Der menschliche Wille, das ist der Hochmut
Fritz Binde


Der menschliche Wille, das ist der Hochmut. Der menschliche Eigenwille erträgt Gott nicht. Er flieht Gott. Er widerspricht Gott. Er erhebt sich gegen Gott … Und der fromme Eigenwille als frommer Hochmut ist ganz gleichen Wesens. Er ist der anmaßendste Hochmut, den es auf Erden gibt, denn er bedient sich Gottes gegen Gott. Am widerlichsten aber ist die Demut, in der sich der Hochmut spiegelt.

Das gefallene, verdorbene Menschenherz mag es anfangen, wie es will, es kommt nicht über sich selbst und damit nicht über den Eigenwillen, Zwiespalt und Hochmut gegen Gott und Menschen hinaus, Eigendünkel, Geburtsdünkel, Standesdünkel, Berufsdünkel, Tugenddünkel, Gelddünkel, Besitzesdünkel …, ja sogar Einfaltsdünkel sind der vielfältige Ausdruck der immer gleichen närrischen Selbstverliebtheit, in der die eigenwillige Ichgröße sich als Hochmut offenbart und gebärdet …

So hilft denn nichts zur Demut als allein die heilige Einfalt. Nur die ungeschmälerte Anerkennung des Rechtes Gottes als meines Schöpfers an mich, als meines Erbarmers in Christus Jesus und meines Vaters im Sohn entreißt mich mir selbst. Nur die rücksichtslose Abkehr von mir selbst, nur die bedingungslose Preisgabe meiner selbst, nur die rückhaltlose Hinkehr zu Gott in Christus, nur durch den Heiligen Geist bewirkte und versiegelte Übergabe an Gott, nur die glaubensgehorsame, immer neue Überlassung an Gott, nur der unentwegte Wandel mit Gott, nur die ichverlorene Ruhe in Gott bieten insgesamt Gewähr für wahrhaft geistgewirkte Demut.

Fritz Binde, Die heilige Einfalt, Linea Verlag, Bad Wildbad, 2013, S.124-125.