Zurück zu den Wurzeln von Weihnachten

von A.W. Tozer

 

Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen (Matthäus 20,28)

 

Die Art, wie wir heute Weihnachten feiern, braucht dringend eine radikale Erneuerung. Was ursprünglich ein spontaner Ausdruck einer unschuldigen Freude war, ist zu einem Zerrbild verkommen. Um nur ein Beispiel zu nennen: In einem Stadtviertel von Chicago veranstalten begeisterte Anwohner jedes Jahr einen Wettstreit um den größten, farbenprächtigsten und vulgärsten Christbaum. Und dann stehen da die grell geschmückten Prachtexemplare auf Veranden, auf Rasenflächen in Vorgärten, am Straßenrand, und ein riesiger, in knalligen Farben gekleideter, kalt, aber entschlossen lächelnder Weihnachtsmann treibt eine hell leuchtende Herde Rentiere über den Vorgarten bis zum Hausdach hinauf.

 

Wie weit haben wir uns entfernt von der Ehrfurcht der einfachen Hirten, dem Gesang der Engel und der Schönheit der himmlischen Heerschar! Heute könnte der Stern von Bethlehem keinen weisen Mann mehr zu Jesus führen, denn er wäre nicht mehr zu erkennen neben den Millionen künstlichen Lichtern, mit denen die Geschäftsstraßen werbewirksam beleuchtet werden. Kein Engel könnte mit seiner Stimme die plärrende, ohrenbetäubende Weihnachtsmusik übertönen. Schließlich müssen die Läden mit "Stille Nacht" genug Kunden anlocken.

 

Mit unserem maßlosen Materialismus haben wir Schönheit in Asche verwandelt, jedes erhebende Gefühl in den Schmutz gezogen und das heiligste Geschenk, das die Welt jemals empfangen hat, zu einer Handelsware gemacht. Jesus Christus kam, um uns Frieden zu bringen, aber wir feiern sein Kommen, indem wir jedes Jahr mehrere Wochen lang Frieden unmöglich machen. Die Weihnachtszeit ist nicht von Frieden geprägt, sondern von Anspannung, Ermüdung und Ärger. Jesus kam, um uns von unserer Schuld zu befreien, aber viele von uns stürzen sich jedes Jahr in hohe Schulden, um überteuerte Luxusartikel zu kaufen für Leute, die das gar nicht zu schätzen wissen. Jesus kam, um den Armen zu helfen, aber wir besorgen Geschenke für Menschen, die schon alles haben. Kleine Gesten als Ausdruck der Liebe sind verdrängt worden von teuren Gegenständen, die wir kaufen, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen. In einer solchen Zwangslage ist nicht die Schönheit unseres Herrn und Gottes zu erkennen, sondern die Hässlichkeit und Missgestalt unserer Sünde.

 

Eine besonders schädliche Form des Missbrauchs, der mit der Weihnachtszeit getrieben wird, ist in Amerika der Weihnachtsmann. Er hat Jesus Christus aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt und ist zur Hauptfigur des Weihnachtsgeschehens geworden, vor allem für Kinder.

 

Der moralische Wert von Märchen wird zwar von ernsthaften, christlichen Eltern infrage gestellt, aber meiner Meinung nach sind solche Erzählungen relativ harmlos, weil sie als erfundene Geschichten vermittelt werden und es dem Kind durchaus bewusst ist, dass es sich dabei um Produkte der Fantasie handelt. Beim Weihnachtsmann ist das jedoch nicht der Fall. Kindern wird eine Lüge als Wahrheit verkauft, und das auch noch in den wichtigsten Jahren ihrer Entwicklung.

 

Was können wir als Christen angesichts solcher Auswüchse tun? Wir sollten wieder Werte wie Bescheidenheit und Genügsamkeit pflegen und uns auf das konzentrieren, worauf auch die Bibel ihren Fokus richtet: auf Jesus Christus, der zur Rechten Gottes sitzt, und nicht auf das Kind in der Krippe. Außerdem sollen wir zur Schlichtheit und Einfachheit in Christus zurückkehren und aus unseren Gemeinden jeden unbiblischen, von Rom übernommenen Prunk entfernen. Wir sollten die Bibel zu unserer Richtschnur machen und uns nicht dazu zwingen lassen, uns an ein im Namen Jesu praktiziertes Heidentum anzupassen.

(aus "Vom Himmel her" 20. Tag - Andachten für die Adventszeit von A. W. Tozer)