Der alte Mann und eine lebendige Gemeinde 


Rolf Müller


„In unserer Gemeinde ist doch nichts los! Wir sind  ein lebloser, kalter und langweiliger Haufen! Kein Wunder, wenn sich die Leute abwenden und eine lebendigere Gemeinde suchen!“  


Solche Vorwürfe können  wehtun. Und manchmal sind sie nicht einmal völlig aus der Luft gegriffen. Wer von uns hat sich nicht schon mal nach mehr Leben im Gottesdienst gesehnt? Nach mehr geistlicher Vollmacht und Ausstrahlungskraft? 


Um aus diesen „eingefahrenen Gleisen“ herauszukommen, hat der alte Mann schon die verschiedensten Hinweise und Vorschläge gehört. Unter anderem: Die Bibellese und die Gebete könnte man interessanter machen, wenn man sie mit leiser Klaviermusik unterlegt. Wenn man die Gebete tanzt, statt nur zu sprechen, ist gleich mehr Aufmerksamkeit da. Die Predigt nimmt einen zu großen Raum ein. Wenn man sie entsprechend kürzt, gewinnt man mehr Zeit für Lobpreis und Anspiele. Man könnte die Predigt mit Lasereffekten und Videos aufmöbeln. 


Das sind alles menschliche Bemühungen, die zwar unterhaltsam sein können, aber mehr geistliche Vollmacht erreicht man damit nicht. Wollen wir Schafe weiden oder Böcke belustigen? 


Als Glieder unserer Gemeinde gehören wir zum Leib Christi. Wenn wir Mängel feststellen, ist es richtig, sie anzusprechen. Aber das geht nicht, wenn wir unbeteiligte Zuschauer sein wollen. Nur als Betroffene und Beteiligte können wir dazu beitragen, dass sich etwas ändert. Wir sind mitverantwortlich für den Zustand unserer Gemeinde. Der Mangel in einer Gemeinde kann nicht durch spektakuläre „Kinkerlitzchen“ ausgefüllt und behoben werden. Da ist Buße und neuer Gehorsam jedes einzelnen Gläubigen gefragt. 


Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit. Ein Glied des Leibes Christi ist mit dem Haupt verbunden. Da kann man sich nicht einfach ausklinken. Da kann man sich nicht einen neuen Leib suchen, der einem besser zusagt. Da kann man nicht wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte flattern. Eine Gemeinde mit flatterhaften Christen ist kein gutes Zeugnis für den Herrn. Wie gut es dem Leib geht, das liegt auch an den Gliedern. 

Erneuerung geschieht immer über Buße und Zerbruch des Einzelnen. Nur so wird Gemeinde erneuert. 


Die heutigen Gemeinden stehen in der Gefahr, auf lügenhafte Zeichen hereinzufallen. Sie lassen sich vom Kreuz wegführen. Sie wenden sich vom Wort Gottes ab hin zum Bild. Sie wenden sich vom Unsichtbaren hin zum Sichtbaren. Sie wechseln vom Glauben zum Schauen. Gottes Wort genügt nicht. Man will etwas fühlen und erleben. Das Zeitliche rückt in den Mittelpunkt. Die fleischlichen Christen vernachlässigen das Ewige. 


Die Basis einer Gemeinde ist die vollständige Bibel. Die Kraft     der Gemeinde ist das Wort Gottes. Im Wort werden wir in der Gnade und der Erkenntnis wachsen. Unser Glaube gründet sich auf das Wort. Der Herr Jesus sagt: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“ Er sagt nicht: „Wer Augen hat, der sehe!“ Wir brauchen eine ungebrochene Stellung zur Bibel. Dann haben wir einen wirksamen Schutz gegen falsche Geister. Gott hat seinen Segen und die Erfüllung mit dem Heiligen Geist an sein Wort gebunden. Alles, was über das Wort hinaus geht oder daran vorbeiführt, das ist Verführung.


Gott ist gegenwärtig.                         

Lasset uns anbeten                           

und in Ehrfurcht vor ihn treten.                   

Gott ist in der Mitte.                              

Alles in uns schweige                        

und sich innigst vor ihm beuge.        

Wer ihn kennt, wer ihn nennt,           

schlag die Augen nieder;                

 kommt, ergebt euch wieder. 


Gott ist gegenwärtig,                         

dem die Cherubinen                      

Tag und Nacht gebücket dienen.   

Heilig, heilig, heilig                          

singen ihm zur Ehre                              

aller Engel hohe Chöre.                    

 Herr, vernimm unsre Stimm,                      

da auch wir Geringen                           

unsre Opfer bringen. 


(Gerhard Tersteegen).