdient haben.

Zweitens gibt es ein Gnadenreich, in dem es nie nach unserem Verdienst geht; vielmehr haben diejenigen, die da hineingehören, eine beständige Gnade. In ihren besseren und schlimmeren Stunden sind sie in demselben Gnadenstand aus der Tatsache, weil sie einen Bürgen haben, der für sie eintritt, dass sie nicht nach dem Gesetz gerichtet und keine Sünden ihnen zugerechnet werden. Von ihnen sagt Paulus: „Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.“ David sagt: „Die Seligkeit ist des Menschen, welchem Gott die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke zurechnet“ - und dem Gott keine Sünde zurechnet. Sie werden im Galaterbrief Kinder, Söhne und Söhne der Freien genannt, die im Hause bleiben und das Erbe des Höchsten haben sollen.

 

Mit diesen Worten von den Knechten und Kindern im Hause, vor allem in dem vorbildlichen Hause Abrahams, hat Paulus darauf aufmerksam gemacht, wie Gott mitten in unseren Familienkreis ein so beredtes Bild Seiner Gnadenbeweise gestellt hat. Ist es nicht wahr, dass die Kinder im Hause in leiblicher Hinsicht in einem solchen Gnadenstand sind, dass sie nie etwas schuldig werden, wie viel sie auch täglich ausgeben und wie wenig sie auch arbeiten? Sie haben alles das, was sie brauchen, frei und umsonst. Sie erhalten Speise und Trank, ihre Kleider, ihre Pflege, ihre Erziehung.

 

Obwohl sie vielleicht nicht das Geringste erwerben, sondern nur verbrauchen, werden sie nie etwas schuldig. Und wenn sie viele Jahre hindurch das Gute empfangen haben, sollen sie schließlich auch noch das Erbe in Besitz nehmen. - Mit den Dienern im Hause, die durch schwere und treue Arbeit vielleicht alles das einbringen, wovon das Haus lebt, hält man Rechnung, so dass sie, wenn sie mehr als den vereinbarten Lohn empfangen haben, schließlich in Schuld stehen; das Haus aber zu erben, davon ist nie die Rede. Die Kinder aber, noch einmal sei es gesagt, werden trotz allem, was sie verbrauchen, obwohl sie nichts erwerben, nie etwas schuldig sein. Ist das nicht eine verwunderliche Regierung? Und woher kommt es, dass die Kinder nichts schuldig werden? Das kommt nur daher, weil man nie Rechnung mit ihnen hält.

Sie sind ja Kinder!“, sagt man. Wer hält wohl Rechnung mit den Kindern, solange sie vom Brot des Vaters leben oder noch auf Kindesfüßen stehen?“

Sieh da das Geheimnis des Reiches Gottes! Mit den Kindern wird nie Rechnung geführt. Unsere Schuld oder Schuldlosigkeit hängt nur davon ab, ob wir Knechte oder Kinder, der Magd Söhne oder Söhne der Freien sind. Schaue in deinem eigenen Familienkreis das wahre Bild des Gnadenreiches, das Bild, das die Schrift so oft anwendet. Geradeso wie mit deinen Kindern ist es mit denen, die in Christus sind und bei Gott auf Kindesfüßen leben. Sie erhalten keine Rechnung. Sie gehören zu denjenigen, denen Gott keine Sünde zurechnet. Sie leben von der Gnade aus dem Verdienst ihres erstgeborenen Bruders. Darum sind sie in einer beständigen Kindschaftsgnade.

 

Ja, es ist wahr! Die Schrift kann nicht umgestoßen werden, obwohl unsere unbeständigen und vom Gesetzessinn erfüllten Herzen diesen seligen Trost nicht behalten können.

 

So wahr die Schrift aber nicht lügt, so wahr ist dies mit allen Gläubigen der Fall.

 

Gott rechnet ihnen keine Sünde zur Verdammnis zu, weil sie Seine Kinder sind und sowohl in schlimmeren als auch in besseren Stunden in derselben Gnade bei Ihm stehen, wenn sie sich über erhaltene Kraft, etwas Gutes zu tun, freuen oder wenn sie sich über ihre Sünden und Torheiten ängstigen, so dass sie „vor Unruhe ihres Herzens heulen“. In derselben Gnade stehen sie, wenn sie „schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist“, wie wenn sie in langwieriger Dürre mit Wermut und Galle gespeist werden. Denn wäre es nicht so, sondern wären wir Gott in den Stunden wohlgefälliger, in denen wir die Gnade erhalten, frömmer und heiliger zu sein, außer der Gnade aber in den Stunden, in denen wir schwach sind und uns versehen, so käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, und Christus wäre vergeblich gestorben. Dann sind wir wahrlich in einem Reich der Werke, das über die Gnade herrscht, nicht aber in einem Gnadenreich, das über die Werke herrscht“. Wir leugnen nicht, dass dies die grässlichste Torheit für unsere Vernunft ist, da alles, was in uns ist, Gefühl, Vernunft und Gewissen, vom Gesetzessinn erfüllt ist.

 

Aber sollen wir ernstlich das glauben, was wir der Natur nach meinen und fühlen?

 

Das hieße ja vom Glauben abfallen.

 

Nein, das Gnadenreich, in dem keine Sünden zugerechnet werden, ist die Summe des ganzen Verdienstes Christi und aller Zeugnisse der Schrift darüber.

 

Gott sei gepriesen für Seine unaussprechliche Gabe!

 

 Kommt her, ihr Menschenkinder,

Hier hat man’s ewig gut.

Kommt her, ihr armen Sünder,

 

Hier quillt das reiche Blut.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Unser Mund redet davon, 
von was unser Herz voll ist

Gott Ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du selig. Röm.10,9

 

Hier wird ausdrücklich gesagt, dass du selig wirst durch dies eine: „So du in deinem Herzen glaubst und mit deinem Munde bekennst Jesus, dass Er der Herr sei und auferweckt ist von den Toten“. So nahe und bestimmt ist die Seligkeit „im Worte vom Glauben“ gegeben. Fasst du dies nur in deinem Herzen, so dass du in einer lebendigen Weise an Jesus glaubst und Ihn bekennst, sowohl als „den Herrn“, vom Himmel gekommen, als auch als deinen vollkommenen Heiland, „von den Toten auferweckt“, so wirst du selig.

 

Wenn der Apostel die herrliche Versicherung „du wirst selig“ aussprechen will, hebt er hier zunächst ein besonderes Merkmal des echten Glaubens und auch eine in gewissen Beziehungen notwendige Ausübung dieses Glaubens hervor. Das Zeichen des seligmachenden Glaubens aber ist dieses, dass du durch ihn ein Freund Jesu wirst, der Ihn aus der Fülle des Herzens bekennt und Sein Reich zu fördern sucht. Das Bekennen wird aber auch eine notwendige Ausübung des Glaubens sein, so wahr der lebendige Glaube im Herzen nicht nur innere Lust und einen Trieb bewirkt, von Jesus zu reden, der jetzt sein Schatz geworden ist, sondern auch einen Liebeseifer für seine Ehre und für die Errettung der Mitmenschen auslöst. Dass hier mit dem Bekennen der freie, lebendige Ausspruch des Herzensglaubens gemeint ist, nicht aber ein Bekennen nur des Mundes oder das von Kindheit an Gelernte und Nachbuchstabierte sein kann - welches Bekennen auch alle Ungläubigen hervorbringen können -, das verstehen wir sogleich. Denn wir wissen, dass die Schrift es mit dem, was sie redet, immer ernst meint. Wenn sie vom seligmachenden Glauben oder vom Bekennen redet, sind damit immer der lebendige Glaube und das wahre Bekennen gemeint, wo „der Mund das redet, wessen das Herz voll ist“. Außerdem aber hat der Apostel hier ausdrücklich die Worte hinzugefügt „und glaubst in deinem Herzen“. Schon David sagt: „Ich glaube, darum rede ich.“

Was bekennt nun aber der Glaubende von Jesus? „Dass Er der Herr sei“, antwortet der Apostel. Dies ist das erste, was wir glauben und bekennen müssen: Der so tief verachtete, gemarterte und getötete Jesus ist „der Herr vom Himmel“ und „der von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Toten“. In diesem einen, dass nämlich Jesus der Herr ist, liegt alles das, was wir in Bezug auf Seine Person und Sein Wesen glauben und bekennen. Allerdings sagt der Apostel: „Niemand kann Jesus einen Herrn heißen außer durch den Heiligen Geist.“ Er spricht also von einem Bekennen, das von einem Werk des Geistes in der Seele kommt. Durch die Erleuchtung des Geistes nämlich können wir von Herzen das glauben, was einst alle Zungen bekennen werden, „dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters“.

 

Der Glaubende bekennt dazu aber noch ein wichtiges Stück von Ihm, und zwar dies: „dass Gott Ihn von den Toten auferweckt hat“. In diesem kurzen Bekenntnis von der Auferstehung Christi ist alles enthalten, dessen er zu seiner vollen Sicherheit und Seligkeit bedarf. Was nach den Worten des Apostels ein Christ glaubt und bekennt - nämlich dass „Jesus der Herr ist“ und dass „Gott Ihn auferweckt hat von den Toten“ -, enthält demnach alles, was der seligmachende Glaube umfasst. Es ist also der Sache nach dasselbe, was sonst ganz kurz „an Jesus glauben“, „den Sohn haben“, „Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken“ heißt. Von einem solchen Glauben an Christus bezeugt die ganze Heilige Schrift, dass, wie z.B. in Joh.3,16 nachzulesen ist, „alle, die an Ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern ein ewiges Leben haben sollen“.

 

Unser heutiges Wort schließt mit „so wirst du selig“. Lasst uns darum noch bedenken, was dieses Wort „selig“ enthält. Kann ich selig, ewig errettet, ja selig in Gottes Himmel werden? Weiß ich etwas Gewisses von dieser Sache? Diese Frage sollte uns unseren Text überaus wichtig machen. Der Apostel redet hier so, als wäre es ganz entschieden und ganz gewiss, wer selig werden wird. Das ist es auch. Der Apostel sagt mit aller Bestimmtheit: Wenn du ein solcher Zeuge bist, der durch den Glauben des Herzens belebt wird, seinen Heiland zu bekennen (in welchem Falle du auch immer mehrere Zeichen dieses lebendigen Glaubens hast), so ist es entschieden ausgemacht, „dass du selig wirst“. Nur noch einige Tage oder Jahre im Jammertale - dann bist du daheim in der ewigen Ruhe Gottes. Wie allzu groß es auch erscheinen mag, es muss doch gesagt werden: Es ist im ganzen Worte Gottes fest entschieden: So wahr du bis ans Ende in diesem Glauben an Jesus bleibst und durch ihn belebt wirst, Ihn auch zu bekennen, so bist du einer derjenigen, die einst zu Seiner Rechten stehen und eingeladen werden, das Reich zu ererben, „das uns bereitet ist von Anbeginn der Welt“.

 

Beachte den Nachdruck, mit dem der Apostel in diesem Verse das Wort „du“ anwendet: „Du“, „du“, „dein Mund“, „dein Herz“! Er gibt damit jedem Leser Anlass, sich mit der Frage zu beschäftigen: „Bin ich ein solcher Glaubender? Ist das hier erwähnte Bekenntnis in meinem Munde?

 

Pflege ich von Christus zu reden, und zwar nur aus dem Glauben meines Herzens?

 

Wir werden genau in dem Maße Gewissheit von der Seligkeit haben, wie es wahr und wirklich ist, dass wir in unserem Herzen an Jesus glauben und Ihn mit unserem Munde zu bekennen bereit sind.

 

Vergebung aller Sünden und Kraft zur Heiligkeit

Ist nur im Blut zu finden. Kommt, alles ist bereit!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Verlust der Glaubenswahrheit

Christus ist auferstanden am dritten Tage nach der Schrift. 1.Kor. 15,4

 

Mit dieser Erinnerung hat der Apostel ganz unbemerkt den festen Grund seines Beweises gelegt. Er führte die Korinther hierdurch von dem unbeständigen Flugsand ihrer eigenen Gedanken und Meinungen weg auf den festen Grund alles wahren Glaubens, dass nämlich Gott auf Erden geredet hat. Und was Gott geredet hat, das muss ewiglich gelten trotz allem, was unsere armen Köpfe und Herzen dagegen einwenden. Himmel und Erde werden vergehen, nicht aber ein Buchstabe noch ein Tüttel vom Worte Gottes.

 

Dies zu beachten, ist hier wichtig.

 

Denn der ganze Grund all unserer Zweifel an diesem wie an jedem Glaubensartikel ist dieser, dass wir nicht begreifen, wie es möglich ist. Unser kleiner Geist erhebt sich gegen den großen Gott und will, wie Luther sagt, Ihn beim Kragen nehmen und Ihn fragen, wie Er so reden kann“.

 

Und wir bedenken in unserer Blindheit nicht, dass wir nicht einmal unseren eigenen Leib und unsere eigene Seele zu begreifen vermögen, die wir doch so nahe haben. Wir können auch unsere eigenen Fähigkeiten nicht begreifen, z.B. unser Gedächtnis, unsere Gedanken, unser Gesicht, unser Sprechvermögen.

 

Wenn wir darüber nachdenken, können wir über sie nur als über Gottes wunderbare Schöpfungen staunen, begreifen werden wir sie nicht. Und doch wollen wir den Schöpfer verstehen oder Ihn meistern und Ihn gar zum Lügner machen, sobald Er uns etwas sagt, was wir nicht verstehen.

 

Wer unter uns war Sein Ratgeber, als ER den ersten Menschen auf Erden schuf?

 

Gott sei uns gnädig und lasse uns nicht zu Toren werden!

 

Als der Apostel anfing, die Korinther daran zu erinnern, was ihnen nach der Schrift verkündigt war, wollte er gleichsam ein für allemal die ganze Frage der Entscheidung der Vernunft entziehen und sie unmittelbar an das Wort verweisen. Der Glaube soll gar nichts anderes vor sich haben als nur das Wort; er darf der Vernunft nicht gestatten, die heiligen Glaubensartikel meistern zu wollen, denn sonst würden wir bald alles wahre Licht verlieren und schließlich nichts anderes glauben als das, was wir mit den Augen sehen und mit den Händen fühlen.

 

Ich soll nun in diesem Artikel von der Auferstehung der Toten glauben, dass alle Menschen an einem Tag wieder lebendig werden und unser Leib und unsere Seele wieder so vereinigt werden, wie sie jetzt sind. Das kann die Vernunft wahrlich nicht begreifen, denn sie sieht nur, was vor Augen ist: Die Welt hat solange bestanden, einer nach dem anderen stirbt, verwest im Grabe und wird gänzlich zu Staub. Andere wurden zu Asche verbrannt oder ins Meer versenkt, und noch kein einziger ist wiedergekommen. Wenn die Vernunft nun ergründen will, wie unser Gott sich in allem zurechtfinden und ihnen allen an einem Tage neue Leiber geben wird, dann ist es wahrlich mit dem Glauben vorbei. So geht es immer, wenn die Vernunft einen reinen Glaubensartikel beurteilen will und der Mensch sich nicht an das bloße Wort hält.

 

Wenn ich z.B. von meinen Sünden und den Urteilen des Gesetzes und des Gewissens beunruhigt werde, dann muss ich ja alles Vertrauen auf die Gnade und auf das Wohlgefallen Gottes verlieren, wenn ich mein Auge nicht fest auf den Gnadenbund Gottes in Christus Jesus und auf Seine Versicherungen richte.

 

Wenn ich diesen Grund fahren lasse und mich nur in meine eigenen Gedanken und Gefühle vertiefe, dann ist es bald vorbei mit dem Glauben. So ist es oft auch mit der Lehre von Christus gegangen, wenn man hat verstehen wollen, wie Gott Seinen Sohn zu unserer Versöhnung hat bestimmen können und wie Jesus habe Mensch werden und weinen, beten, leiden und sterben können oder wie Gott einen großen Teil der Welt in Unkenntnis darüber bleiben lassen konnte und Sein Evangelium nicht mit Seiner Allmacht, z.B. durch Engel, habe ausbreiten lassen, dann ist man auf allerlei wunderliche und verkehrte Gedanken gefallen und hat damit geendet, nichts zu glauben.

 

Ja, so geht es noch heute vielen auch hinsichtlich der Sakramente. In der Taufe sieht man, dass das Wasser, Wasser ist; im Abendmahl sieht man, dass das Brot, Brot und der Wein, Wein ist usw. Und wenn man dann vergisst, dass Gott allmächtig ist, oder wenn man dies zwar mit dem Munde bekennt, im Herzen aber denkt, dass ER dies oder jenes nicht tun könne, dann hat man bald die herrlichsten Glaubenswahrheiten verloren, nur weil die blinde, vermessene Vernunft sich hineingemischt hat.

 

Gott hat es gesagt, das soll genügen!

 

Um im Glauben zu verbleiben, dass ich ein ewiges Leben mit einem herrlichen Leib erhalten soll, wenn ich unter der Erde liege und zu Staub werde, dazu bedarf es einer göttlichen und himmlischen Versicherung und Gewissheit, die sich nicht nach dem Fühlen und Sehen richtet, sondern über das alles hinweg auf den emporblicken kann, der das gesagt hat und der weit überschwänglicher zu tun vermag, als was wir bitten oder denken. Es sah auch nicht danach aus, dass Jesus auferstehen würde, als ER so jämmerlich getötet war und unter dem versiegelten Stein im Grabe lag; und es war den Jüngern wahrlich allzu schwer zu glauben, dass ER jetzt ein Herr über Tod und Grab sei.

 

Weil ER es aber gesagt hatte, ER, der die Erde mit einem Dreiling begreift“, so musste es doch geschehen.

 

In gleicher Weise muss auch unsere Auferstehung - wie ungereimt, ja unmöglich sie aller Vernunft auch erscheinen mag - doch eines Tages zur Wirklichkeit werden, so wahr Gott es gesagt hat, der nicht lügen kann.

 

Wie wichtig ist es darum, dass der Apostel hier auf den Grund des göttlichen Wortes verweist.

 

Jesus, Er mein Heiland lebt;

 

Ich werd auch das Leben schauen.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Lebst du in dieser Erwartung,
dass der HERR bald wiederkommt?

Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und unterweist uns, ... dass wir warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus.  Tit.2,11–13

  

„Die Wiederkunft des Herrn ist nahe“, sagt der Apostel Jakobus.

 

Was kann wohl die Ursache davon sein, dass der Gedanke an die Wiederkunft des Herrn uns so wenig beschäftigt?

Was kann die Ursache dafür sein, dass dieser Gedanke, der unter viel geringeren äußeren Umständen bei den ersten Christen doch so lebhaft, so gegenwärtig und allgemein war, bei den Zeichen der Zeit in unseren Tagen uns so fremd, ja fast ganz aus unseren Herzen verschwunden ist?

 

Wir leugnen nicht, dass wir ganz allgemein bei der Lehre von der Wiederkunft des Herrn als einem Glaubensartikel bleiben.

 

Daraus folgt aber nicht, dass wir diese Ankunft Christi auch zu unserer Hoffnung haben.

 

Die Frage ist nämlich nicht: „Glaubst du, dass der Herr kommen wird?“, sondern: „Lebst du in der Hoffnung, in einer wirklichen Erwartung Seiner Wiederkunft?“ Auf diese Frage können nicht viele unter uns mit einem Ja antworten. Wäre es so, dass alle Gläubigen in der Hoffnung und der Erwartung der Wiederkunft des Herrn wandelten, dann würde diese Hoffnung sich auch mehr in unseren Predigten, unseren Gesprächen, unserem ganzen Leben kundtun - dann würden sich nicht allerlei Glaubensbekenntnisse und oft unbiblische Lehren über die Zukunft der Kirche Jesu Christi oder über die Frage nach unseren Entschlafenen unter uns einschleichen können.

 

Aber kommen wir wieder auf die Frage: Was kann die Ursache davon sein, dass der Gedanke an die Wiederkunft des Herrn uns so fremd, ja beinahe unwillkommen ist, während er in den Herzen der ersten Christen so lebhaft, lieb und gegenwärtig war? Es ist dies sicherlich kein gutes Zeichen. Jede Hoffnung setzt einen Wunsch voraus, jeder Wunsch aber hat seine Wurzel in dem, was man liebt. Wünschten wir und sehnten wir uns wirklich nach dem Tag der Wiederkunft des Herrn, wo alles Dunkel im Glauben, alle Schwachheit, alle Sünde und alle Untreue gegen unseren Heiland ein Ende haben und wir Ihn ergreifen werden, wie wir von Ihm ergriffen wurden, Ihn sehen, wie Er ist, und Ihm gleich sein werden - wünschten wir diese Seine Offenbarung mehr, dann würden wir auch alle Verheißungen, die es für die selige Hoffnung dieses erwünschten Tages gibt, aufsuchen und mit Freuden umfassen.

Wären wir demnach mehr geistlich gesinnt, liebten wir unseren Heiland mehr und strebten wir mehr nach dem, wonach die Liebe immer strebt — nämlich: ganz mit Ihm vereinigt zu werden —, dann würden wir auch mehr in der Hoffnung leben!

 

Diejenigen, die das Wort Gottes mit größerem Ernste zu Herzen nehmen, die mehr in der Übung der Buße zu Gott und des Glaubens an unseren Herrn Jesus Christus stehen, so dass der Geist der Gottesfurcht stündlich über ihr ganzes Wesen wacht, die Sünde also nicht unbestraft bleibt, sondern schmerzlich gefühlt wird — wobei auch die Gnade in Christus umso köstlicher wird, durch die Sünde aber auch vor ihren Blicken verdeckt und verborgen ist —, sie haben in der seligen Hoffnung auf die herrliche Wiederkunft unseres Herrn Christus eine liebe Betrachtung, eine lebendige Hoffnung. Sie blicken mit inniger Sehnsucht dem Tage entgegen, an dem der dicke Nebel, der hier ihren Glauben umgab, auf ewig von der Herrlichkeit des Herrn zerteilt sein wird. Sie warten auf den Tag, an dem sie den Freund und Heiland sehen werden, an den sie hier glaubten, mit dem sie redeten und von dem sie, ohne Ihn zu sehen, begleitet wurden und an dem sie endlich einst auf ewig das genießen werden, was sie hier vergebens suchten — nämlich eine vollkommene Klarheit, eine volle Gewissheit, eine fühlbare Nähe des Heilandes —, an dem sie außerdem auf ewig von dem bösen Fleisch, das hier immer so viele Sünden, Schwachheiten und Anfechtungen mit sich brachte, und von den feurigen Pfeilen des argen Feindes befreit sein werden.

 

Wären wir der Welt und diesem Gegenwärtigen mehr abgestorben und hätten wir unser Leben und unsere Freude in Gott allein, sicherlich wäre dies dann eine selige Hoffnung für unser Herz. Wo das Herz aber geteilt, wo es auch von irdischen Dingen eingenommen ist, da kann die Sehnsucht nach dem himmlischen Bräutigam nicht Eingang finden. Und dies Leben kann weder recht heilsam noch gesund sein, da es nicht mit dem Wort der Schrift und dem Sinn der ersten Christen übereinstimmt. „Unser Wandel ist im Himmel“, sagt Paulus, „von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, des Herrn, welcher unseren nichtigen Leib verklären wird, dass er ähnlich werde Seinem verklärten Leibe.“ Und er ermahnt: „Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen, ja verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit Ihm in der Herrlichkeit.“

 

O dass wir die Lehre Christi, wie auch die der Apostel von der Wiederkunft des Herrn und der Hoffnung der Christen mehr zu Herzen nehmen möchten!  

 

Ach wär’ ich doch schon droben,

Mein Heiland, wär’ ich da,

Wo Dich die Scharen loben,

Und säng’ Halleluja!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Der wirklich wahre Frieden mit Gott

Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. - Röm. 5, 1

 

Hier liegt das große Geheimnis! Hier ist die ewige Grundlage des wundersamen Friedens der Christen. Und hier ist das offenbart, was den armen Herzen fehlt, die keinen Frieden haben. Der Apostel sagt nicht: Nun wir so geworden sind, wie wir sein sollen, so fromm und so gut; nein, er sagt: „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben“.

 

Es ist gewiss sehr schön, ja wichtiger und notwendiger als alles, was in der Welt ist, dass du so ernstlich deine Gottesfurcht übst, fleißig und andächtig betest, fleißig das Wort Gottes liest und hörst, ernstlich gegen das Böse streitest und dem Guten nachjagst. Dennoch aber hast du keinen Frieden mit Gott und bist Seiner Gnade nicht gewiss, sondern bist unruhig und ängstlich. Und das nicht ohne Grund, denn du kannst bei all dieser Frömmigkeit verdammt werden. Etwas viel Höheres ist erforderlich, um vor dem heiligen Gott und im Feuer des Gerichtes zu bestehen. Dein Gewissen sagt es dir auch: Etwas viel Größeres ist erforderlich als die Frömmigkeit aller Frommen, als die Heiligkeit aller Heiligen. — Hier verschlägt nichts Geringeres als der Tod Christi, des Sohnes Gottes, als durch den Glauben in Ihn gekleidet zu sein — durch den Glauben gerecht zu sein und Frieden zu haben mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Hier ist erforderlich, dass dein Herz den Trost erhalten hat und du von Herzen überzeugt sagen kannst: „Christus ist gestorben für mich, für mich, darauf poche ich; nicht darauf, dass ich fromm, gläubig, ernst bin, sondern darauf, dass Christus fromm ist, dass Christus heilig und vollkommen ist, dass Christus sowohl das Gesetz erfüllt als auch den Tod, der der Sünde Sold war, erlitten hat. Das geschah für mich und reicht auch hin für alle meine Sünden; es ist genug, ewig genug, dessen getröste ich mich.“

 

Dass du nie Frieden bekommen hast, rührt also daher, dass du in deinem eigenen Namen, in dir selbst hast gerecht und selig werden wollen. Wäre das aber möglich gewesen, so wäre Christus vergeblich gestorben. Du hast nicht erfahren, was der rechte Glaube besagen will. Zwischen Glaube und Glaube ist ein großer Unterschied. Du hast vielleicht ganz gut die Lehre von Christus und der Versöhnung gekannt, derselben zugestimmt und gemeint, dass, wenn du nicht an ihr zweifelst, du dann auch den Glauben hättest. Dein Sinn aber ist so gewesen, dass du glaubtest: Zwar ist alles gut mit dem Verdienst Christi, darin ist kein Fehler; aber in mir ist der Fehler, in mir muss ihm abgeholfen werden. Und so bist du mit beiden Augen von Christus weg und in dich hinein gewendet gewesen. Wie sollte es da möglich sein, dass du Frieden finden möchtest? Wie konntest du da den rechten Glauben haben?

 

Alles ist wohl mit der Versöhnung Christi, aber der Fehler liegt an dir, du verstehst nur nicht, dass dieser Fehler in dir so groß ist. Ihm kann mit aller Arbeit an dir selber nie abgeholfen und er kann nie anders gutgemacht werden als dadurch, dass du an dir und all deiner Besserung verzweifelst und in Christus allein deine Errettung suchst. Du hast keinen Frieden bekommen, weil du geglaubt hast, alles müsse bei dir gutgemacht sein, bevor du Frieden haben könntest; du hast nicht geglaubt und verstanden, wie verloren es mit dir ist und wie alles in Christus vollkommen und gutgemacht ist. Du hast wohl gefühlt, dass du ein großer Sünder, nicht aber, dass du ein ganz verlorener Sünder bist. Und von Christus hast du wohl geglaubt, dass Er große Sünder errettet, nicht aber einen solchen, wie du bisher gewesen bist. Oder wenn du auch geglaubt hast, dass Er auch solche wie dich errettet, so hast du doch für deine eigene Person nicht geglaubt, dass auch „du in Jesu Blut warst g’nug selig, heilig, rein und gut“, dass auch du Vergebung für alles bekommen hattest und ein Kind Gottes würdest.

 

Du hast dich ohne den Trost zufriedengegeben in Erwartung einer Besserung oder eines Gefühls, die kommen und dir sagen würden, wann du Gnade hättest. Dies sind die einfachsten Ursachen, weshalb suchende Menschen keinen Frieden erlangen. Andere liegen in noch größerer fleischlicher Sicherheit versenkt, ihnen ist noch etwas anderes wichtiger als die Gnade Gottes, sie haben Götzen und Schoßsünden, von denen sie sich nicht trennen wollen — und dann ist es gut, dass sie nicht Frieden bekommen.

 

Um den Frieden Gottes zu bekommen, ist nichts so wichtig wie die Gnade Gottes.

 

Du darfst dich nicht eher zufriedengeben, bis du die selige Gewissheit derselben erhalten hast; zweitens musst du lernen, an allem Unternehmen, an allem Tun und Werden zu verzweifeln und so, wie du bist, als ein noch unwürdiger, ja verlorener Sünder deine ganze Errettung allein in Christus zu suchen. Drittens darfst du Gewissheit nicht im Gefühl erwarten durch eine innere Antwort in deinem Herzen, sondern du musst die Antwort da nehmen, wo Gott sie gegeben hat — im Worte, nur im Worte. Dann ist der Glaube aber schon angezündet, wenn es mit dir dahin gekommen ist, dass du vor allem anderen dies suchst, bei dir seufzend: „Wenn ich nur Gottes Gnade hätte, dann würde ich mir nichts Höheres auf Erden wünschen, dann achtete ich nicht darauf, was ich auch immer leiden müsste! Wenn ich nur an Christus glauben und in Ihm erfunden werden könnte! Wäre ich nur dessen gewiss, dass sein Verdienst mir angehörte! Und ich will ans Wort glauben, ich will nicht auf Gefühle warten, — wenn ich nur glauben könnte! …“ Dann wird es nicht fehlen, dass die Seele die Gewissheit der Gnade erhält und vollen Frieden bekommt. Für diese Sache wird Gott sorgen.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Der gute Hirte

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die SchafeJoh. 10, 12

 

Diese Worte sind so bekannt und oft gehört! Wer würde sie jetzt wohl wieder betrachten wollen? Mancher könnte dabei sogar einschlafen. Und trotzdem ist es gerade dieses Thema, das vor jedem anderen ein eiskaltes Herz brennend und den Toten lebendig machen kann, wenn es dem Geist Gottes gelingt, dies Herz zu öffnen. O halte darum noch einmal still und bedenke, was der Herr Christus hier sagt: „Ich lasse Mein Leben für die Schafe.“

 

Vielleicht bist du friedlos, freudlos, kalt und unglücklich; hier kannst du erfahren, wie du ein warmes, glückliches und friedevolles Herz erhalten kannst. Und wie geschieht dies? Ja, wenn du nur einen festen Blick auf das Angesicht deines Heilands richten kannst, während Er spricht: „Ich bin der gute Hirte — Ich lasse Mein Leben für die Schafe“, und wenn du dieses nur in dein Herz hineinbekommst, dann wird es wahrlich anfangen, warm zu werden und unaussprechlichen Frieden und wahre Freude empfinden. Bitte Gott um die Barmherzigkeit, dass Er dir einen stillen, betrachtenden Geist und geöffnete Sinne gebe, wenn du den Herrn diese Worte reden hörst. Bedenke, wer es ist, der hier redet! Es ist derselbe, den du im Gebet anrufst, es ist dein Heiland. Blicke auf Ihn und höre Ihn sagen: „Ich bin der gute Hirte — Ich lasse Mein Leben für die Schafe.“

 

Merkst du nicht eine tiefe und herzliche Zärtlichkeit bei Ihm, wenn Er so redet? Oder meinst du dennoch, dass Er wirklich so kalt und gleichgültig gegen dich sein könnte, wie es dein ungläubiges und kaltes Herz wähnt? Nimm dann diese Worte mit dir ins Gebet. Und wenn du die drückendste und verzehrendste Besorgnis auf deinem Herzen hast und sie deinem Heilande klagen willst, aber keine Liebe von Ihm zu empfinden wähnst, suche dann Sein Bild zu fassen und in Sein Antlitz zu sehen, wenn Er spricht: „Ich bin der gute Hirte — Ich lasse Mein Leben für die Schafe.“

 

Denn sieh! Es sind doch Seine Worte, die du betrachtet hast.

 

Schaue Ihn sodann in dem eigentlichen Werk an, das hier erwähnt wird — in Seinem willigen Leiden und in Seinem bitteren Tod — und lass dann die Worte „Ich lasse Mein Leben für die Schafe“ beständig vor dir stehen und deiner Seele alles das erklären, was du siehst. Sieh, wie Er freiwillig der Macht der Finsternis entgegenschreitet, die Ihn in Gethsemane aufsucht. Höre, wie Er spricht: „Sucht ihr Mich, so lasst diese gehen.“ — „Ich lasse Mein Leben für die Schafe.“ Sieh, wie Er still „wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“, auf den Richtplatz hinausgeht und dort Seine Hände und Füße durchbohren und sich an das Holz des Kreuzes hängen lässt. Und wenn du Ihn im Ernste des Todes siehst, höre dann Seine ewig gültigen Worte: „Ich lasse Mein Leben für die Schafe.“

 

Wagst du nun trotzdem, Seine Liebe und Zärtlichkeit in Zweifel zu ziehen?

 

Wagst du trotzdem, lieber deinem finsteren, lügenhaften Herzen und dem Teufel zu glauben, welche sprechen: „Er ist gleichgültig gegen dich, Er kehrt sich nicht an deine Not, Er erwartet, dass du selber dein Übel überwinden sollst. Er erwartet, dass das Schaf sich selber gegen den Wolf verteidigen soll“ usw.? Erbebe vor solchen Einflüsterungen der Finsternis und lass deinen Heiland einmal das sein, was Er wirklich ist — die ewige und unbegreifliche Zärtlichkeit, die nicht einmal dulden konnte, dass das Volk in der Wüste hungerte oder dass ein Mann eine verdorrte Hand hatte. Wie viel weniger kann Er dann dulden, dass deine Seele in Not und Gefahr ist, ohne dass Er etwas dagegen tun sollte, da Er doch zur Errettung der Seelen in die Welt gekommen ist!

 

Ich sehe, wie die ganze Person Christi und Sein Auftrag für die Welt nur ein einziger großer Beweis einer unbegreiflichen Liebe und Zärtlichkeit gegen das Menschengeschlecht sind. Er selber will, dass wir es so betrachten sollen, indem Er spricht: „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben für seine Freunde lässt.“

 

Nun habe ich wahrlich Grund zu dem Schluss, dass alles, was ich selber erfahre, sehe, fühle und meine, unmöglich ebenso gewiss ist wie das, was Christus mit der Hingabe Seines Lebens beweist. Mag Er mich nachher prüfen so sonderbar und beunruhigend, wie Er kann, mag Er mich dem Teufel und allem Bösen überlassen, solange es Ihm gefällt — ich ahne doch, dass sich bei Ihm noch ein Herz verbirgt, das aus inniger Liebe blutet, und dass Er — da ich noch in der Gnadenzeit bin und mich selber richte, aber auch zu Seiner Barmherzigkeit fliehe — mich unmöglich im Ernst verlassen wird. Nein, so wahr dieser treue Herr nicht lügen kann, ist in Seinem Herzen schon Freude über ein wiedergefundenes Schaf. Kurz: Durch diesen Beweis der Liebe Christi, nämlich durch die Hingabe Seiner ganzen Person und Seines Lebens, musst du zu einem solchen Glauben kommen, dass Er hinfort mit dir handeln kann, wie Er will, und du so jenen großen Beweis mehr gelten lässt.

 

In dieser Weise müssen wir uns das zunutze machen, was Er hier sagt: „Der gute Hirte lässt Sein Leben für die Schafe, indem wir nämlich, was auch immer unser Herz bedrückt, bedroht, einschüchtert und plagt, doch ein inniges Vertrauen zu Seiner Liebe und Hirtentreue haben und zu Ihm hinfliehen, der allen Dingen so herzlich gern abhelfen will und es so leicht kann.

 

In meiner kurzen Wandrungsfrist,

Was ängst’ ich mich und klage?

Er, der der gute Hirte ist,

Trägt mich in jeder Lage.

Er, der uns liebet fort und fort,

Mit Seinem Geist und Seinem Wort,

 

Ist bei uns alle Tage.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Ist des HERRN Arm zu kurz,
dass Er nicht helfen könnte?

Sehet die Vögel unter dem Himmel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?

 Matth.6, 26

 

Für unerfahrene, oberflächliche Menschen und solche, die keine Not kennen, wie auch für glaubensfröhliche Christen, für die das Wort alles ist, wäre diese Betrachtung nicht nötig. Wenn aber ein Christ in der Anfechtung dahin kommt, dass er an Gottes Wort zweifelt, so weist ihn der Herr auf das Schöpfungswerk, das er nicht zu glauben braucht, sondern das er mit den Augen sehen kann. So sagt Er z.B. in Bezug auf die Nahrungssorgen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an, euer himmlischer Vater nähret sie; seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“ Sollte Gott für die kleinen, unbedeutenden Vögel sorgen und den Menschen — Sein teuerstes und herrlichstes Geschöpf - vergessen? Gottes Ebenbild, Kind und Erbe, Herrscher über Vögel und Tiere - sollte Gott ihn vergessen? „Schauet die Lilien auf dem Felde; Salomo in all seiner Herrlichkeit ist nicht bekleidet gewesen wie derselben eine. So denn Gott das Gras auf dem Felde so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte Er das nicht viel mehr euch tun?“ - Euch, die ihr Gottes Geschlecht seid! O ihr Kleingläubigen!

 

Zur Furcht vor bösen Menschen sagt Er: „Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Doch fällt derselben keiner auf die Erde ohne euren Vater. Ihr seid ja besser als viele Sperlinge. Eure Haare auf dem Haupte sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht!“

Manchmal mag es dir scheinen, du seiest von Gott verlassen. Da ist eine gewisse Sache, in der du ganz hilflos bist; du selber kannst ihr nicht abhelfen und in der ganzen Welt gibt es keinen, der es kann. Du hast Gott angerufen, so dass du heiser und müde geworden bist, und doch sieht alles so vergeblich aus. Gott erscheint dir als ein Held, der verzagt ist, und als ein Riese, der nicht helfen kann.

 

Ist es aber möglich, dass es sich wirklich so verhält, wie es dir scheint? Verstehst du nicht, dass es ein tiefes Verbergen des wundersamen, aber doch treuen Gottes ist?

 

Vorausgesetzt, dass du nicht gegen den Herrn und Seine Ordnung streitest, z.B. Heiligungskraft begehrst, bevor du gläubig und in der unverdienten Gnade froh geworden bist, oder dass du äußere Hilfe begehrst, ohne arbeiten zu wollen usw., - vorausgesetzt also, dass du die Hilfe auf dem rechten Wege suchst, so ist es ganz gewiss unmöglich, dass Gott dir nicht alles geben sollte, was dir am besten und dienlichsten ist. Oder „ist des Herrn Arm zu kurz, dass Er nicht helfen könnte?“ Er, der das Auge gemacht hat, sollte Er nicht sehen können - also auch deine Not sehen? Er, der das Ohr gebildet hat, sollte Er nicht hören? Er sorgt für die Vögel, sollte Er sich nicht auch um dich kümmern?

 

Bedenke darum sehr gründlich Seine Frage: „Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“ Der Heiland erklärt zudem ja auch noch: „Ihr seid besser als viele Sperlinge.“ Nimmt Er sich aber der Sperlinge an, wie könnte Er dich dann vergessen?

 

Du sagst: „Ach, ich habe gesündigt, ich erleide das, was ich wirklich verdient habe und bin mit allem Recht verlassen.“ O Mensch! Hat Gott denn nach unseren Sünden mit uns gehandelt? Er, der uns in Christus erwählt hat, ehe der Welt Grund gelegt war, Er, der in Christus die Welt mit sich versöhnte, „als wir noch Feinde waren“ und keine Versöhnung hatten, sollte Er jetzt mit uns nach unseren Sünden handeln? Dann würde keiner errettet, wir würden auch nicht einen Tropfen Wasser bekommen. Jetzt dagegen sind wir jeden Augenblick von unzähligen Wohltaten Gottes umgeben. So sollen wir also durch das, was wir sehen, lernen, auch das zu glauben, was wir nicht sehen.

 

In gleicher Weise sollten wir dann auch - das Auge auf die Größe der Schöpfung gerichtet - den Übermut der Vernunft zügeln und dämpfen, der Vernunft, die mit Gott rechten, Seine Worte und Werke beurteilen und das bezweifeln will, was sie nicht versteht.

 

Als ein sonst frommer Mann, „desgleichen nicht im Lande war“, einmal in diese Versuchung fiel, antwortete der Herr ihm: „Wo warst du, da Ich die Erde gründete? Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat? Worauf stehen ihre Füße versenkt? Oder wer hat ihr einen Eckstein gelegt? - Wo warst du, da Mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Kinder Gottes? Wer hat das Meer mit seinen Türen verschlossen, da es herausbrach wie aus Mutterleibe? - Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan? Oder hast du die Tore der Finsternis gesehen? - Weißt du, welches der Weg ist, da das Licht wohnt, und welches sei der Finsternis Stätte? - Kannst du die Bande der sieben Sterne zusammenbinden oder das Band des Orion auflösen? - Weißt du, wie der Himmel zu regieren ist oder kannst du ihn meistern auf Erden?“

 

An solche Fragen sollte man sich machen, wenn man über Gottes Wort urteilen will und dabei auf Dinge stößt, die man nicht begreift; so wird man bald froh darüber werden, die Arbeit aufgeben zu dürfen und sprechen zu können: „Rede, Herr! Dein Diener hört.“ Dann hat man die Schöpfung mit Nutzen betrachtet.

  

Selig sind alle, die auf den Allmächtigen trauen,

Hoffend und wartend auf Gnade die Zuversicht bauen;

Die sind Ihm wert,

Und was sonst Herzen beschwert,

 

Davor darf ihnen nicht grauen.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Zeige mir Gott, deinen Willen!
Hilf mir, deinen Willen zu tun!

Dein Wille geschehe!   Luk.11,2

 

Diese Bitte setzt ein Gott den Herrn liebendes Herz voraus, das nur auf das Wohlgefallen Gottes blickt.

 

Sie fordert das Herz eines guten Kindes, das „keinen Willen hat“, sondern nur den Willen des Vaters will, und das keines weiteren Grundes bedarf, als dass es das Wohlgefallen des Vaters ist. Man kann etwas Gutes, Edles, Nützliches, Notwendiges lieben, und doch ist das nicht dasselbe wie den Willen Gottes zu lieben. Denn es genügt nicht, dass wir dieselben Gegenstände lieben, die Gott liebt, sondern wir sollen Sein eigentliches Wohlgefallen lieben, ohne Rücksicht auf die Sache, die Er will. Wir sollen Ihn also lieben und um Seines Wohlgefallens willen alles das lieben, was Er will, auch wenn es uns noch so arg und schwer erscheinen mag. Als Abraham den Befehl erhielt, seinen Isaak, „den Sohn der Verheißung“, zu opfern, konnte er unmöglich einen Grund dafür einsehen, und doch tat er es - nur wegen des Willens Gottes. Und nun fordert die dritte Bitte, dass wir einen solchen Willen Gottes nicht nur ertragen, sondern ihn auch so lieben sollen, dass wir um denselben bitten. Wir dürfen nämlich nie vergessen, dass das Gebet Herzenssache sein muss, nicht ein Werk des Verstandes oder des Befehls, sondern das Begehren und Verlangen des Herzens.

 

Wenn nun der Wille Gottes Tod und Kreuzigung des alten Adams ist und wenn zudem alle Menschennatur frei sein will und ihren eigenen Willen liebt, dann muss man wohl fragen: „Wie kann ein Mensch ein solches Herz erhalten, das den Willen Gottes so liebt, dass man wirklich um ihn bittet?“ - Ein solches Herz erhält man nie - ob man sich auch dafür zu Tode plagt - als nur durch eine Neugeburt aus Gott. Wenn ein Mensch von seiner eigenen Bosheit und den heiligen Forderungen des Gesetzes ganz ermüdet ist und endlich als ganz unwürdig von der großen, unverdienten Gnade überwältigt wird, so dass er ausruft: „O Jesus, das ist zu viel“; wenn er in Seinem Blut seine ganze Reinigung, in Seiner Liebe seine ganze Seligkeit erhält, wenn Gottes Liebe also in sein Herz ausgegossen ist, dann wird ihm auch Gottes Wohlgefallen köstlicher sein als alles, was gedacht oder genannt werden kann. Dann wird die erste Frage des Herzens die sein: „Was kann ich Dir zu Gefallen tun, Du unvergleichlicher Heiland? O dass ich nur den Willen Gottes tun möchte!“ Und dann weiß man nichts anderes als nur das, was der himmlische Vater will. Dann kennt man kein größeres Übel als sein eigenes Herz und spricht in vollem Ernst: „Töte Du, o Gott, meinen Willen, ich kann ihn nicht töten!“ Betet man so gegen sich selber, dann betet man um den Willen Gottes. - Wenn ich also von der Bosheit meines eigenen Willens ermüdet und alsdann durchdrungen bin von Gottes Größe, so dass Sein Wille mir mehr als meine Seligkeit gilt, durchdrungen von Seiner Liebe und Leutseligkeit, so dass alles wohl ist, wenn nur Sein Wille geschieht, dann habe ich ein solches Herz, das wirklich den Willen Gottes liebt.

 

Hier muss nun ein jeder seinen eigenen Zustand genau beachten! Hier haben wir ein Stück, das das Innerste unseres Herzens offenbart, und wir erinnern noch einmal daran, dass das Gebet Ausdruck der eigenen Fürsorge, Sehnsucht und Angelegenheit des Herzens sein muss. Nicht jeder wird diese Bitte beten können. Wir reden hier nicht von dem großen Haufen, der ganz frei „nach den Begierden des Fleisches“ lebt. Es gibt noch andere Menschen, die diese Bitte nicht recht beten können. Du, der du dieses liest, halte nur einen Augenblick still vor dem Angesicht Gottes, vor den Augen, die das Herz, die Gedanken und Absichten durchschauen. Wie steht es mit dir in dieser Beziehung? Du kannst dir wohl selber bewusst sein, ob du mit solcher Fürsorge, solchen Seufzern und Gebeten umzugehen pflegst wie diese: „Zeige mir, Gott, Deinen Willen! Hilf mir, Deinen Willen zu tun!“ Denn es ist ja unmöglich, dass der Heilige Geist in einem Herzen wohnen kann, ohne solche Sorgen in ihm zu erregen.

 

Ein Christ kann zwar oft so zerstreut über die Bitte „Dein Wille geschehe“ hinweggehen, dass er ihr nicht einmal mit den Gedanken folgt; und doch ist dieses immer wieder sein Herzensgebet: „Gott, mein Vater, mein Heiland, hilf mir, dass ich Deinen Willen tue! Hilf mir gegen meine grässliche Trägheit! Gib mir Deines Heiligen Geistes Trieb und Kraft, Deinen Willen zu tun; und weise mir, Herr, Deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit!“ Eben das ist ganz bezeichnend für ein Herz, in dem der Heilige Geist wohnt, und ein Teil dessen, was die Kinder des neuen Bundes auszeichnen sollte und wovon der Herr spricht: „Ich will Mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.“ „Das Gesetz Gottes“ ist ja der Wille Gottes. Ob es nun in Herz und Sinn geschrieben ist, erkennt man daran, ob das Herz den Willen Gottes liebt und ob ich einen Sinn habe, der innig seufzt: „Ach dass ich Dein Gesetz von ganzem Herzen halten könnte! Ach dass ich Gottes Willen tun könnte!“

Wir sagen nicht, dass ein Christ ein vollkommener Mensch ist. Es findet sich in seinem inneren Leben und in seinem äußeren Wandel viel, was recht gebrechlich ist; auch kann er gegen seine Unarten nicht so wachen, beten und streiten, wie er sollte und wollte.

 

Es gibt kein Volk, das so viele Mängel kennt wie gerade die Gläubigen.

 

Beachte aber trotzdem! Wenn ein Christ versteht, dass dies oder jenes Gottes Wille ist, dann ist das sogleich sein Lebensgesetz, und dann will er es auch vollführen.

 

Und wenn das Fleisch jetzt gegen den Geist streitet, dann entsteht Gebet, entsteht der Kampf und das Gebet um den Willen Gottes. Wir müssen darum unbedingt daran festhalten, dass jeder Christ ein solches Herz und einen solchen Sinn haben muss.

 

Aus dem ‘‘Täglichen Seelenbrot‘‘ von Olaf Rosenius

 

 

 

 

Zum 16. Juli ( Wir sind nur Verwalter! )

 

Unser tägliches Brot gib uns heute! Mat. 6,11

 

Das Wort, das hier mit „täglich“ übersetzt wurde, ist im Grundtext ein doppelsinniges und dunkles Wort; alle Auslegungen aber stimmen doch darin überein, dass es etwas für unser Wesen Notwendiges bedeutet, nicht, was immer das Herz begehren mag, sondern das Notwendige; es bedeutet eigentlich das, „was zur Erhaltung unseres Wesens gehört“. — Wir fragen jetzt den, der „mit Gott rechten“ will: „Hast du nicht bis auf den heutigen Tag alles empfangen, was zur Erhaltung deines Wesens notwendig war? Und wenn du nicht alles nach der Berechnung, die du dir über deinen irdischen Lebensweg machtest, empfangen hast, so hast du doch alles bekommen, was dir am heilsamsten ist. Oder weißt du, wie viel Züchtigung durch Armut und Sorge du für das ewige Wohl deiner Seele nötig hast?“

 

Doch hier könnte uns ein Christ, der nicht nur arm, sondern auch verschuldet ist, antworten: Es gibt einen anderen Umstand, dem gegenüber alle Armut ein Nichts ist, nämlich dass ich den Menschen schuldig werde und vielleicht nicht einem jeden das Seine zurückerstatten kann, so dass ich „im Munde des Lästerers ein Lied zur Schmach des Evangeliums werden könnte“. Antwort: Sofern du nicht eine besondere Neigung zum Hochmut hast, die einer Demütigung bedarf, und sofern du nicht „den Herrn versuchst“ entweder durch Versäumnis und Leichtsinn oder durch Eitelkeit und Verschwendung Seiner Gaben, sondern dafür ordentlich, demütig, fleißig und treu in deinem Beruf bist und in einfältigem Glauben diese Bitte betest, dann hast du alle Verheißungen und Versicherungen des Herrn dafür, dass Er dir soviel geben wird, dass du nicht als Betrüger zuschanden zu werden brauchst, sondern jedem das Seine wirst zurückerstatten können. Nur der Umstand, dass wir den Herrn mit Leichtsinn und Üppigkeit versuchen oder auch in Hochmut leben, kann jene bittere Erfahrung über einen Christen bringen, die so unendlich viel schwerer als alle Armut ist. Was ferner das betrifft, dass manches Kind Gottes aus Gründen einer Krankheit oder wegen anderer Umstände sich nicht immer selber versorgen kann, sondern sich an die Barmherzigkeit der Brüder wenden muss, so ist dies für unsere stolze Natur demütigend. Es gehört aber für eine gewisse Zeit auch zur Erziehung des Herrn mit Seinen Kindern, bis sie genügend zubereitet sind, um einige Gaben Gottes ertragen zu können; und es muss stets mit Gottesfurcht und demütiger Unterwerfung vor dem Herrn, dem allein weisen und allmächtigen Vater, betrachtet werden, dessen rechte Hand alles ändern kann.

 

Die vierte Bitte enthält aber auch eine Lehre für die Glücklichen, die nichts von der Sorge um ihr Auskommen wissen und scheinbar der Bitte um das tägliche Brot nicht bedürfen. Es sind zwei Wörter, die wir besonders bedenken sollten, zwei Wörter, die ein und dasselbe andeuten: „unser“ und „uns“. Haben wir Christi Sinn, dann müssten wir diese Worte bedenken. Er sagt nicht: „Gib mir mein täglich Brot“, sondern Er sagt: „Unser täglich Brot gib uns.“ Meinst du, dass Gott dir so vieles Gute gibt, damit du nur nach deinem Gefallen davon leben oder damit du nur Schätze für deine Kinder ansammeln sollst?

 

Wie spricht der Herr? „Tue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein.“

 

Hast du jemals darüber nachgedacht, weshalb Gott hier auf Erden so ungleich austeilt, so dass einer so reich ist, ein anderer aber so arm ist, dass er auch das Notwendige nicht hat? Das Geheimnis dieser wundersamen und ungleichen Austeilung kann kein anderes sein, als dass wir verschiedene Pflichten haben. Diejenigen, die mehr erhalten haben als sie benötigen, sollen unseres Herrn „Haushalter“ sein, die Seine Gaben für Ihn verwalten sollen. Dann will Er eine Schar Armer sich um sie her lagern lassen, um sie täglich zu prüfen, ob sie als Seine Haushalter Seine Gaben durch das Austeilen ehrlich verwalten wollen oder ob sie das Pfund in die Erde vergraben und daraus Götzen für sich und ihre Kinder machen wollen. Möchten wir nie vergessen: „Welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und welchem viel befohlen (anvertraut) ist, von dem wird man viel fordern.“ Noch immer gilt das königliche Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Vergiss darum nicht, dass es um dich her viele Arme, Kranke, Schwache, Gebrechliche gibt, die allesamt ihre Hände nach Brot ausstrecken. Darum sollst du in dieser Bitte für alle Menschen beten und nicht denken „mir, mein“, sondern „uns, unser“. Aber du darfst nicht wie ein Schalk beten, so dass du im Gebet „unser“ sagst, sodann aber mit dem, was du empfängst, so handelst, als ob es dein wäre. Wir sind nur Verwalter. Und das sollen wir mit Lust sein, um Christi Liebe willen, so dass Er von dem Guten, das wir taten, sagen kann: „Das habt ihr Mir getan.“

 

Wenn wir ferner wissen, dass der Ausdruck „täglich Brot“ nicht nur Speise und Kleidung bezeichnet, sondern alles, was zu des Leibes Nahrung und Notdurft gehört, wie Haus und Hof, Geld und Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn u. desgl., so wird es keinem wiedergeborenen Christen, der nicht nur sich selber lebt, sondern auch seinen Nächsten liebt, an Veranlassung fehlen, diese Bitte zu beten.

 

Außerdem kann der Herr plötzlich das Gute von dir nehmen, das du jetzt hast, weshalb du stets allen Grund hast, um Seine bewahrende Gnade oder um ein tägliches Geben, ein „täglich Brot“ zu bitten.

 

In dieser Weise seine beständige Abhängigkeit vom Herrn zu fühlen, ist einem wiedergeborenen Christen sehr heilsam.

 

Nimm alle Sorg’ und wirf sie hin

 

Auf den, der dich gemacht.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Freundschaft mit der Welt verträgt sich nicht mit unserem Glauben !

Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten.

Matthäus 5, 13

 

Möchten doch alle wiedergeborenen Christen verstehen und bedenken, in welcher Gefahr sie in den Zeiten schweben, in denen das Christentum Beifall und Friede erhält und die Welt fromm ist und eine freundliche Miene macht! Dann laufen sie Gefahr, bestrickt und in Lauheit und Weltlichkeit hineingezogen zu werden sowie ihre geistliche Kraft und ihre Entschiedenheit zu verlieren. Und es ist traurig zu sehen, wie das Salz seine Kraft verliert. Dann macht man sich ein eigenes, ganz passendes, gemütliches und angenehmes Christentum, das sich nur mit einigen Andachtsübungen und einigen schönen Werken der Menschenliebe befasst, denen die Welt Beifall geben und die sie preisen kann.

 

Aber die Neugeburt des Herzens, „die Buße vor Gott“ sind weniger wichtig, daran eilt man schnell vorüber! Höre darum, wie Christus spricht: „Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten.“

 

Wenn ein Christ um der Menschen Gunst willen die Kraft und die Entschiedenheit des Geistes verliert, so dass er nicht mehr das Böse mit Wort und Beispiel zu strafen und Christus zu bekennen vermag, dann ist er hinfort zu nichts mehr nütze, denn dass er von den Leuten „zertreten“ werde; — er wird allen Menschen gegenüber so überaus fügsam, dass er sich alles gefallen lässt und zum mindesten durch sein Stillschweigen das sündliche, gottlose Wesen bestärkt, das er bestrafen sollte. Dann hat das Salz seine Kraft verloren, das Licht ist unter den Scheffel gestellt. Der Grund dafür ist der, dass man Frieden und Freundschaft mit allen haben will.

 

Es ist ein Mangel im Gnadenleben, in der Sündenerkenntnis und im Glaubensverhältnis zum Heiland. Wenn dieses aufgefrischt und Christus dir lieber wird, dann wird der Liebeseifer des Geistes auch mächtiger als die Freundschaft oder der Hass aller Menschen.

 

„Habt Salz bei euch“, sagt der Heiland, jedoch nicht das Salz der Natur oder das Bittersalz der gereizten Laune; hier ist von dem wahren Eifer der Liebe die Rede, den nur der Geist Gottes wirkt. Sei gern zart, mild und sanftmütig in deinen Ermahnungen! Hüte dich vor allem groben, ungeschickten Verfahren, wenn es gilt, so zarte Sachen wie das Selbstgefühl der Menschen zu berühren! Ja, befasse dich nicht damit, wenn nicht die Liebe und Demut so in deinem Herzen walten, dass sie aus deinem ganzen Wesen wahrgenommen werden können. Lass aber die Vorsicht und die Demut nicht zu einer kraftlosen Geschmeidigkeit werden, die jetzt gar nichts mehr tut, dafür aber aus Besorgnis für das menschliche Gefühl und die Ruhe der Mitmenschen ihre Seelen zur Hölle fahren lässt, ohne dass du mit einem einzigen Wort versucht hast, sie zu warnen. Bedenke die Ewigkeit! „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Die Liebe sei nicht falsch; hasset das Böse, hanget dem Guten an. Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt.“

 

Aber nicht nur durch das Bekenntnis und die zärtliche, brüderliche Ermahnung sollen wir die Kraft und den Ernst des Christentums beweisen, sondern auch durch „unseren ganzen Wandel“.

 

Einem Christentum, das nicht wie Salz in den Augen der Welt beißt, sondern von ihr gebilligt und als ganz passend gepriesen wird, fehlt gewiss das Salz, die Kraft und die Salbung.

 

Der Herr Christus sagt: „Wehe euch, wenn euch jedermann wohl redet!“ Und der Apostel schreibt: „Der Welt Freundschaft ist Gottes Feindschaft.“ Halte still und bedenke solche Worte! Sie können nicht verworfen werden, denn es sind Worte des Herrn. Wenn du nur zufällig und in einer vereinzelten Beziehung von der Welt gelobt wirst, so ist das etwas anderes und kann gemäß den Worten des Apostels einem Christen wohl anstehen: „Durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte“.

 

Dass aber die eigentliche Richtung deines Wesens und deines ganzen Wandels der Welt gefällt, das ist etwas, was sich gar nicht mit den Worten und dem Beispiele Christi und Seiner Apostel verträgt.

 

Halte doch still und bedenke dies, auf dass du nicht vergeblich läufst!

 

Die Jahre eilen dahin, und der Tod kommt ja oft so unerwartet. Wenn dann dein Weg nicht der rechte war, so ist das über alle Beschreibung traurig.

 

Was sagen die fliehenden Stunden wohl mir?

Sie sagen: O Seele, wach recht!

Und folg’ nicht den losen Verächtern allhier

Und werd’ nicht der Lüste ein Knecht!

Ach möge die Welt nicht aufs Neue betör’n

Das Herz, das einmal sie nicht wollte hörn;

Ach sei wachsam!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de)  

Fleisch und Geist - die zwei Naturen in mir

So uns unser Herz verdammt, so ist Gott größer als unser Herz und erkennt alle Dinge.

1.Joh. 3,20

 

Beachte die Worte: „Gott erkennt alle Dinge!“ Er wird darum ein anderes Urteil als unser Herz fällen. Wie das verstanden werden soll, werden wir jetzt sehen.

 

Jesus sagt, dass „Sein Leib und Blut für uns dahingegeben wurden“. Wenn du recht glauben und bedenken könntest, was es bedeutet, dass der Sohn Gottes Seinen Leib und Sein Blut für uns gegeben hat, dann würdest du anheben, vor lauter Freude zu rufen und zu sagen: „Alle Sünden sind dagegen wie ein Nichts, kaum wie ein Funke gegen das große Meer.“ Und gerade so sieht es der Herr beständig. Im Himmel wird das Blut Christi stets in hohen Ehren gehalten, da gilt es mehr als die ganze Welt. Wir dagegen haben so jämmerliche Herzen, die keinen Augenblick das behalten und bedenken können, was doch größer als die ganze Welt ist. Vor unseren finsteren und gebrechlichen Herzen ist das Blut Christi von ganz geringem Wert, vor Gott aber ist es beständig von einem unermesslichen und unaussprechlichen Wert. Das weiß Jesus, darum konnte Er sagen: „Wer gewaschen ist, der ist ganz rein, und ihr seid rein.“ Du und ich können es nicht recht glauben, Christus aber glaubt vollkommen, dass Sein Blut gilt; darum kann Er so urteilen, wie wir jetzt gesehen haben. Bedenkst du dies recht, dann wirst du selbst in deiner allerärgsten Sündennot zu Gott sagen können: „Heiliger Vater! Wenn Du mich jetzt verwerfen willst, dann musst Du zuerst Deinen geliebten Sohn, Seinen Leib und Sein Blut verwerfen, welches Du als Lösegeld für mich angenommen hast. Du kannst mich nicht verwerfen, solange Du das Lösegeld für gültig erklärst.“

 

Dies ist auch der eigentliche Grund, weshalb die Gnade unveränderlich ist.

 

Johannes sagt: „Gott erkennt alle Dinge.“ Er weiß alles. In Luk. 22 ist zu lesen, dass Christus vorher wusste, dass Petrus fallen und Ihn verleugnen würde. Wenn nun dieses Gebrechen des Petrus für Ihn ein Grund gewesen wäre, ihn zu verwerfen, dann hätte Er es schon zuvor getan und wäre ihm nicht einen Augenblick gnädig gewesen, denn Er kannte ja von Anfang an alle seine Gebrechen. Er glaubte keinen Augenblick etwas Besseres von ihm. Es ist darum ein Gedankenirrtum bei uns, wenn wir meinen, dass Gott in diesem oder jenem Augenblick unsere Sünden zu sehen bekäme.

 

Er hat sie doch alle von Anfang an gesehen. Er sieht in einem Augenblick alles, was in uns wohnt, alles Böse, was unser ganzes Leben hindurch ausbrechen wird. Würde Er uns je deswegen verwerfen oder unser müde werden, dann würde Er nie mit uns angefangen haben, uns zu erretten, uns zu sich zu ziehen und uns zu begnadigen. Er weiß, dass wir zu allen Stunden, in den besseren wie in den ärgeren, dieselben sind. Bei einem Christen sind zwei Naturen, das Fleisch und der Geist, die immer gegeneinander streiten. Dann tritt zu einer Stunde der Geist so herrlich hervor, dass man kaum etwas vom Fleische, sondern nur Leben, Frieden, Liebe und Gottesfurcht merkt. Zu einer anderen Stunde dagegen treten das Fleisch und der Teufel so grässlich hervor, dass man kaum etwas vom Geiste merkt. Wer konnte in jener Sichtungsstunde bei Petrus etwas vom Geiste erblicken? In einem anderen Augenblick trat dagegen der Geist hervor, als Petrus „hinausging und bitterlich weinte“. Nun, Christus weiß stets, dass wir in all diesen Wechseln dennoch dieselben sind; Er lässt sich nicht irreleiten. In dem Augenblick, in dem Petrus sich in Gethsemane so stark und treu zeigt, weiß Christus doch, dass er an demselben Abend fallen wird; und in dem Augenblick, in dem er fällt, weiß Christus doch, dass Petrus im Herzen, im Geiste derselbe treue Freund ist. In welcher Stunde sollte Er ihn dann verwerfen? Dies zu bedenken, gehört zu „der heimlichen Weisheit“, um die wir den Herrn bitten dürfen.

 

Aber noch einmal: „Gott erkennt alle Dinge.“ Christus sagt, dass die gleichen gebrechlichen Jünger, die Ihn in der Stunde der Sichtung verließen, einst im Himmel sein, auf ihren Stühlen sitzen und mit Ihm die zwölf Geschlechter Israels richten werden. Dann wird ihnen weder eine Sünde noch ein Gebrechen ankleben.

 

Christus weiß, wie wir einst die unendliche Ewigkeit hindurch ganz rein, herrlich und schön, voller Liebe und Heiligkeit sein werden, Ihm zu einem unendlichen Lob. Nun denke ich, wie auch ein älterer Lehrer schreibt, dass wir mit aller Vertröstung zu Ihm sagen können: „O mein lieber Gott! Ich bitte Dich, dass Du in dem Augenblick, in dem ich falle, mich in dem Zustand ansehen wolltest, in dem ich einst im Himmel sein werde, wo ich in keiner Weise gegen Dich sündigen, sondern Dich unendlich loben und lieben werde. Willst Du mich so betrachten, wie ich auf Erden bin, dann findest Du einen Sünder, der Dir jeden Tag, jede Stunde mit Sünde zuwiderhandelt. Betrachtest Du mich aber im Paradiese, dann siehst Du einen Heiligen, der die unendliche Ewigkeit verbringt, ohne Dir ein einziges Mal zuwiderzutun, sondern der Dich beständig und vollkommen liebt und preist.“

 

Möchte die unaussprechliche Gnade die Herzen aller Gläubigen so einnehmen, erfreuen und stärken, dass sie nichts Höheres lieben als diesen lieben, milden Heiland, dann wird diese Liebe die rechte Heiligungsquelle und Kraft sein.

 

Gott stärke und mehre uns um Seiner Liebe willen den Glauben und die Liebe!

 

So wie ich bin — in dieser Stund,

So kalt und tot und bös im Grund,

Zu finden, was mir fehlet hier,

In sel’gem Überfluss bei Dir,

Komm ich, o Gottes Lamm!

 

So wie ich bin, hast Du mich lieb,

Du kauftest mich aus freiem Trieb,

Obwohl Du wusstest, wie ich war,

Da meine Schuld Du trugst fürwahr,

 

O liebes Gotteslamm!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Zucht dient zur Stärkung meines Glaubens

Seid ihr ohne Züchtigung, welcher sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder. Hebr. 12,8

 

Das Gewisseste, was es geben kann, ist dieses, dass Gott ein unbegreiflich liebevolles und zärtliches Wesen ist. Was bedeutet es da, dass alle Kinder Gottes auf Erden leiden sollen? Hier ist die Weisheit, hier ist die Offenbarung der heimlichen Gedanken Gottes. Wenn unsere Augen nur geöffnet würden, um zu sehen, was das Leiden der Kinder Gottes bezeichnet, dann würden wir alle unsere Leiden so innig lieben und uns über sie so freuen wie über liebliche Himmelsbotschaften von unserem Vater, der uns durch diese freundlich grüßt: „Seid guten Muts, ihr kommt in den Himmel. Fühlt ihr nicht, dass Ich schon angefangen habe, euch darauf vorzubereiten, angefangen habe, euer Fleisch zu töten und euren Geist, eure Seele und euren Leib zu reinigen, zu läutern und zu heiligen? Glaubt fest, dass Ich euch nicht ohne Absicht so zubereite! Glaubt fest, dass Ich, wenn Ich euch für den Himmel bereite, auch gedenke, euch wirklich dahin zu nehmen!“

 

Dieses Zeichen redet deutlich. Sogar die Blinden haben die Wahrheit erkannt, dass Gott seinen Kindern ein ewiges Leben im Himmel zugedacht hat. Mit bloßer Vernunft kamen viele Denker allein durch diesen Umstand zur Gewissheit, dass es nach diesem irdischen ein ewiges Leben gibt - nämlich durch die Tatsache, dass es „den Gerechten geht, als hätten sie die Werke des Gottlosen getan“, dass es dagegen den Ungerechten in allen Dingen gut geht. Dabei haben diese Denker aus allem, was sie von Gott in der Schöpfung sehen, verstanden, dass Er ein durchaus vollkommenes Wesen sein muss, vollkommen an Gerechtigkeit, Güte, Liebe und Zärtlichkeit gegen die Menschen. Darum muss nach dieser Zeit eine andere kommen, in der das Unebene geebnet werden und in der Lazarus sein Gutes, der reiche Mann aber sein verdientes Übel erhalten soll. Manche haben sogar verstanden, dass alles Leiden, das die Kinder Gottes haben, nichts anderes ist als die Arbeit des heiligen Gottes, die Sünde in uns zu töten und unsere Heiligung zu vollenden. Denn sie haben das mit den Augen gesehen, was der Apostel Paulus sagt, dass, „wer am Fleisch leidet, der hört auf von Sünden“, weil der alte Mensch durch Leiden und Trübsale in seinen Lüsten und Begierden geschwächt und ermattet wird.

 

So verstehen wir die Absicht Gottes mit unseren Leiden. Er bereitet uns für den Himmel. Er tötet unsere Sünde und vollzieht unsere Heiligung. Wie würde es mit unserem ganzen Christentum, mit dem Werk des Geistes in unserer Seele gehen, wenn Gott uns nicht beständig mit Leiden züchtigte und salzte? Fühlen wir nicht täglich, wie wir alsbald schläfrig, fleischlich und weltlich zu werden anfangen, wenn alles eine kleine Zeit lang gut gegangen, ruhig und glücklich gewesen ist? Und wie würde der Glaube geübt und erhalten werden, wenn wir keine Prüfungen hätten? Für den Glauben ist es die natürliche Übung, dass wir in eine Lage geführt werden, in der wir nichts sehen und weder Hilfe noch Kraft haben, sondern nur von dem allmächtigen, wahrhaftigen Gott abhängen müssen. Wie würde es mit unserem Gebet gehen, wenn wir stets das besäßen, was wir nötig haben, oder wenn wir uns selber helfen könnten? Wie würde es mit unserer Gottesfurcht gehen, wenn Gott sich nicht zuweilen zornig zeigte? Wie könnten wir noch die Gnade schätzen, wenn wir ein für allemal von unseren Sünden im Fleisch befreit würden oder uns von denselben frei machen könnten, sobald wir wollten? Wie würde es mit der Liebe und Demut werden, wenn wir selbst nie einige Demütigungen hätten? Es geht trotzdem leider langsam und schwach genug mit dem Wachstum in diesen guten Dingen.

 

Wie aber würde es gehen, wenn wir keine Züchtigung hätten? - Hieraus sehen wir, wie unbedingt notwendig es für unsere Zunahme im Guten, für unsere Heiligung und unser Bewahrtwerden vor dem geistlichen Tode und der Überhandnahme der Sünde ist, dass Gott uns beständig mit Seiner weckenden und strafenden Zucht nachgeht.

 

Dies ist auch der Hauptgrund, weshalb früher alle Heiligen und auch heute noch alle wahren Kinder Gottes Bitteres, Leiden und Züchtigungen haben müssen. Dies ist eine so bestimmte Ordnung Gottes, dass der Apostel sagt: „Seid ihr ohne Züchtigung, welcher sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder.“  

 

Wahrlich, eine deutliche Sprache!

 

Sie sagt uns ausdrücklich, dass du, so wahr du ein Kind Gottes bist, Züchtigung haben musst!

 

Wenn du ohne Züchtigung bist und frei nach deinem Belieben leben kannst, ist dies ein entscheidendes Zeichen dafür, dass du ein Bastard und kein Kind im Hause bist. Wir verstehen wohl, dass die kleinen, zarten Kinder noch keiner äußeren Züchtigung bedürfen, sie werden noch durch das Wort und den Geist so gut geleitet. Wenn sie aber teils herangewachsen sind, so dass sie die schärferen Läuterungen vertragen, teils angefangen haben, in der Länge der Zeit schläfrig und nachlässig zu werden, dann sollen sie gezüchtigt werden.

 

Denn dass ein Kind Gottes so rein und gut sein würde, dass es nicht nötig hätte, noch mehr gereinigt und geläutert zu werden und zuzunehmen, das ist etwas, wovon die Schrift nichts weiß.

 

Demnach ist es eine Regel ohne Ausnahme, dass alle diejenigen, die für den Himmel bereitet werden sollen, gezüchtigt, gestäupt und geläutert werden müssen.

 

O so nehmet denn die Leiden

Dankbar an aus Gottes Hand;

Sie sind Boten naher Freuden,

Sind des Glückes Unterpfand.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Die Heuchelei ist der güldene Schleier der Sünde und des Teufels

Es war aber der Satanas gefahren in den Judas, genannt Ischiariot, der da war aus der Zahl der Zwölf. Luk. 22, 3

 

Was wir aus diesem erschrecklichen Ereignis vor allem lernen sollen, ist dieses: Niemand darf sicher sein und denken: „Die Heuchler sind Heuchler, ein redlicher Christ aber hat nichts zu befürchten.“

 

Das Beispiel des Judas lehrt uns etwas anderes. Als er vom Heiland zum Jünger erwählt wurde, war er gewiss nicht das, was er später wurde. Wie viele haben im Geist angefangen und im Fleisch vollendet!

 

Am Beispiel des Judas und an jedem anderen Sündenfall erkennen wir, wie leicht und bald es geschehen kann, dass ein Christ verloren geht. Besonders wenn in einer bösen Stunde der Teufel dich mit seinen listigen und starken Anläufen angreift und zu gleicher Zeit die Begierde des Fleisches entzündet und deinen Verstand verblendet, so dass die schrecklichsten Sünden dir nicht mehr im geringsten gefährlich, sondern sogar lieb, ja notwendig erscheinen, - dann ist es bald geschehen, dass du fällst. Beachte dies!

 

Zu einer solchen Versuchungsstunde gehören vor allem drei Dinge: Die Sünde wird dir lieb und angenehm. Wenn du sie auch noch so viel betrachtest, kannst du unmöglich finden, dass sie gefährlich ist, sondern sie wird dir ganz gering und unbedeutend erscheinen. Und schließlich fängst du mit etwas ganz Geringem zu sündigen an und denkst dabei, dass „so wenig ja nichts macht“. So war es, als die Schlange Eva mit ihrer Hinterlist betrog. Sie sprach: „Ihr werdet mitnichten sterben; es ist ja nur, einen Apfel zu essen, und ein Apfel ist doch nur ein Apfel. Dagegen aber werdet ihr viel gewinnen, nämlich nicht nur den Genuss der lieblichen Frucht, sondern auch einen vollkommenen Verstand.“

 

Ebenso verführte sie Judas. Er fing mit kleineren Diebereien an, und da hieß es: „Ich nehme ja nur so wenig und nur dieses Mal“ (für jedes Mal) und — „es ist kein Unrecht, dass ich etwas für meine Mühe habe“. Als der Teufel ihm dann ins Herz gab, dass er Jesus verraten sollte, war es ja so natürlich zu denken: „Dreißig Silberlinge sind nicht zu verachten - und keine Gefahr! Jesus ist erstens unschuldig und außerdem allmächtig; es kann Sein Leben nicht kosten, - indessen habe ich einen guten Verdienst.“ Das hat Judas gewiss gedacht. Wer würde ihm gesagt haben, dass er am Tage nach der Tat so verzweifelt wäre, dass er hingehen und sich erhängen würde? Das glaubte er nicht, sondern er dachte nur daran, wie er sein Geld genießen könnte. Hätte er am Donnerstag, als Jesus ihn warnte, das geglaubt, was er am Tage danach erfuhr, dann wäre er gewiss vor dem Handel wie vor der Hölle zurückgebebt.

 

Ein jeder bedenke dies beizeiten und lerne die rechte Art der Sünde und des Teufels zu verstehen. Wenn du nämlich der Sünde und der Heuchelei nur in einem Fall und bei einer Gelegenheit Raum gibst, wirst du bald so verblendet, bezaubert und verstrickt werden, dass du nicht zu sehen und auch nicht die geringste Gefahr zu befürchten vermagst, und so wirst du allmählich Schritt für Schritt in dein äußerstes Verderben gehen. Ja, besonders in einer solchen bösen, satanischen Bezauberungsstunde wirst du, wenn du die Sünde, zu der du versucht wirst, auf das Gründlichste erwägen und betrachten willst, unmöglich etwas anderes sehen können, als dass sie gar nicht gefährlich, sondern gering und leicht wie eine Feder erscheint. Zu gleicher Zeit wird sie dir aber auch unendlich lieb und angenehm erscheinen. Dies sind die rechten Farben der Sünde in der Stunde der Versuchung sowie auch die rechten Zeichen dafür, dass du in diesem Augenblick in einer Versuchung bist oder in einer Probe stehst, in der über das Wohl oder Wehe deiner unsterblichen Seele entschieden wird. Denn beginnst du jetzt zu heucheln und der Sünde zu folgen oder sie zu verbergen, dann ist es aus mit dir.

 

Die Heuchelei ist der güldene Schleier der Sünde und des Teufels, ohne den sie nichts ausrichten. Wahrlich, entferne die Heuchelei, und du wirst nie in einer Sünde verbleiben oder darin weiter leben können, sondern immer aus derselben aufstehen und errettet werden. Hätte Judas bekannt, was ihm der Teufel einflößte - wenn es auch nur vor einem der Jünger geschehen wäre -, dann wäre der Teufel sofort entwaffnet gewesen und Judas wäre nicht länger in der Sünde verblieben. Dies ist ein Mittel, das schwer versuchte Christen zu allen Zeiten mit großem Segen gegen den Teufel angewandt haben. Darum gilt gerade hier die Ermahnung des Apostels: „Bekenne einer dem andern seine Sünden und betet füreinander, dass ihr geheilt werdet.“

 

Alles dieses aber glaubt und bedenkt man selten recht, bevor man es nicht aus eigener trauriger Erfahrung gelernt hat, und dann ist es oft zu spät. Und was ist es, das man nicht glaubt? Es ist folgendes: In der Stunde der Versuchung ist man einer wirklichen Verblendung und Bezauberung unterworfen, so dass man sicher, ruhig und dreist wird und zu sehen wähnt, dass gar keine Gefahr vorhanden ist, während doch Leben und Seele auf dem Spiel stehen. Und wenn jemand das vorher auch glaubt, so erscheint ihm die Sünde in der Versuchungsstunde doch nicht gefährlich.

 

Hier sollte man doch billigerweise in Furcht geraten und mit den Jüngern fragen: „Wer kann dann selig werden?“ Jesus antwortete darauf: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“

 

Solange wir in dieser Furcht und in diesem Trost verbleiben, können wir nie verlorengehen, sondern werden stets in der Hand Gottes sein. Er ist ein treuer Helfer und Hirte und sagt selber: „Niemand wird sie Mir aus Meiner Hand reißen.“

 

O Jesu, Du Hirte der gläubigen Herden,

Ach hilf doch, dass wir Dir nicht abtrünnig werden;

Du wolltest uns täglich im Glauben erneuen,

 

Hilf, dass wir die Sicherheit ewiglich scheuen.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Die große Warnung vor den Irrwegen

Ich ermahne euch, liebe Brüder, haltet das Wort der Ermahnung zuguteHebr. 13, 22

 

Solange der Mensch ein demütiger, gehorsamer Jünger dem Wort Gottes gegenüber bleibt und den ganzen Willen und Ratschluss Gottes zu unserer Seligkeit hören und befolgen will, wird der Heilige Geist stets Sein angefangenes gutes Werk in ihm vollbringen und fernerhin das aufdecken, was noch verborgen sein mag, und das berichtigen, was unrichtig ist. Der Zustand aber, der sich nicht gern helfen lässt, tritt ein, wenn der Mensch es gerade zu seinem Grundsatz macht, das Wort, das Bestrafungen und Ermahnungen enthält, nicht anzunehmen, sondern eine gewisse Auswahl aus dem Worte Gottes zu treffen und dabei weder zu hören noch zu beachten, was das Fleisch und die Sünde angreift.

 

Es ist wohl wahr: Man muss den Unterschied machen, dass man nicht in demselben Augenblick, in dem man Christus umfasst, auch den Fluch und das Urteil des Gesetzes im Gewissen umfasst; denn diese kommen nie zusammen. Wer Christus hat, wer seine Gerechtigkeit nur in Ihm sucht oder glaubt, der ist frei von allem Fluch des Gesetzes und muss sich beständig daran halten, denn sonst verspottet oder verachtet er das Blut Christi und alle Verheißungen Gottes.

 

Es geht hier also um die Frage, wie wir vor Gott bestehen.

 

Was dagegen unseren Wandel hier auf Erden betrifft, so können wir nie genug Ermahnungen, Bestrafungen und Aufmunterungen erhalten; und solche müssen wir dann gern annehmen und uns im Werk und in der Tat danach richten, sofern wir Christen sein wollen. Es gibt Menschen, die neben dem Sinn, dass sie dem Fleisch und dem Wandel nach frei sein wollen, es auch zu ihrem Grundsatz machen, sich nur die Worte auszuwählen, die lieblich und wohl lauten, während sie die scheuen, die sie in ihren Sünden angreifen und beunruhigen.

 

Darauf folgt, dass sie das heilsame Wort der Ermahnung nicht dulden, sondern es für eine Gesetzeslehre halten, vor der sie als Gläubige fliehen müssen, und dass sie auch keine brüderliche Bestrafung und Warnung dulden, sich vielmehr dagegen auflehnen und sich und ihre Sünde verteidigen. Sie lassen sich vielleicht auch bei einem losen, unwirksamen und kraftlosen geistlichen Wissensbrunnen nieder, bei dem man sowohl gottesfürchtiger sein kann als die allgemeine Welt, als auch mit ihr in ganz gutem Einverständnis stehen und im alltäglichen Leben ihr gleich sein kann.

 

Diejenigen, die diesen Weg einschlagen, sind ganz verloren, sofern nicht ein besonderes Gnadenwunder Gottes geschieht. Denn sie verschanzen sich unausgesetzt hinter dem Grundsatz, den sie gefasst haben, so dass sie die Worte, die sie zurechtweisen wollen, nicht beachten. Sie scheuen das einzige Mittel, dass ihnen helfen würde, scheuen die gesunde Lehre und scheuen die Mühe einer gründlicheren Prüfung.

 

Es ist dies der breite Irrweg, auf dem zu allen Zeiten viele derjenigen gewandelt sind, die dem ersten Abweg gründlich entgingen, dem nämlich, danach zu trachten, unter dem Gesetz ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, ja, viele, die wirklich zum Glaubensleben gekommen sind, wie viel mehr dann solche, die nicht recht bekehrt gewesen sind. Wie haben die Apostel zu ihrer Zeit doch vor diesen zwei Abwegen gewarnt!

 

Wie stark und laut klagt Luther über sie! „Seht an“, sagt er, „wie man sich allenthalben jetzt so närrisch zu dem Evangelium stellt, dass ich schier nicht weiß, ob ich mehr predigen soll oder nicht. Ich wollt schon längst haben aufgehört, wo ich nicht wüsste, dass es Christus auch also ergangen wäre. Denn wenn man predigt, dass es nicht in unserem Leben oder in den Werken stehe, sondern in Gottes Gaben, so will niemand etwas Gutes tun, will niemand züchtig leben oder gehorsam sein, sprechend, man verbietet gute Werke. Wenn man wiederum predigt von einem züchtigen, eingezogenen Leben, so will die Welt bald darauf fallen und eine Leiter gen Himmel bauen. Das will Gott dann nicht leiden. Es taugt nicht ein schändliches Leben, taugt auch nicht ein Wohlleben. Wie sollen wir Ihm denn tun? Welche allein sehen auf das scheinbarlich ehrbare Leben, denen wäre besser, dass sie Huren und Buben wären und im Kot lägen; und dennoch will Gott nicht, dass wir ein schändlich böses Leben führen. Darum musst du zusehen, dass du auf dem mittelsten Steige bleibst, weder zur linken noch zur rechten Seite wankst, sondern ein still, fein säuberliches Leben vor der Welt führst und kein Aufheben davon machst oder für besser hältst, denn ob du schläfst oder wachst. Und gleichwie ich nicht sage: Dadurch will ich den Himmel verdienen, also soll auch alles ehrbar und züchtig Leben frei dahin getan sein, dass niemand sage: Ich will von diesem oder jenem Werk selig werden.

 

Gern möchte ich solche Schüler haben, die wohl verstünden, was ein Christenleben ist; so findet man sie aber nirgends einerlei: Denn der andere Hauf, der will entweder gar zu roh sein, oder er will gar zu heilig sein. Wohlan, der es fassen kann, der fasse es. Wir können nicht mehr, denn dass wir’s in die Ohren bringen; Gott muss es fort in das Herze tragen.“

 

O es stehet mein Verlangen,

Liebster Jesu, nur nach Dir;

Lass mich treulich an Dir hangen,

Schenke Dich zu eigen mir.

Ob viel’ auch umkehrten zum größesten Haufen,

So will ich Dir dennoch in Liebe nachlaufen;

Denn Dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist;

 

Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt?

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Sei darum weise, fliehe die Sünde !

Wo ich Unrechtes in meinem Herzen vorhätte, so würde der Herr nicht hören. - Psalm 66, 18

 

Wenn es dir schwer wird, deine Kindschaft bei Gott zu glauben, ja wenn es dir um dieses oder jenes Umstandes willen vielleicht ganz unmöglich ist, dann beachte folgendes: Liegt der Grund deiner Trostlosigkeit darin, dass du dir einer vorsätzlichen Sünde bewusst bist, die du nicht fahren lassen willst, z.B. ein unversöhnlicher Hass gegen einen Mitmenschen, eine fleischliche Lust oder eine Unehrlichkeit im Handel oder in deiner Arbeit, eine offenbar fleischliche Tat also, in der du fortzufahren gedenkst, mit der du einen Bund geschlossen hast, - dann versuche nicht, durch das Evangelium die Widersprüche zu übertäuben und zum Schweigen zu bringen und dir einzureden, dennoch in der Gnade zu stehen.

 

Das ganze Wort Gottes streitet viel zu klar dagegen, und der Geist des Herrn, der dir die Gewissheit des Glaubens und das Zeugnis deiner Kindschaft geben sollte, ist „der Geist der Wahrheit“, ein reiner, heiliger Geist. Er kann dir kein Zeugnis geben, das gegen die Wahrheit streitet. Du wirst immer auf die Worte des Apostels stoßen, die er zum Zauberer sprach: „Du wirst weder Teil noch Anrecht haben an diesem Wort; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott.“ Er sagt nicht: „Denn deine Sünden sind zu schwer und zu zahlreich“, sondern er sagt: „Dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott.“ Aber freue dich darüber, dass er auch nicht sagt: „Darum musst du für immer verloren sein“, sondern: „Tue Buße für diese deine Bosheit und bitte Gott, ob dir vergeben werden möchte die Tücke deines Herzens.“

 

Bedenke, dass nicht einmal jener Zauberer, so durchsäuert von Heuchelei, „voll bitterer Galle und verknüpft mit Ungerechtigkeit“ er auch war, für verloren erklärt wird, sondern dass er zu Gott kommen und um Vergebung bitten darf!

 

Beachte aber auch, dass der Apostel hier nicht sagt: „Glaube an den Herrn Jesus“, sondern: „Tue Buße für diese deine Bosheit!“ Und Christus sagt: „So dich dein Auge ärgert (wenn es dir zum Verderben, zum Hindernis für dein Gnadenleben ist), so reiß es aus und wirf es von dir!“ Er sagt nicht: „So glaube an Mich, und du brauchst das Auge nicht auszureißen.“

 

Der Glaube und ein gutes Gewissen lassen sich nie mit „gehuldigten“ Sünden vereinigen.

 

Man wird durch sie immer vom Gnadenstuhl weggetrieben. Luther sagt, dass es viele gibt, die sich des Sakraments und des Gebets enthalten, weil sie in herrschenden Sünden gefesselt liegen - wie z.B. in unversöhnlichem Hass und dergleichen -, die sie nicht fahren lassen wollen. „Für solche“, sagt er, „wäre es gewiss der beste Rat, dass sie die Sünde fahren ließen und dann zu Gott kämen im Sakrament und Gebet. Dies wäre besser, als fortzufahren in der Sünde und Leib und Seele dem Teufel zu geben.“

Jesus sagt: Es ist viel besser, dass du dir das Leiden des Ausreißens eines Auges machst und zum Leben eingehst, als dass du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sei darum weise, fliehe die Sünde! Die Krone der Herrlichkeit lohnt dir herrlich alle deine Leiden während der Kreuzigung des Fleisches.

 

Durch das Beharren in der Sünde verhinderst du dein Gebet und verlierst den seligen Frieden Gottes in der Zeit und die himmlische Freude in der Ewigkeit!!!!

 

Aber beachte, dies gilt von Sünden, denen du huldigst, die du also nicht nur liebst - wie ja das Fleisch, auch bei den Heiligen, immer seine alte Liebe zur Sünde hat —, sondern denen du huldigst, d.h. wenn du aufs Neue mit der Sünde einen Bund machst, sie entschuldigst und sie behalten willst, obwohl sie dir nicht eine fragwürdige, sondern eine offenbare Sünde ist.

 

Dieses streitet geradezu gegen den Glauben und gegen die Gnade.

 

Ganz anders verhält es sich mit einem Christen, der da spricht: „Ich liebe dich, Sünde, erschrecklich, aber ich hasse und verfluche meine Liebe zu dir“, und der zugleich bei dem allmächtigen Gott Hilfe gegen diese Sündenliebe sucht. Ist das bei dir der Fall, dass du deine Sündenliebe so betrachtest und Erlösung davon suchst, dann sollst du sogleich in deines Vaters Arme eilen und mit voller Gewissheit Seine Gnade glauben.

 

Und - beachte! Hüte dich, dass du dir nicht vornimmst, zuerst auf Befreiung von der Sünde zu warten, bevor du die Gnade glauben willst. Gerade dieses Warten wäre die mächtigste Schlinge, in der der Teufel dich fangen könnte.

 

Denn nur durch den Glauben kannst du die Erlösung erwarten (siehe 1.Joh.5,4 sowie Hebr. Kap.11) Dass das Fleisch die Sünde liebt, ja dass uns gewisse angeborene Unarten folgen und plagen, solange wir auf Erden sind, ist eine Tatsache, über die alle Heiligen klagen mussten. „Aber solche Sünden“, sagt Luther, „die wir selbst strafen, sind nackte und bloße Sünden, die allezeit das Opfer Christi zwischen sich und Gott haben“, die uns darum auch niemals verdammen werden, solange wir in Christus bleiben.

 

Gegen solche Sünden und alle täglichen Mängel musst du tief und immer wieder aufs Neue die ewigen Gründe unserer Begnadigung in dein Herz einprägen und um die Bewahrung deiner Kindeszuversicht wie um das Leben und die Seligkeit kämpfen. Denn du musst wissen, dass es das größte Bestreben des Teufels ist, sie deinem Herzen zu entreißen und dich in Mutlosigkeit und Knechtschaft zu stürzen.

 

Nimm darum hier alles Evangelium Gottes, das Sakrament, das Gebet, den Rat und die Fürbitte der Brüder zu Hilfe, damit das Gewissen nicht in die Knechtschaft hinabgezogen wird, sondern durch den Glauben über die Widersprüche siegt.

 

Wer sich also selber richtet,

Sein Verderben recht erkennt,

Alles eigne Tun vernichtet

Und sich selbst verloren nennt;

Dessen Schade wird durch Gnade

Leicht und herrlich weggenommen;

 

Er wird zur Gewissheit kommen.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Gott vergisst seine Kinder nie !

Kann auch eine Mutter ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will Ich doch deiner nicht vergessen. Jes.49,15

 

Das traurige Zion, die Schar der Gläubigen des Herrn, hatte im vorhergehenden Verse jämmerlich geklagt: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen.“ Darauf antwortet der Herr so, als ob Zions Klage wie die eines Menschen sei, der einsam in einem Walde geht, mit sich selber redet und seine Not gleichsam den Bergen und Bäumen im Walde klagt, und dann ertönt die Antwort des Herrn wie ein Echo in den Bergen. Zion hört eine Stimme, sieht aber nicht den, der da redet. Und wie bei einem Echo, von dem wir wissen, dass es auf das letzte und nicht auf das erste Wort antwortet, ist es auch hier. Zion hat gesagt: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen!“ Dieses letzte Wort „meiner vergessen“ greift der Herr auf: „Was redest du? Meiner vergessen? Kann auch eine Mutter ihr Kindlein vergessen?“

 

Er antwortet nicht auf das erste Wort „mich verlassen“; denn das ist wohl möglich, dass der Herr eine Zeitlang Seine Kinder verlässt oder sich so stellen kann, als habe Er sie verlassen, indem Er ihnen Sein Antlitz verbirgt, sich in der Zeit der Not verbirgt. Aber es ist geradezu unmöglich, dass Er sie auch nur einen Augenblick vergessen könnte.

 

Darüber wundert der treue Gott sich also nicht, dass gesagt wird: „Der Herr hat mich verlassen“; dass Zion aber zugleich sagen will: „Der Herr hat meiner vergessen“, das kann Er nicht dulden; das ist zu hart geredet; das will Er von sich abwenden. „Kann auch eine Mutter ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will Ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe Ich dich gezeichnet!“

 

Der Herr gibt also in diesen Worten genügend zu erkennen, dass Er Sein Zion weder vergessen kann noch will. Er kann nicht. Ebenso wenig wie eine Mutter ihr Kindlein vergessen kann, kann auch Er es nicht tun; und wenn sie es auch könnte, so will Er es doch nicht. „Ob sie desselben vergäße, so will Ich doch deiner nicht vergessen.“

 

Und Er zeigt auch die Ursache, weshalb Er weder will noch kann, ebenso wenig wie Er kann noch will; denn Er spricht: „In die Hände habe Ich dich gezeichnet!“ Wie könnte Ich dann deiner vergessen, wie würde Ich es dann wollen? An anderen Stellen zeigt Er, dass Er auch die Liebe eines Vaters hegt; aber das ist nicht genug; Er hat eine größere, Er hat eine zärtlichere Liebe, Er hat die Mutterliebe. „Kann auch eine Mutter ihres Kindes vergessen?“ Ja, Er zeigt, dass Er noch größere Liebe als die einer Mutter hat: „Ob sie desselben vergäße (also schließt Er die Möglichkeit nicht aus, dass eine Mutter dies jemals tun könnte), so will Ich doch deiner nicht vergessen.“ Er zeigt, dass Seine Liebe unendlich und unvergleichlich ist, da sie größer ist als die Liebe einer Mutter.

 

Dies ist nun der tiefste Grund aller jener Güte, Gnade und Barmherzigkeit, die Gott der Herr dem menschlichen Geschlecht von Erschaffung der Welt an erwiesen hat, nämlich die so ganz besondere Liebe Seines eigenen Wesens, eine Liebe, die noch kein Mensch begreifen konnte, weil niemand etwas erfahren hat, was dieser Liebe gleich sein könnte; denn sie ist dem Wesen Gottes gleich, unermesslich, unendlich, unfassbar. Aus dieser Liebe Seines hohen Wesens erschuf Gott den Menschen, so kostbar ausgerüstet und so reich mit allem umgeben, was er nötig haben konnte und wovon die Natur redet.

 

Aus dieser Liebe sandte Er der Welt Seinen Sohn zum Heiland, als sie sich durch die Versündigung gegen den Schöpfer eine gerechte Verdammnis zugezogen hatte, wie Jesus spricht: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn gab.“

 

Aus dieser Liebe hat Er die größten Sünder nicht nur angenommen, sondern sie auch selber gesucht, wie Jesus uns am Beispiel jenes Vaters zeigt, der seinem unwürdigen, erniedrigten Sohn entgegenlief, ihm um den Hals fiel, ihn küsste und ausrief: „Nun muss man fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden.“

 

Dieselbe Gottesliebe redet hier: „Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen?“ Wer kann diese Liebe wohl ganz begreifen oder ausreden? Johannes konnte sich darüber nicht anders ausdrücken, als dass Gott die Liebe sei - „Gott ist die Liebe.“

 

Diese Liebe war der erste Grund, weshalb Gott uns nie vergessen kann oder nie aufhören kann, an uns zu denken. Der andere Umstand, auf den Er hier die Aufmerksamkeit Seines armen Zions lenkt, ist der, dass das Kind vom Leibe der Mutter gekommen ist. Er sagt: „Der Sohn ihres Leibes“. Dieser Gedanke war schon vollständig mit dem Worte „Kindlein“ ausgedrückt. Der Zusatz: „Sohn ihres Leibes“ sollte nur an ein dem Mutterherzen sehr nahegehendes Verhältnis erinnern. Da der Herr aber mit alledem Sein Verhältnis zum Menschen bezeichnen will, so werden wir hier an einen höchst denkwürdigen und trostreichen Umstand erinnert: Der Mensch ist Leibessohn des großen Gottes.

 

Oder woher ist er sonst gekommen? Woher sind wir?

 

Dieses merkwürdige Geschlecht auf Erden, der Mensch - woher ist er gekommen, wenn nicht aus Gott? Und eben das ist der tiefe, ewige Grund, weshalb Gott uns nicht vergessen kann.

 

Er lässt mich nicht!

Und wenn mich alle auch verlassen,

Wenn Treue nur ein Wahn auf Erden wird,

Dann wird, dann muss der himmlisch treue Hirt

Nur fester noch Sein armes Lamm umfassen;

Das Hirtenherz ist meine Zuversicht,

 

Er lässt mich nicht.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Gott lässt sich nicht spotten

Die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit ... bei denen, die Seinen Bund halten und gedenken an Seine Gebote, dass sie danach tunPsalm 103, 17–18

 

Es ist dies ein feiner Ausdruck für die innere Verfassung eines rechten Christen. Er drückt den beständigen, innigen Wunsch und das Seufzen in den Herzen der Gläubigen aus, den Willen des Herrn tun zu können.

 

Ein Christ kann oft nichts anderes von seinem geistlichen Leben empfinden, als an die Gebote des Herrn zu denken, um danach zu tun.

 

Dies ist der „Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit“, wovon Jesus redet und worunter auch die Gerechtigkeit des Lebens verstanden wird. Ein rechter Christ wird in dieser Sache nie vollkommen gesättigt. Die Gebote des Herrn mit ihren geistlichen Forderungen an den inwendigen Menschen stehen immer höher, als dass er das Ziel erreichen könnte! Er seufzt: „Ach dass ich so sein und handeln könnte, wie der Herr fordert!“ Dieses Wünschen und Seufzen ist gleichsam der Atemzug oder der Herzschlag des neuen Menschen. Es ist nichts anderes als „Christus in uns, Gottes Geist im Herzen, eine Teilhaftigkeit der göttlichen Natur“. Dieser reine heilige Geist streitet immer gegen das Fleisch und bewirkt, dass wir, auch wenn wir fallen und uns vergehen, doch nie in der Sünde bleiben können.

 

Hier ist nun ein Stück zur Selbstprüfung.

 

Es heißt: „Gedenken an die Gebote des Herrn, dass wir danach tun“. Verstehen, denken und reden von den Geboten, das können Tausende, sie fangen aber nie an, auch danach zu tun. Es ist ja keine Kunst, an gute Werke zu denken und von denselben zu reden oder sie von anderen zu fordern. Viele sind recht eifrig um das Gesetz und um gute Werke besorgt, wenn es gilt, dass andere dieselben tun sollen, und es wird, so meinen sie, auch nie streng genug davon gepredigt. Aber selber rühren sie die Last nicht mit einem Finger an, sagt Christus. Zu solchen spricht Er: „Was verkündigst du Meine Rechte und nimmst Meinen Bund in deinen Mund, so du doch (deinerseits) Zucht hasst und wirfst Meine Worte hinter dich?“

Hier werden Aufrichtigkeit und Wahrheit gefordert. Gott lässt sich nicht spotten!“

Auch für einen gläubigen Christen ist große Gefahr, wenn er jemals die Lehre von unserer Schwachheit so missbrauchen sollte, dass er noch, nachdem er zum Trost und zum Frieden in Christus gelangt ist, es anstehen lässt, an eine Sache zu denken, die ihm schwerfällt. Das taugt nicht! Man muss immer an des Herrn Gebote gedenken, dass man danach tue, nachdem man seine volle Gerechtigkeit und seinen Frieden in Christus erhalten hat.

 

Die Kraft, die du noch nicht erhalten hast, kannst du doch noch erlangen. Was dir unmöglich erscheint, ist dem Herrn leicht. In demselben Augenblick, in dem Paulus von seiner eigenen Schwachheit redet, redet er zugleich auch von der Kraft Gottes in den Schwachen. „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark; Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

 

Wenn du darum fröhlich in deinem Gott und der Vergebung deiner Sünden gewiss bist, dann musst du in vertraulicher und ernsthafter Weise die Sache, die dir zu schwer ist, auf das Herz deines milden Heilandes legen und um Seine Kraft bitten, das tun zu können, was Er fordert, mit Augustinus sprechend: „Befiehl mir, Herr, was Du willst; aber gib Du selber mir das, was Du befiehlst!“

 

Du weißt, o Herr, dass ich selber gar nichts vermag!

 

Aber auch wenn du nicht alles erhältst, was du auf diesem Wege begehrst, nicht all das Gute tun kannst, was du wolltest, so ist es doch nötig, dass du an des Herrn Gebote denkst und darum bittest, auf dass du durch solche Übung stets in einer lebendigen, persönlichen Erfahrung deiner Schwachheit erhalten bleibst, die dann die heilsame Demütigung bewirkt, die Gott bezweckt, wenn Er uns dem Teufel und uns selber überlässt. Denke daran!

 

Das bloße Wissen von unserer Schwachheit bewirkt nicht diese Demütigung.

 

Und nichts kann trauriger sein, als wenn ein sonst gläubiger Mensch in solche Lässigkeit gerät, dass er nicht mehr der Gebote des Herrn gedenkt, um danach zu tun, so dass er durch seine Mängel gedemütigt und gebeugt wird. Beachte dies tief! Wenn ein Mensch von unserer großen Ohnmacht und von unseren Mängeln redet, aber dabei ungebrochen, selbstzufrieden und stolz ist — ach ein schneidender Anblick, ein widerliches Gerede!

 

Das rührt von der Sicherheit und der Lässigkeit her.

 

Es ist darum in allen Beziehungen wichtig, daran zu denken, den Willen Gottes zu tun. Es ist z.B. wahr, dass wir nicht beten können, wie wir sollen.

 

Wir sind oft so zerstreut, träge und kalt im Gebet.

 

Es ist auch wahr, dass, wer in seiner Not darüber doch an Christus glaubt, nicht verzweifeln noch dem Unglauben Raum geben soll. Sollte ich aber deshalb nie mein Fleisch mit Beten beschweren? Das sei ferne!

 

Ich muss ja doch beten, so wie ich kann, und dabei Gott zugleich um die Gnade bitten, besser beten zu können. Ebenso geht’s in allen anderen Fällen, wo meine Ohnmacht mir zu groß wird. Ich kann nicht so mild, sanftmütig, demütig, liebevoll, keusch, geduldig sein, ich kann Christus nicht so bekennen, mein Gut nicht so für meinen Nächsten opfern, wie ich sollte.

 

Diese guten Dinge darf ich darum aber nicht vergessen, sondern ich muss dennoch der Gebote des Herrn gedenken, um danach zu tun, und Gott beständig um mehr und mehr Kraft dazu bitten.

 

Alles das ist die Übung aller Gläubigen, es ist ihre neue Natur, es ist das Werk des Geistes in ihnen.

 

Wir müssen nur danach trachten, dass wir immer dem Geiste gehorsam sindund auf Ihn hören und nicht aufs Neue in Sicherheit einschlafen.

 

Der Du Dich, Herr, für mich in den Tod gegeben,

Gib mir die Gnade nun, für Dich zu leben!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Lebst du in dieser Erwartung,
dass der Herr bald wiederkommt?

Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und unterweist uns, ... dass wir warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus Tit.2,11–13

 

„Die Wiederkunft des Herrn ist nahe“, sagt der Apostel Jakobus.

 

Was kann wohl die Ursache davon sein, dass der Gedanke an die Wiederkunft des Herrn uns so wenig beschäftigt?

Was kann die Ursache dafür sein, dass dieser Gedanke, der unter viel geringeren äußeren Umständen bei den ersten Christen doch so lebhaft, so gegenwärtig und allgemein war, bei den Zeichen der Zeit in unseren Tagen uns so fremd, ja fast ganz aus unseren Herzen verschwunden ist?

 

Wir leugnen nicht, dass wir ganz allgemein bei der Lehre von der Wiederkunft des Herrn als einem Glaubensartikel bleiben.

 

Daraus folgt aber nicht, dass wir diese Ankunft Christi auch zu unserer Hoffnung haben.

 

Die Frage ist nämlich nicht: „Glaubst du, dass der Herr kommen wird?“, sondern: „Lebst du in der Hoffnung, in einer wirklichen Erwartung Seiner Wiederkunft?“ Auf diese Frage können nicht viele unter uns mit einem Ja antworten. Wäre es so, dass alle Gläubigen in der Hoffnung und der Erwartung der Wiederkunft des Herrn wandelten, dann würde diese Hoffnung sich auch mehr in unseren Predigten, unseren Gesprächen, unserem ganzen Leben kundtun - dann würden sich nicht allerlei Glaubensbekenntnisse und oft unbiblische Lehren über die Zukunft der Kirche Jesu Christi oder über die Frage nach unseren Entschlafenen unter uns einschleichen können.

 

Aber kommen wir wieder auf die Frage: Was kann die Ursache davon sein, dass der Gedanke an die Wiederkunft des Herrn uns so fremd, ja beinahe unwillkommen ist, während er in den Herzen der ersten Christen so lebhaft, lieb und gegenwärtig war? Es ist dies sicherlich kein gutes Zeichen. Jede Hoffnung setzt einen Wunsch voraus, jeder Wunsch aber hat seine Wurzel in dem, was man liebt. Wünschten wir und sehnten wir uns wirklich nach dem Tag der Wiederkunft des Herrn, wo alles Dunkel im Glauben, alle Schwachheit, alle Sünde und alle Untreue gegen unseren Heiland ein Ende haben und wir Ihn ergreifen werden, wie wir von Ihm ergriffen wurden, Ihn sehen, wie Er ist, und Ihm gleich sein werden - wünschten wir diese Seine Offenbarung mehr, dann würden wir auch alle Verheißungen, die es für die selige Hoffnung dieses erwünschten Tages gibt, aufsuchen und mit Freuden umfassen.

Wären wir demnach mehr geistlich gesinnt, liebten wir unseren Heiland mehr und strebten wir mehr nach dem, wonach die Liebe immer strebt — nämlich: ganz mit Ihm vereinigt zu werden —, dann würden wir auch mehr in der Hoffnung leben!

 

Diejenigen, die das Wort Gottes mit größerem Ernste zu Herzen nehmen, die mehr in der Übung der Buße zu Gott und des Glaubens an unseren Herrn Jesus Christus stehen, so dass der Geist der Gottesfurcht stündlich über ihr ganzes Wesen wacht, die Sünde also nicht unbestraft bleibt, sondern schmerzlich gefühlt wird — wobei auch die Gnade in Christus umso köstlicher wird, durch die Sünde aber auch vor ihren Blicken verdeckt und verborgen ist —, sie haben in der seligen Hoffnung auf die herrliche Wiederkunft unseres Herrn Christus eine liebe Betrachtung, eine lebendige Hoffnung. Sie blicken mit inniger Sehnsucht dem Tage entgegen, an dem der dicke Nebel, der hier ihren Glauben umgab, auf ewig von der Herrlichkeit des Herrn zerteilt sein wird. Sie warten auf den Tag, an dem sie den Freund und Heiland sehen werden, an den sie hier glaubten, mit dem sie redeten und von dem sie, ohne Ihn zu sehen, begleitet wurden und an dem sie endlich einst auf ewig das genießen werden, was sie hier vergebens suchten — nämlich eine vollkommene Klarheit, eine volle Gewissheit, eine fühlbare Nähe des Heilandes —, an dem sie außerdem auf ewig von dem bösen Fleisch, das hier immer so viele Sünden, Schwachheiten und Anfechtungen mit sich brachte, und von den feurigen Pfeilen des argen Feindes befreit sein werden.

 

Wären wir der Welt und diesem Gegenwärtigen mehr abgestorben und hätten wir unser Leben und unsere Freude in Gott allein, sicherlich wäre dies dann eine selige Hoffnung für unser Herz. Wo das Herz aber geteilt, wo es auch von irdischen Dingen eingenommen ist, da kann die Sehnsucht nach dem himmlischen Bräutigam nicht Eingang finden. Und dies Leben kann weder recht heilsam noch gesund sein, da es nicht mit dem Wort der Schrift und dem Sinn der ersten Christen übereinstimmt. „Unser Wandel ist im Himmel“, sagt Paulus, „von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, des Herrn, welcher unseren nichtigen Leib verklären wird, dass er ähnlich werde Seinem verklärten Leibe.“ Und er ermahnt: „Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen, ja verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit Ihm in der Herrlichkeit.“

 

O dass wir die Lehre Christi, wie auch die der Apostel von der Wiederkunft des Herrn und der Hoffnung der Christen mehr zu Herzen nehmen möchten!  

 

Ach wär’ ich doch schon droben,

Mein Heiland, wär’ ich da,

Wo Dich die Scharen loben,

Und säng’ Halleluja! 

Was fehlt mir noch ? Matth. 19,20

 

Viele sind religiös, aber sie sind nicht einmal erweckt und noch weit weniger Christen. Viele sind erweckt und in einer gewissen Weise bekehrt, nämlich von dem gewöhnlichen, freien, gottlosen Wesen der Welt zu einer ernsten Übung der Gottseligkeit, aber sie sind trotzdem keine wahren Christen, d.h. keine in Christus freigemachten, seligen Menschen.

 

Mancher glaubt und bekennt Christus als unsere Gerechtigkeit, Weisheit, Heiligung und Erlösung, weil er weiß, dass Christus dies alles sein soll und dass man so glauben und bekennen muss, um ein vollständiger Christ zu sein. Mitten unter dem Glauben und dem Bekenntnis hat das Herz aber im Geheimen seinen Trost und sein Vertrauen in etwas anderem, wie z.B. im Ernst der Bekehrung, in Reue, Gebet und Kampf. Wenn diese dann so sind, wie sie sein sollen, dann ist man so gläubig und getröstet - in Christus? Wenn es aber daran fehlt, kann man sich auch nicht Christi allein getrösten, dann bedeutet Er nichts. Das ist dann die schleichende Schlange der Eigengerechtigkeit, ein falscher Glaube, weil man nicht wirklich in Christus seinen ganzen Trost hat.

 

Als einen schönen, bezeichnenden Ausdruck dieser Wahrheiten lesen wir 1.Kön.19, 11–13 folgendes: „Und siehe, der Herr ging vorüber und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind kam ein Erdbeben, aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Da das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit einem Mantel und ging heraus und trat in die Tür der Höhle.“

 

In diesem majestätischen Wunderbild sah der Prophet eine Schilderung und Deutung nicht nur seiner eigenen Führung, sondern auch der allgemeinen Haushaltungsweise Gottes innerhalb des Gnadenreiches auf Erden. Der Sturm, das Erdbeben und das Feuer sind nämlich eine treffliche Schilderung des Gesetzes und seiner Zeit und Wirkungen. Dagegen stellt der Klang des stillen, sanften Sausens wunderbar schön das Evangelium und dessen Zeit dar. Erstens stellt es im allgemeinen Äußeren die verschiedenartigen Zeiten und Regierungsweisen des alten und des neuen Bundes dar. Dann zeigt es im kleinen, im besonderen, im einzelnen Inneren eines jeden, der bekehrt wird, - wo auch immer eine alttestamentliche Zeit mit ihren Gesetzen, ihrem Zwang, ihren vielfachen Opferdiensten und ihrer Erwartung der Ankunft und gnadenvollen Offenbarung Christi vorangeht - eine alttestamentliche Zeit, die bei dem einen länger, bei dem anderen kürzer währt.

 

Bei manchem entsteht nämlich eine Art Sturmwind geistlicher Entdeckungen und Vorsätze, geistlicher Worte und Unternehmungen, so dass dieser Mensch anfängt, im Namen des Herrn auf andere einzustürmen, „Berge zu zerreißen und Felsen zu zerbrechen vor dem Herrn“. Es ist dabei eine gute Absicht, aber wenig Besinnung, wenig Verständnis und wenig eigene Erfahrung vorhanden. Er ist nicht einmal wirklich erweckt, denn er hat noch viel Trost in sich selber und große Hoffnungen auf den Fortschritt seiner Besserung. Es ist aber nur Wind, ein großer, starker Wind. „Der Herr aber war nicht im Winde.“

 

Doch es kommt weiter mit dem Menschen. Er wird wirklich erweckt, es entsteht in seinem Innern ein Erdbeben, es entsteht ein Herzbeben, er bekommt zu sehen, dass er mit all seinem Stürmen nicht selber wirklich ist und tut, was das Wort sagt. Er erschrickt, er strengt sich ernstlich an, jetzt zu tun und zu werden, wie ihm geziemt; aber es wird nichts daraus, es ist keine Kraft vorhanden, nur die Zerstörung des Erdbebens ist da. „Denn der Herr war nicht im Erdbeben.“ Es wird im Gegenteil ärger und ärger, denn durch das Gebot wird die Sünde lebendig und erregt in ihm allerlei Lust, sie wird mächtiger als zuvor. Dadurch entsteht ein Feuer, ein peinigendes Feuer der Angst sowie ein brennendes Feuer der Anstrengung, aber alles ist ebenso vergeblich. „Denn der Herr war nicht im Feuer.“

 

Jetzt entfällt der Mut, alle Versuche sind fruchtlos, alle Hoffnungen fehlgeschlagen, alles ist verloren; und nun beginnt das eigengerechte Ich verzehrt zu werden, ich soll, ich muss, ich sollte ja! Und „ich starb“, sagt Paulus. Doch jetzt kommt das stille, sanfte Sausen, die erquickende, friedegebende und seligmachende Stimme des Evangeliums dem verzweifelten Herzen recht gelegen. Jetzt schmeckt es gut, von einer ganz unverdienten Gnade für das verlorene, in Verzweiflung daliegende Menschenkind zu hören, jetzt, wo aller Trost zu Ende ist, findet der rechte Trost Raum im Herzen; jetzt beruhigen sich die stürmenden Gedanken, die Qualen und Begierden, und neues Leben, Freude, Friede, Liebe, Vertraulichkeit mit dem Herrn, milde Augen, fröhliche Worte, neue geistliche Kräfte sind jetzt vorhanden.

 

Jetzt ist der Herr da, jetzt verbirgt man das Antlitz über eine so unerwartete Hilfe, eine so unverdiente Gnade, und sagt: „Das hätte ich nimmer gedacht, dass es diesen Weg gehen sollte und dass ich aus lauter Gnade - Gnade empfangen würde, als ich am allerunwürdigsten war.“ Oder man verstummt in seliger Scham über die große Gnade, wie es bei Hes.16 heißt: „Du wirst daran gedenken und dich schämen und vor Schande nicht mehr deinen Mund auftun, wenn Ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht der Herr Herr.“

 

Als Elia bei dem stillen, sanften Sausen die Nähe des Herrn spürte, da „verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging heraus und trat vor die Tür der Höhle“, gleichsam um seine Ergebung in den Willen Gottes, sein „Rede, Herr, denn Dein Knecht hört!“ zum Ausdruck zu bringen. Jetzt erst ist man ein Christ und tüchtig, das Amt des neuen Bundes zu führen, nicht das des Buchstabens, sondern das des Geistes.

 

Jetzt ist auch des Stummen Zunge gelöst zum Lobsingen, zum rechten Bekennen Christi, welche Ordnung auch David ausdrückt: „Ich glaube, darum rede ich; ich werde aber sehr geplagt.“

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Religiös, aber nicht wiedergeboren

 

Was fehlt mir noch ? Matth. 19,20

 

Viele sind religiös, aber sie sind nicht einmal erweckt und noch weit weniger Christen. Viele sind erweckt und in einer gewissen Weise bekehrt, nämlich von dem gewöhnlichen, freien, gottlosen Wesen der Welt zu einer ernsten Übung der Gottseligkeit, aber sie sind trotzdem keine wahren Christen, d.h. keine in Christus freigemachten, seligen Menschen.

 

Mancher glaubt und bekennt Christus als unsere Gerechtigkeit, Weisheit, Heiligung und Erlösung, weil er weiß, dass Christus dies alles sein soll und dass man so glauben und bekennen muss, um ein vollständiger Christ zu sein. Mitten unter dem Glauben und dem Bekenntnis hat das Herz aber im Geheimen seinen Trost und sein Vertrauen in etwas anderem, wie z.B. im Ernst der Bekehrung, in Reue, Gebet und Kampf. Wenn diese dann so sind, wie sie sein sollen, dann ist man so gläubig und getröstet - in Christus? Wenn es aber daran fehlt, kann man sich auch nicht Christi allein getrösten, dann bedeutet Er nichts. Das ist dann die schleichende Schlange der Eigengerechtigkeit, ein falscher Glaube, weil man nicht wirklich in Christus seinen ganzen Trost hat.

 

Als einen schönen, bezeichnenden Ausdruck dieser Wahrheiten lesen wir 1.Kön.19, 11–13 folgendes: „Und siehe, der Herr ging vorüber und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind kam ein Erdbeben, aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Da das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit einem Mantel und ging heraus und trat in die Tür der Höhle.“

 

In diesem majestätischen Wunderbild sah der Prophet eine Schilderung und Deutung nicht nur seiner eigenen Führung, sondern auch der allgemeinen Haushaltungsweise Gottes innerhalb des Gnadenreiches auf Erden. Der Sturm, das Erdbeben und das Feuer sind nämlich eine treffliche Schilderung des Gesetzes und seiner Zeit und Wirkungen. Dagegen stellt der Klang des stillen, sanften Sausens wunderbar schön das Evangelium und dessen Zeit dar. Erstens stellt es im allgemeinen Äußeren die verschiedenartigen Zeiten und Regierungsweisen des alten und des neuen Bundes dar. Dann zeigt es im kleinen, im besonderen, im einzelnen Inneren eines jeden, der bekehrt wird, - wo auch immer eine alttestamentliche Zeit mit ihren Gesetzen, ihrem Zwang, ihren vielfachen Opferdiensten und ihrer Erwartung der Ankunft und gnadenvollen Offenbarung Christi vorangeht - eine alttestamentliche Zeit, die bei dem einen länger, bei dem anderen kürzer währt.

 

Bei manchem entsteht nämlich eine Art Sturmwind geistlicher Entdeckungen und Vorsätze, geistlicher Worte und Unternehmungen, so dass dieser Mensch anfängt, im Namen des Herrn auf andere einzustürmen, „Berge zu zerreißen und Felsen zu zerbrechen vor dem Herrn“. Es ist dabei eine gute Absicht, aber wenig Besinnung, wenig Verständnis und wenig eigene Erfahrung vorhanden. Er ist nicht einmal wirklich erweckt, denn er hat noch viel Trost in sich selber und große Hoffnungen auf den Fortschritt seiner Besserung. Es ist aber nur Wind, ein großer, starker Wind. „Der Herr aber war nicht im Winde.“

 

Doch es kommt weiter mit dem Menschen. Er wird wirklich erweckt, es entsteht in seinem Innern ein Erdbeben, es entsteht ein Herzbeben, er bekommt zu sehen, dass er mit all seinem Stürmen nicht selber wirklich ist und tut, was das Wort sagt. Er erschrickt, er strengt sich ernstlich an, jetzt zu tun und zu werden, wie ihm geziemt; aber es wird nichts daraus, es ist keine Kraft vorhanden, nur die Zerstörung des Erdbebens ist da. „Denn der Herr war nicht im Erdbeben.“ Es wird im Gegenteil ärger und ärger, denn durch das Gebot wird die Sünde lebendig und erregt in ihm allerlei Lust, sie wird mächtiger als zuvor. Dadurch entsteht ein Feuer, ein peinigendes Feuer der Angst sowie ein brennendes Feuer der Anstrengung, aber alles ist ebenso vergeblich. „Denn der Herr war nicht im Feuer.“

 

Jetzt entfällt der Mut, alle Versuche sind fruchtlos, alle Hoffnungen fehlgeschlagen, alles ist verloren; und nun beginnt das eigengerechte Ich verzehrt zu werden, ich soll, ich muss, ich sollte ja! Und „ich starb“, sagt Paulus. Doch jetzt kommt das stille, sanfte Sausen, die erquickende, friedegebende und seligmachende Stimme des Evangeliums dem verzweifelten Herzen recht gelegen. Jetzt schmeckt es gut, von einer ganz unverdienten Gnade für das verlorene, in Verzweiflung daliegende Menschenkind zu hören, jetzt, wo aller Trost zu Ende ist, findet der rechte Trost Raum im Herzen; jetzt beruhigen sich die stürmenden Gedanken, die Qualen und Begierden, und neues Leben, Freude, Friede, Liebe, Vertraulichkeit mit dem Herrn, milde Augen, fröhliche Worte, neue geistliche Kräfte sind jetzt vorhanden.

 

Jetzt ist der Herr da, jetzt verbirgt man das Antlitz über eine so unerwartete Hilfe, eine so unverdiente Gnade, und sagt: „Das hätte ich nimmer gedacht, dass es diesen Weg gehen sollte und dass ich aus lauter Gnade - Gnade empfangen würde, als ich am allerunwürdigsten war.“ Oder man verstummt in seliger Scham über die große Gnade, wie es bei Hes.16 heißt: „Du wirst daran gedenken und dich schämen und vor Schande nicht mehr deinen Mund auftun, wenn Ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht der Herr Herr.“

 

Als Elia bei dem stillen, sanften Sausen die Nähe des Herrn spürte, da „verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging heraus und trat vor die Tür der Höhle“, gleichsam um seine Ergebung in den Willen Gottes, sein „Rede, Herr, denn Dein Knecht hört!“ zum Ausdruck zu bringen. Jetzt erst ist man ein Christ und tüchtig, das Amt des neuen Bundes zu führen, nicht das des Buchstabens, sondern das des Geistes.

 

Jetzt ist auch des Stummen Zunge gelöst zum Lobsingen, zum rechten Bekennen Christi, welche Ordnung auch David ausdrückt: „Ich glaube, darum rede ich; ich werde aber sehr geplagt.“

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Gott sprach: Lasst uns Menschen machen

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.  1. Mose 1, 26

  

In diesem Text ist merkwürdig, dass der Herr sagt: „Lasst uns Menschen machen.“ Hier wird eine Beratschlagung angedeutet. Der Herr sagt nicht: Ich will Menschen machen, oder: Die Erde lasse hervorgehen, sondern: „Lasst uns Menschen machen.“ Alle anderen Geschöpfe wurden ohne eine solche Beratschlagung nur durch ein Gebot der Allmacht erschaffen.

 

Als Gott aber den Menschen erschaffen wollte, wurde eine Beratung abgehalten.

 

Unzweifelhaft waren hier alle drei Gottheitspersonen bei der Beratung. Denn jetzt sollte das Wesen erschaffen werden, das nicht nur einen irdischen, vergänglichen Leib haben sollte, sondern auch eine unsterbliche Seele, die aus Gottes eigenem Geist genommen und für ein ewiges Zusammenleben mit Gott im Himmel gebildet werden sollte. Gott sprach: „Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.“ Da Er dabei in Seiner ewigen Voraussicht des Menschen Fall und all das Verderben und Elend, das daraus fließen würde, voraussah, wollte Er dies bedeutungsvolle Wesen nicht aus Seiner Schöpferhand hervorgehen lassen, bevor Er nicht darüber Rat gepflogen hatte und bevor nicht der Sohn, das ewige Wort, dessen Erlösung auf sich genommen hatte.

 

Der Mensch wurde also in einer ganz anderen Weise als alle, selbst die am weitesten entwickelten Tiere, erschaffen.

 

Als die Tiere erschaffen wurden, hieß es: „Das Wasser errege sich! — Die Erde lasse hervorgehen!“ Hier scheint es, als ob Gott bei ihrer Erschaffung nicht unmittelbar handelte, sondern durch Sein Allmachtswort auf einige in die Natur hineingelegte Kräfte einwirkte: „Das Wasser errege sich! Die Erde lasse hervorgehen!“

 

Als der Mensch erschaffen wurde, durften solche Naturkräfte nicht mitwirken; da wirkte Gott allein und unmittelbar, da war es Sein Werk, zu dem sich alle Gottheitspersonen vereinigten, da hieß es: „Lasst uns Menschen machen!“

 

Der Mensch ist in dieser Weise also weder durch Wasser noch durch Erde geboren, wie manchmal behauptet wird, sondern in einer besonderen und unmittelbaren Weise von Gott erschaffen, „gemacht“.

 

Noch merkwürdiger wird der Umstand, wenn wir den Ursprung der zwei Bestandteile des Menschen betrachten, den Leib und die Seele. Darüber heißt es im 2. Kapitel: „Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und Er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele.“

 

Beachte! Gott machte den Menschen.

 

Er war damit Gottes eigenes Werk und wurde also das vollkommenste Kunstwerk auf Erden. Er machte des Menschen Leib aus Erde zur ewigen Erinnerung daran, dass wir Staub und Erdenwesen sind, weshalb der erste Mensch auch den Namen Adam erhielt, was soviel bedeutet wie „von Erde“, irdisch, das Erdenkind, auf dass wir nie vergessen sollten, wie vergänglich Leib und Zeit sind, und damit wir immer das suchen sollten, was der Ewigkeit angehört.

 

„Und Gott blies ihm einen lebendigen Odem in seine Nase.“ Hoher, edler Ursprung! Die Seele, die unsterbliche Seele, das Ewigkeitskind, das für Zeit und Ewigkeit dazu bestimmt ist, mit Gott zu leben wie ein Engel oder ein Kind mit seinem Vater — sie ist also unmittelbar von Gott gekommen. Die Schrift sagt, dass Gott den Odem, die Seele, in den Menschen blies. Hier müssen wir mit David ausrufen: „Ich danke Dir, Gott, dass ich wunderbarlich gemacht bin!“ So haben wir gesehen, wie sowohl der Leib als auch die Seele, das Erdenkind und das Ewigkeitskind, beide Gottes eigenes besonderes Werk sind.

 

Hierzu kommt noch der andere merkwürdige Umstand, dass Gott den Menschen Ihm zum Bilde schuf. Darauf hatte der Geist des Herrn uns ganz besonders durch eine eigentümliche, ausführliche Wiederholung der Sache aufmerksam machen wollen; denn so lauten die Worte: Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei. — Und Gott schuf den Menschen Ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf Er ihn.“

 

Hier wird mit verschiedenen Ausdrücken wiederholt, dass der Mensch ein Bild Gottes oder ein Bild von Gott sein sollte. Wenn wir dieses Bild Gottes auch in diesem Leben nie recht verstehen können, so ist doch allein schon der Umstand ergreifend, dass gerade der Mensch zum Bilde Gottes erschaffen wurde. Das enthält doch etwas unbegreiflich Großes.

 

Daher konnte auch Gottes Sohn kommen und Mensch, unser Bruder und uns gleich werden.

 

Darum schämt Er sich auch nicht, „uns Brüder zu heißen“. Er kam, um das wiederaufzurichten, was durch den Sündenfall zerstört war. Darum sollen wir auch durch Ihn zu derselben Herrlichkeit kommen, zu der wir bei der Erschaffung bestimmt waren. Durch die neue Geburt und die neue Schöpfung werden wir neue Kreaturen in Christus und „der göttlichen Natur teilhaftig“.

 

Der neue Mensch soll täglich „erneuert werden zu der Erkenntnis nach dem Ebenbilde dessen, der ihn geschaffen hat“. Das Bild Gottes wird aber nicht eher vollkommen in uns wiederaufgerichtet, bevor wir nicht in der Auferstehung neue, unsterbliche Leiber empfangen und bevor nicht Christus in all denen offenbar wird, die da glauben, wie der Apostel Johannes sagt: „Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, dass, wenn es erscheinen wird, wir Ihm gleich sein werden, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist.“

 

 

Es danken Dir die Himmelsheer

O Herrscher aller Thronen,

Und die auf Erden, Luft und Meer

In Deinem Schatten wohnen,

Die preisen Deine Schöpfermacht,

Die alles hat so wohl bedacht.

Gebt unserm Gott die Ehre!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Kenne ich meinen Herrn Jesus und SEIN Wort wirklich?

Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei.  Phil. 3, 12

  

Dr. Swebelius sagt: „Das Gesetz ist von Natur einigermaßen erkannt, das Evangelium aber ist ein Geheimnis, das aller Vernunft verborgen ist.“

Dr. Luther sagt: „Das Evangelium ist der Christen allerschwerste Kunst und höchste Weisheit, worin sie ihr ganzes Leben lang Schüler verbleiben; aber doch widerfährt demselben eben die leidige Plage, dass keine Kunst leichter und so bald ausgelernt zu sein scheint als diese, dass, wenn jemand es einmal gehört oder gelesen hat, wähnt er gleich, Meister und Doktor darin zu sein, und will nun etwas anderes, etwas Neues hören.“

 

Solche eingebildeten Vollgelehrten sollten sich darin wiedererkennen, dass sie nicht oft an das Evangelium denken und nicht bedenken, wie sie Gott und den, den Er gesandt hat, sowie die großen Geheimnisse der Versöhnung immer besser kennenlernen könnten.

 

Auch trachten sie nicht danach, etwas davon zu hören oder zu lesen und dabei Gott um das Licht des Geistes zu bitten, sondern im Gegenteil, wenn etwas recht Evangelisches vorkommt, dann warten sie mit einer gewissen Ungeduld auf den Schluss, um etwas anderes zu erhalten.

 

Solche pflegen auch zu denken und zu sprechen: „Wohl weiß ich, was ich glauben soll, wohl kenne ich die Gnade Gottes, sie ist ein für allemal gegeben, mit dieser Sache ist alles wohl und gut. Aber wie wir sein und was wir tun sollen, daran gibt es genügend zu denken, da fehlt es immer, lasst uns etwas davon hören.“

 

Nun kommen sie gerade deshalb nie zum rechten Tun, zur rechten Lust und Kraft, weil sie nie das kennenlernen, was ihnen vor allen Dingen fehlt, nämlich das Leben, die rechte Bekehrung und der rechte Glaube.

 

Sie empfinden nicht, wie ganz verloren es mit uns und unserem Tun ist; sie sind nie recht an sich selber verzweifelt. Auch haben sie nicht erfahren, was der Glaube besagen will oder was der Glaube und die Gnade wirken; sonst würden sie nicht sagen, dass sie genug davon hätten.

 

 

Dann würden sie, wie das Wort und die Erfahrung lehren, eher denken: Wenn ich nur Gott und Seine Gnade kenne, dann wird wohl Lust und Kraft zum Guten folgen, wie Johannes sagt: „Wer nicht liebhat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.“

 

Kennten sie Gott, will er sagen, dann würden sie wohl lieben, ja brennend werden vor Liebe und Gottesfurcht. Denn Gott ist eine so große und brennende Liebe, dass niemand Ihn kennen kann, ohne von Ihm zur Liebe entzündet zu werden.

 

Und die Liebe ist die Mutter aller guten Werke, die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung.

 

Kurz: Diejenigen, welche wähnen, das Evangelium genügend erfasst zu haben, haben noch nicht die ersten Buchstaben gelernt.

 

Der Apostel sagt: „So sich jemand dünken lässt, er wisse etwas, der weiß noch nichts, wie er wissen soll.“ Dies ist besonders auf die Erkenntnis des Evangeliums anwendbar.

 

Es enthält doch viele Dinge, die mancher nicht zu glauben vermag.

 

Wem es leicht wird, es zu glauben, der sieht gewiss nicht, was es enthält.

 

Zwar meint er, es zu sehen, und er meint es so bestimmt, dass er tausend Eide darauf schwören wollte, aber sein ganzes Wesen leugnet es. Luther sagt sehr wahr: „Wer sowohl recht fassen als auch glauben könnte, was das Evangelium enthält, der würde nicht mehr hier auf Erden leben können, sondern vor überaus großer Freude sterben mögen.“ Wahrlich, man würde nicht so kalt, so starr und ungeistlich sein, wie jene ausgelernten und satten Geister es sind. Es würde nicht so schwerfallen, Christus zu folgen, Christus zu lieben, Ihn zu bekennen und Ihm zu dienen, zu leiden und zu entsagen, wenn man das recht glaubte, was das Evangelium enthält.

 

Aber hier ist eine der Hauptursachen, weshalb viele, obwohl sie immer lernen, doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Jesus sprach: „Niemand kennt den Vater, denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren.“ Wenn der Sohn es einem Menschen nicht offenbaren will, dann ist alles für denselben vergeblich. Eben vorher hatte Christus gesagt, welchen Er es nicht offenbaren wollte: „Du hast solches den Weisen und den Klugen verborgen“, d.h. denjenigen, die meinen, dass sie nur durch ihr Studieren das Evangelium begreifen können. Viele hören und lesen das Evangelium wie eine weltliche Wissenschaft, ohne sich dabei vor Gott zu beugen; Ihm aber hat es gefallen, es solchen zu verbergen.

 

„Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig vor Dir.“ - Paulus war wohl ein Meister, das Evangelium richtig und deutlich zu erklären und auszulegen; aber er meinte nicht, dass es für das Volk genug sei, wenn es nur seine Predigten hörte und seine Briefe las, sondern er sah alles noch so ganz von der „Offenbarung Gottes“, von „Seinem Mitteilen des Geistes der Weisheit und der Offenbarung“ abhängen, dass er Gott unausgesetzt für seine Gemeinden anrief.

 

Es gibt Menschen, die nie nötig haben, Gott so anzurufen und sich vor Ihm zu beugen, die auch nicht fleißig und angelegentlich im Worte Gottes nach der Erkenntnis des Evangeliums suchen, sondern schon genug im Voraus wissen; während doch die größten Heiligen und Glaubenshelden trotz ihres vielen Studierens und Betens bekannt haben, dass sie es noch nicht vollkommen ergriffen hätten, vielmehr demselben nachtrachteten.

 

Wie hängt dies alles zusammen?

 

Ja, wie anders, als dass diese Ausgelernten, die alles genügend zu verstehen meinen, vom Teufel bezaubert, blind und tot sind und jetzt erst die ersten Buchstaben lernen müssen. Möchten sie das beizeiten bedenken!

 

 

Wie schwer ist’s auszulernen,

Was hier auf Erden ist;

Im Nahen und im Fernen,

Was ihr Gelehrten wisst!

Doch ist nicht auszugründen,

Wie schwer die Schule fällt,

Das edle Nichts zu finden,

Das Nichts, das Gott erwählt.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Richte dein Glaubensleben nicht nach der Welt aus

Welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst? - Luk. 9, 25

 

Es ist eine unschuldige Sache, irdische Güter oder Ländereien zu besitzen oder eine Frau zu haben; als Christus aber die Hindernisse darlegen wollte, die vom Reiche Gottes abhalten, nannte Er diese (Luk. 14, 18–24). Vater und Mutter zu lieben, ist nicht nur unschuldig, sondern befohlen. Christus aber spricht: „Wer Vater und Mutter mehr liebt denn Mich, der kann nicht Mein Jünger sein“, kann nicht in das Reich Gottes eingehen. Wenn der Mensch nun in geistlicher Trägheit und Sicherheit einhergeht, wie würde er sich dann vor Begierden fürchten können, die so unschuldige Dinge zum Gegenstand haben? Dann blickt er nur auf die Art des Gegenstandes und denkt: Es ist ja nichts Böses, was ich suche; haben nicht auch die Heiligen irdische Güter, Ländereien oder eine Frau gehabt? Sollte nicht auch ich nach solchem trachten dürfen? Dabei will er nicht darauf achtgeben, ob das Suchen abgöttisch, eigenwillig und selbstisch ist, ob die Sache den Sinn und das Herz so einnimmt, dass Gott, Seine Gnade und Sein Wohlgefallen dem gegenüber ein Nichts werden, zu unbedeutend, um die Seele befriedigen oder erfreuen zu können. Darauf gibt der arme Mensch nicht acht. Er ist nicht aufrichtig genug gegen sich, dies zu untersuchen. Schließlich kommt es so weit, dass er, obwohl er fühlt, wie handgreiflich er von einem Götzen gefangen ist und ganz festgehalten wird, dennoch keinen Widerstand mehr leisten kann. Er will nicht einmal von seiner Liebe dazu befreit sein, und dann — dann sieht es traurig mit dem Gnadenleben aus.

 

Aber der Teufel wendet nicht nur die Dinge an, die in der Welt sind, Augenlust, Fleischeslust usw., um die Seelen der Gläubigen zu fangen, sondern auch die Menschen, die „von der Welt“, „Kinder dieser Welt“ sind. Sie sind die treuen, willigen Diener des Teufels, um die Gläubigen bald mit Feindschaft, Drohungen und Verfolgungen einzuschüchtern, zu hindern oder zu ermüden, bald sie mit Verheißungen, Schmeicheleien und freundlichem Bemühen zu locken und zu ziehen. Gar viele traurige Beispiele gibt es dafür.

 

Da ist ein Handwerker. Er war durch Gottes Gnade gerufen, erweckt und begnadigt worden, war herausgegangen von der Ungerechtigkeit, Eitelkeit und Weltlichkeit und trachtete jetzt nach dem, was droben ist. Nach einiger Zeit aber bemerkte er, dass viele seiner früheren Bekannten sich nicht mehr an ihn wandten, er bemerkte eine Abnahme im Geschäft und in den Einkünften. Bald konnte er nicht mehr aushalten, auf den Herrn zu harren. Er fasste vielmehr den Gedanken, dass es für ihn notwendig sei, die Freundschaft der Welt wiederzugewinnen. Jetzt fing er an, sein Christentum zu verheimlichen, sich der Welt gleichzustellen, sich solchen Christen zu entziehen, die von der Welt verachtet sind und sich zu solchen zu halten, die die Welt gern hat und rühmt, sowie zu besseren Weltmenschen. Kurz: Er fing an, sich so zu stellen, dass die Kinder der Welt nicht argwöhnen sollten, er sei ein anderer als sie, oder dass er mit Besorgnis an ihren Seelenzustand denke. Er fing an, im Kleinen nachzugeben, ihnen zu Willen zu sein und an ihren Zusammenkünften und feineren weltlichen Vergnügungen teilzunehmen. Bald war die Welt freundlich und froh in der Hoffnung, ihn gewonnen zu haben, und bald leitet sie ihn, wohin sie will. Nach einigen Jahren kann er mit der Welt sowohl trinken als auch spielen und alles das tun, was das Fleisch gelüstet.

 

Solch ein unglücklicher Rückfall ins Netz der Welt geschieht aber nicht nur Handwerkern, sondern auch Menschen aus allen Ständen und in allen Verhältnissen — hier einem Kaufmann, dort einem Studenten, hier einem jungen Mädchen, dort einem Prediger. Sie waren zu Jesus gekommen, aber sie konnten es nicht ertragen, sich von der Welt verachtet oder zurückgesetzt, ihren guten Ruf und ihr Auskommen, ihr Brot, ihre Beförderung geschmälert zu sehen. Sie fangen an, danach zu trachten, die Freundschaft der Welt wiederzugewinnen und sich derselben gleichzustellen. Aber denke niemand, dass einer von ihnen dann sprechen würde: Ich bin der Welt gegenüber schwach. Nein, diese traurige Sache wird jetzt bemäntelt mit dem Reden von der Freiheit eines Christen, ja von der Pflicht eines Christen, sich, um der Welt zu dienen, nicht von derselben zu trennen. Nie aber kommt die Stunde, in der dieser Nutzen, dieser Dienst der Welt mit einer ernstlichen Warnung bewiesen wird; denn es muss immer vorsichtig und glimpflich zuwege gegangen werden, dass man nicht anstößt und Ärgernis gibt.

 

Daher kommt es dann, dass die freie, dreiste Welt mehr über das fromme, nachgiebige Kind herrscht als dieses über jene. Und wenn der arme Mensch nicht beizeiten hierauf achtgibt, aufbricht, „hinausgeht und bitterlich weint“, sondern fortfährt, „am fremden Joch mit den Ungläubigen zu ziehen“, dann wird er schließlich ein Knecht unter diesem Joch, unter der Welt und der Menschengunst. Die geistliche Gnadenkraft ist verschwunden, die Freundschaft mit Gott ist aufgehoben — denn „der Welt Freundschaft ist Gottes Feindschaft“ —, und das Band zwischen den Gläubigen ist zerrissen, wie ja immer das eine aus dem anderen folgt: „Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen.“ Und wenn man nun den Christen und den Büchern aus dem Wege geht, die das Urteil über einen solchen Zustand verkündigen, dann fällt man mehr und mehr der Verhärtung anheim, was zudem in der Natur eines jeden Abfalls liegt.

 

Wach und bete recht, werd’ nicht Satans Knecht,

Lass dich von der Welt nicht kaufen!

Wonach ihre Kinder laufen,

Ist nur Eitelkeit. Wach und bet’ allzeit!

 

Ach verscherze nicht dein Erbteil im Licht!

Halt dich an die Schrift und wache,

Dir selbst und der Welt entsage,

 

Dein Erbteil am Licht, ach verscherz es nicht!

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässest. Offb.2,4

 

Zuerst erkennen wir hier bei allem Ernst die große Gnade, dass Christus unsere Liebe haben will.

 

Er fragt nach unserer Liebe, Er will uns nicht nur zu Dienern, sondern auch zu Freunden haben.

 

Er ist nicht zufrieden, wenn Er nur unsere Werke erhält, sondern Er will auch von uns geliebt sein.

 

Er will nicht nur unseren Dienst, sondern auch die Liebe unseres Herzens haben.

 

Zum anderen sehen wir hier, dass mancher in allem, was zur äußeren Beweisung des Christentums gehört, einer der vornehmsten Christen sein kann, während in seinem Herzen das eigentliche Leben, der Kern und die Hauptsache fehlen.

 

Viele, die dies jetzt lesen, nehmen hierdurch ihr Urteil in den Mund. Sie werden nämlich in demselben Zustand erfunden werden wie der Lehrer zu Ephesus; sie haben alles, was zur Gottesfurcht gehört, nur die erste Liebe fehlt. Jemand ist ein erleuchteter Christ, ein Bruder unter Brüdern und recht aus Gott geboren. Christus kann von seiner ersten Liebe zeugen. Er hat hernach immer seine Gottesfurcht bewiesen.

 

Ja, er lebt nicht nur fromm und übt täglich gute Werke, sondern er arbeitet auch um Jesu willen und erduldet sogar Verfolgung. Er ist außerdem so standhaft und so treu, dass er nicht ermüdet, sondern darin fortfährt und Geduld hat und tut das alles bei so geistlichem Lichte, dass er die falschen Geister von den rechten zu unterscheiden weiß, die Werke der Nikolaiten hasst, welche auch der Herr hasst usw. - Sollte ein solcher nicht beruhigt sein, dass alles mit ihm wohl stehe? Jesus sagt hier etwas anderes.

 

Aller dieser guten Eigenschaften ungeachtet kann der Herr Christus dennoch zu dir sagen: „Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässt.“

 

Wenn diese erste Liebe und ihre Werke nun bei dir ausgestorben sind, so ist dies eine höchst bedenkliche Sache.

 

Hier muss nun aber wegen der zaghaften und bangen Herzen der Gläubigen bemerkt werden, dass man zwischen der ersten Liebe und den ersten Empfindungen genau unterscheiden muss.

 

Beachte! Außer der Liebe, die bei dem zurückgekehrten Sohn entstehen musste, als der Vater ihn so unverdient mit einem so brennenden Herzen umfasste, sagt Christus, dass auch ein Freudenfest angerichtet und unter Gesang und Reigen ein gemästetes Kalb gegessen wurde. Dieses Freudenfest und ein solches Leben konnten nicht täglich stattfinden. Danach musste der Sohn an der Arbeit teilnehmen und alltägliche Kost genießen. Ist dies nicht ein Beispiel für Gottes Regierung mit Seinen Kindern? Zuerst eine liebliche Zeit seliger Gefühle, wo ein Johannes an der Brust Jesu liegen und eine Maria Magdalena Ihn anrühren und Sein liebliches Angesicht sehen darf, - jetzt können die Hochzeitsleute nicht fasten.

 

Aber „der Bräutigam wird von ihnen genommen werden, und dann werden sie fasten“.

 

Dann kann Johannes nicht mehr an der Brust Jesu liegen, dann darf Maria Ihn nicht mehr anrühren. Das müssen alle Christen erfahren. Luthers Worte bewahrheiten sich: „Je nachdem der Glaube zunimmt, nehmen die Gefühle ab.“ Dies muss immer von der ersten Liebe unterschieden werden.

 

Aber worin besteht diese erste Liebe denn?

 

Hier müssen wir darauf achtgeben, wodurch sie entstand, worin sie bestand und wovon sie abhing. Sie entstand nur dadurch, dass „viele Sünden vergeben wurden“. Sie bestand eigentlich darin, dass der Heiland wegen der Sündennot unentbehrlich und wegen der Vergebung der Sünden so lieblich und teuer wurde. Hiermit ist die Hauptsache ausgesprochen: Der Heiland ist unentbehrlich und teuer. Wo die Sünde überströmt, ist die Gnade doch viel überschwänglicher. Und schließlich kann man im Himmel und auf Erden nichts anderes so teuer halten als den Heiland, von dem all diese Gnade kommt. Und diese Liebe ist umso stärker, je nachdem der Heiland mir unentbehrlicher und kostbarer ist, wenn auch mein Gefühl schwächer ist.

 

Beachte dies, und du kannst zwischen der ersten Liebe und den ersten Empfindungen unterscheiden. Das verstehen die nicht, deren Christentum nur in zufälligen Gefühlen besteht. Diejenigen aber, denen nicht nur die Sünde, sondern auch die Gnade eine große Wirklichkeit ist, verstehen es.

 

Wenn wir die Worte Christi an jenen Lehrer zu Ephesus im Zusammenhang betrachten, merken wir, dass der Herr sagen will: Deine Werke, deine Arbeit um Meines Namens willen, dein Leiden, deine Geduld und dein Licht, deine Gabe, die Geister zu prüfen, ja noch mehr, das Wohl Meiner Gemeinde, die Förderung Meines Reiches, die Reinheit Meiner Lehre, alles das ist dir teuer und wichtig. Nur Ich, als dein Fürsprecher und Versöhner, bin dir jetzt weniger wichtig, nur Ich und Meine Werke, Ich in dem blutigen Gewande Meiner Versöhnung bin dir jetzt nicht so unentbehrlich und teuer wie zu der Zeit unserer Vereinigung.

 

Du bedarfst jetzt nicht, wie damals, als ein Sünder zu meinen Füßen zu liegen und um die Früchte Meiner Werke, um das Verdienst Meines Blutes, um die Vergebung der Sünden zu betteln. Deine eigenen guten Werke, dein herrliches Christentum, deine nützliche Wirksamkeit, das alles ist dir jetzt genug.

 

Das meinte Christus, als Er so ausführlich die Verdienste dieses Mannes aufzählte und hinzufügte: „Aber Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässest.“

 

Ach prüfe, Herr, mein armes Herz,

Du kannst es, Du allein!

Dein lass es sein in Freud und Schmerz,

Bleib Du auch ewig mein.

Du löstest mich aus Satans Band,

Bevor ich Deine Gnad’ verstand.

Ach lehre mich, zu lieben Dich;

 

Ich weiß, Du liebst auch mich.

Entnommen aus dem Buch von Mag. Olof Rosenius – ‘‘Tägliches Seelenbrot‘‘

(herausgegeben von LUTH. MISSIONSVEREIN SCHLESWIG-HOLSTEIN E.V. http://www.rosenius.de) 

Wiedergeburt und Glaube

Siegeskraft zum Überwinden der Welt

Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.  1. Joh. 5,4

 

Das elfte Kapitel des Briefes an die Hebräer lehrt, was die Alten durch den Glaub