Taufwiedergeburtslehre

Hier wird gelehrt, dass im Rahmen einer Taufe (bzw. einer als „Taufe“ verstandenen rituellen Handlung) die geistliche Wiedergeburt erfolgt und man dadurch ein Christ geworden ist. Viele Pfarrer in katholisch und evangelisch geprägten Kirchen vertreten diese weit verbreitete Ansicht, wobei der Glaube nicht völlig ausgeblendet wird. Jedoch wenn der Säugling „getauft“ worden ist – so liest und hört man immer wieder – ist er aufgrund einer sakramentalen Gnaden-Eingießung „Christ“ und wurde für den Himmel gewonnen.

Die Römisch-Katholische Kirche lehrt ausdrücklich die Taufwiedergeburt und betrachtet die katholische „Taufe“ als Sakrament des Eintritts in die Kirche (Initiation). Die „Taufe“ besitzt in der katholischen Lehre eine grundlegende Bedeutung. Ihr werden viele Wirkungen zugeschrieben, die sich im Neuen Testament auf den persönlichen Glauben beziehen. So heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK):

Durch die Taufe werden wir von der Sünde befreit und als Söhne Gottes wiedergeboren; wir werden Glieder Christi, in die Kirche eingefügt und an ihrer Sendung beteiligt: „Die Taufe ist das Sakrament der Wiedergeburt durch das Wasser im Wort.“ (KKK Nr. 1213).

Da die „Taufe“ als Initiationsritus (Einweihungshandlung) verstanden wird, ist es selbstverständlich, dass für Katholiken die sogenannte Säuglingstaufe als Regelfall gilt:

Die Kirche und die Eltern würden dem Kind die unschätzbare Gnade vorenthalten, Kind Gottes zu werden, wenn sie ihm nicht schon bald nach der Geburt die Taufe gewährten (KKK Nr. 1250).

Ähnlich schreibt leider Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus:

Was gibt oder nützt die Taufe? Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tode und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten.

Diese Lehre ist aber ein gefährliches und sehr zeitgemäßes Ruhekissen, weil dieser Irrtum in Kirchen landauf landab verkündet wird und unzählige Menschen in falscher Sicherheit gewiegt werden. „Wenn ich als Kind getauft bin, bin ich ja ein Christ und komme in den Himmel“ – so heißt es dann.
In Markus 16, 16 steht jedoch geschrieben:

Markus 16, 16
Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

Ohne Glaube gibt es keine Rettung. Der Glaube steht zuerst – und dann folgt die Taufe im biblischen Sinn. Im Neuen Testament wird durchgehend Folgendes bezüglich des Verhältnisses von Glaube und Taufe deutlich:

Die klare Reihenfolge im Neuen Testament lautet: erst Glaube, dann Taufe. Man lese hierzu Markus 16,16 (s.o.) sowie folgende Bibelstellen:

 

Apostelgeschichte 2, 38.41; 8, 12f.36-38
Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes … Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen … Als sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen. Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen.

 

Vgl. auch Apostelgeschichte Kapitel 8, die Verse 26-39, ebenso Apostelgeschichte 9,18; 10,43-48; 18,8; 22,16; Galater 3,26f. u.a.. Es gibt im Neuen Testament keinen einzigen geschilderten Fall, wo zuerst jemand getauft wird und danach erst zum Glauben kommt! Getauft werden nur Menschen, die über ihr altes Leben Buße getan und Jesus Christus als ihren Erlöser und HERRN angenommen haben.

Die christliche Taufe symbolisiert das Sterben des alten Menschen im Wasser (Taufgrab) und das Auferstehen des neuen, durch den Glauben erretteten Menschen (vergleiche das Vorbild der Arche in 1. Petrus 3,20f. sowie Römer 6,3ff. und Kolosser 2,12).

Aus diesen klaren Grundlehren der Heiligen Schrift ergibt sich die Folgerung, dass auch die sogenannten „Haustaufen“ in der Apostelgeschichte und in 1. Korinther 1,16 diese Kennzeichen tragen, zumal dabei ausdrücklich erwähnt wird, dass den Täuflingen vorher das Evangelium verkündigt worden ist und sie zum Glauben gekommen sind:

 

Apostelgeschichte 16, 32; 18, 8
Und sie sagten ihm das Wort des HERRN und allen, die in seinem Hause waren  Krispus aber, der Synagogenvorsteher, kam mit seinem ganzen Hause zum Glauben an den HERRN; und viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen

 

Also auch hier die Reihenfolge: erst bußfertiger Glaube aufgrund der Wortverkündigung – und dann erst Taufe.

Ferner ergibt sich aus den klaren Grundlehren des Neuen Testaments die Folgerung, dass in Matthäus 28,19-20 die Jünger aus allen Völkern (und nicht die Völker als Gesamtheit!) gemeint sind, die – nachdem sie zu Jüngern geworden sind – getauft und weiter im Glaubensleben unterwiesen werden:

 

Matthäus 28,20
Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

 

Gemeinde Jesu ist im Neuen Testament durchgehend Jüngergemeinde – und nicht Volkskirche! Es können keine Völker getauft werden. Früher wurde solches zum Teil mit dem Schwert erzwungen. Das kann aber nicht unsere Erkenntnis aus der Heiligen Schrift sein, dass wir ganze Völker taufen oder christianisieren könnten. Die Bekehrung ist immer ein individuelles Ereignis durch die persönliche Wiedergeburt aus Wasser und Geist.

Was bedeutet „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“? Jesus Christus spricht:

 

Johannes 3, 5
Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir, es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen

 

Manchmal wurde behauptet, hier sei das Taufwasser gemeint. Doch das Wasser ist ein Symbol für die Reinigung gemäß Hesekiel 36, 24-27, wo Gott der HERR spricht:

 

Hesekiel 36, 24-27
Denn Ich will euch aus den Heiden holen und euch aus allen Landen versammeln und wieder in euer Land führen und will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet. Von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will Ich euch reinigen. Und Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will Meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in Meinen Geboten wandeln und Meine Rechte halten und danach tun.

 

Der Mensch muss durch das Wasser gereinigt werden, durch das Wasser, das geistlich gesehen aus dem Leib Jesu fließt, und dann zugleich mit Seinem Geist erfüllt werden. Und hierfür ist die Taufe ein Symbol – nicht im Sinne einer Taufwiedergeburt, sondern der Mensch bekehrt sich zuerst, wird wiedergeboren durch Gottes Geist – und danach ist die äußere Taufe ein Zeichen dessen, dass er sich zuvor hat reinigen lassen durch das Wasserbad des Wortes (Titus 3, 5).

Die Herzensbeziehung zu Jesus Christus ist das entscheidende Kennzeichen eines errettenden Glaubens – die äußeren Formen können sich durchaus unterschiedlich zeigen. Rettender Glaube ohne Taufe ist möglich, denn auch der Schächer am Kreuz konnte nicht mehr getauft werden, wurde aber errettet (Lukas 23, 40-43), aber Taufe ohne Glaube bringt den Menschen nicht zur Wiedergeburt.

Im Hinblick auf etwaige andere Erkenntnisse möchte ich darauf hinweisen, dass es auf jeden Fall ein gefährliches Ruhekissen ist, wenn man von einer Taufwiedergeburt ausgeht und behauptet, schon der „getaufte“ Säugling sei ein Christ, die Sünden seien ihm weggenommen usw. Das, was unser Volk geistlich lähmt, ist die Tatsache, dass viele Menschen meinen, sie seien gute Christen, nachdem sie als Säuglinge mit Wasser begossen worden sind. Das reicht aber nicht aus und ist sogar eine Fehldeutung der Heiligen Schrift. Vielmehr geht es darum, dass der lebendige, persönliche Glaube an Jesus Christus im Zentrum stehen muss.

Lothar Gassmann

Quelle: http://hauszellengemeinde.de/drei-betaeubungsmittel-fuer-die-endzeitliche-christenheit/