AKTUELLES - ZEITGESCHEHEN

Informationen über KI, Coronakrise

und weitere antichristliche Szenarien


an dieser Stelle einmal etwas zum FERNSEHEN - auch immer noch aktuell

Gottes Wort spricht:

 

Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. (1. Joh. 2,15-17)

von Missionsdienst-Wegbereiter.de


Artikel aus Zeitruf 2024-01


Zeitgeschehen

KI – Der Aufstieg eines neuen Gottes

Elon Musk sagte: «Mit künstlicher Intelligenz beschwören wir den Dämon.» – Wie weit wir heute sind, was der «Homo Deus» und das menschliche Leiden damit zu tun haben.

Lesezeit: 25 Minuten

 

In den letzten 60 Jahren haben sich gewaltige gesellschaftliche Veränderungen vollzogen. Besonders bedeutsam sind sie auf dem Gebiet der Religion. Der alte Glaube, der die Gesellschaft unserer Vorfahren prägte, und der neue Glaube, der sich in unserer Zeit ausbreitet, haben etwas gemeinsam: Sie erkennen das Leiden auf Erden und verheissen Rettung. Aber gerade beim Thema Leiden gibt es auch einen fundamentalen Unterschied zwischen dem alten Evangelium und dem neuen Glauben. Man kann darüber streiten, ob man die heutige Geisteshaltung Glauben nennen sollte oder nicht. Fakt ist, auch der moderne Atheist hat Objekte oder Entitäten, in die er sein Vertrauen setzt. In der Regel sind das: Er selbst, die Menschheit, die Wissenschaft und die Technik.

Im ersten Teil dieses Essays stelle ich diesen neuen Glauben vor. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Glauben an die Künstliche Intelligenz. Im Silicon Valley gab es bis 2021 sogar eine Kirche der KI, die sich The Way of The Future – The First Church of Artificial Intelligence nannte. Dort instruierte der ehemalige Google-Manager Anthony Levandowski seine Versammlung in der Anbetung von Servern, Robotern und Algorithmen. Viele Gläubige der globalen KI-Gemeinde glauben, dass die Menschheit durch die Künstliche Intelligenz das Leiden auf Erden überwinden oder zumindest verringern kann. Ob bewusst oder unbewusst: Ein Grossteil der Menschheit glaubt daran, dass die Architekten dieser schönen neuen Welt einen guten Plan haben, der auch ihr persönliches Wohlbefinden berücksichtigt.

Im zweiten Teil dieses Essays betrachten wir den alten Glauben, insbesondere Lukas 24,45-46. In diesen bedeutsamen Versen offenbart Gott ein Geheimnis in Bezug auf das Leiden.

 

Yuval Noah Harari

Einer der wirkmächtigsten Evangelisten des neuen Glaubens ist Yuval Noah Harari. Er wird «Weltstar unter den Historikern» und «erfolgreichster Sachbuchautor der Gegenwart» genannt. Der Philosoph hat drei Weltbestseller geschrieben: Eine kurze Geschichte der Menschheit – über die Vergangenheit, Homo Deus – über die Zukunft und 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert – über die Gegenwart. Sein Fanclub besteht nicht aus Fischern oder einfältigen Leuten, sondern die Klügsten unter den Klugen sind seine Leser. Es sind Politiker wie Barack Obama, Emmanuel Macron, Angela Merkel und Sebastian Kurz, es sind Unternehmer wie Mark Zuckerberg, Bill Gates und Elon Musk. In seinen Sachbüchern beschäftigt er sich mit den existentiellen Fragen des Lebens: Wer ist der Mensch? Wo kommt er her? Wie findet er Heil? Wohin geht er?

 

Ein Vorbild

Interessanterweise treiben Harari ähnliche Fragen um wie das Christentum – und er lehrt Tugenden, die unter Christen hohes Ansehen geniessen, beispielsweise Gelehrsamkeit, Ehrlichkeit oder Beharrlichkeit. Seine Lieblingstugend scheint die Demut zu sein, zu der er seine Leser immer wieder auffordert. Er wünscht sich, dass sich alle ein Beispiel an der Wissenschaft und ihrer Demut nehmen. Weil sie zugibt, nicht viel zu wissen, kann sie sich immer wieder frisch motivieren und zu neuen Entdeckungen aufbrechen. Demut bedeutet für ihn auch die Verleugnung der alten «Mythen» – und damit die Schriften der monotheistischen Religionen im Allgemeinen und die biblische «Erzählung» von Schöpfung, Sünde, Rettung und Gericht im Besonderen.

Als Universalgelehrter hat Harari eine gute Portion davon abbekommen, was die Bibel menschliche oder irdische Weisheit nennt. Die grossen Themen unserer Zeit hat er ebenso gründlich wie dynamisch analysiert, und intensiver als die meisten. Er verfügt nicht über auswendiggelerntes Spezialwissen, sondern besitzt die Fähigkeit, verschiedene Wissensgebiete miteinander zu verknüpfen, sowie komplizierte Sachverhalte mit einfachen Worten auf den Punkt zu bringen. Vielen Lesern suggeriert das: Der ist klüger als wir, dem vertrauen wir.

Im Privaten orientiert sich Harari an ambitionierten Verhaltensstandards und unterwirft sich rigider Selbstdisziplin. Er ist gleichzeitig Moralapostel und moderner Mönch. Statt billige Lügen zu verbreiten, postuliert er lieber unbequeme Wahrheiten. Bei seiner Interpretation der Menschheitsgeschichte stützt er sich auf das, was an den Universitäten gelehrt wird; bei seiner Vision über die Zukunft der Menschheit geht er nicht über das hinaus, was man in Wissenschaftskreisen diskutiert. Und doch plaudert er über sein grosses Thema, den Homo sapiens, auf eine unverschämt konfrontative und aufregend innovative Weise. Das grosse Spektrum an Randthemen, das er anpackt, kommentiert er mit dialektischer Korrektheit und jenseits seiner persönlichen Präferenz. Seinen Lesern imponiert das: Der ist richtig ehrlich, dem glauben wir.

Harari ist Meister der Provokation und redet niemandem nach dem Mund. Herausforderungen ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Bücher. Er ist ein ausgesprochener Querdenker, aber einer, dem der Mainstream folgt. Seine häufig zitierte Demut hält ihn nicht davon ab, seine intellektuelle Überlegenheit in absolute Glaubenssätze zu transponieren: So bezeichnet er den Monotheismus als Gehirnwäsche und Jesus Christus als Fake News1 – er sei weder auferstanden noch Gottessohn. Manche Gelehrte mögen ein ähnlich breites Wissen haben wie er, andere mögen so genial verknüpfen können wie der Erfolgsautor, aber welcher Sprecher der Intelligenzija hat den Mut, so unverhohlen seine Gedanken auszudrücken wie Harari? Die technisch-kulturellen Entwicklungen, die sich heute von der US-Westküste auf den Globus ergiessen, läuten ein neues Zeitalter ein, das dem entspricht, was wir vor einigen Jahrzehnten noch Science-Fiction nannten. Was wir heute erleben, sind nur die Anfänge, wissen diejenigen, die die Bücher der Zukunftsexperten studiert haben. Harari hat sie studiert. Fragt man die IT-Architekten aus dem Silicon Valley nach den Aussichten des Homo sapiens, bekommt man meist wohlüberlegte Antworten, aber so ganz heraus mit der Sprache, wohin die Reise gehen soll, kommen sie nicht. Liest man dagegen Harari, wird man mit Charme und Witz vor den Kopf gestossen und bekommt reinen Wein eingeschenkt. Die Zukunft der Menschheit, das bedeutet für ihn lauter Risiken und Chancen. In komprimierter Form kann seine Philosophie so beschrieben werden: Die Menschheit setzt auf Technik und schafft sich ab … Die Menschheit evolviert zum Homo Deus und kontrolliert den Kosmos … Die Menschheit schafft das Leiden ab und lebt im Erdenparadies. Das Schweizer Nachrichtenportal Watson kommentiert sein Buch Homo Deus folgendermassen:

«Auf dem Weg zu einem gottähnlichen Wesen, das den Tod überwindet und das Glück maximiert, schafft sich der Homo sapiens damit quasi selbst ab. ‹In ihrem Streben nach Gesundheit, Glück und Macht werden die Menschen ganz allmählich zuerst eines ihrer Merkmale, dann noch eines und noch eines verändern, bis sie schliesslich keine Menschen mehr sind›, stellt Harari fest.»2

Hararis progressiver Fangemeinde gefällt seine Art: Der hat Power, den stärken wir.

 

Neuer Heiland aus Jerusalem?

Der grosse Lehrer unserer Zeit lehrt ausgerechnet in der Stadt des grössten Lehrers aller Zeiten: Während vor 2000 Jahren Jesus auf Golgatha unsere Erlösung bewirkte, verkündigt Professor Harari heute an der Hebräischen Universität Jerusalem seinen Rettungsplan für die Menschheit. Wie ein moderner Chatroboter präsentiert er seine Meinung zu aktuellen Themen durch eine Mischung aus Pro- und Kontra-Argumenten. Bei einem Thema weicht er allerdings von diesem Schema ab: Wenn er die monotheistischen Religionen erwähnt, hat er für diese nichts als Verachtung übrig. Sie sind, wie er weiss, ein wesentlicher Grund für das Leiden auf dieser Erde. Ganz besonders intensiv ist seine Aversion gegen die jüdische Religion seiner Vorväter und das biblische Christentum, was mit seiner Homosexualität zu tun haben könnte.

 

Leben ohne Leiden

Als Schwuler hat Harari sich geoutet, als Buddhist noch nicht. Doch zeigt er grosse Verehrung für die Lehren Buddhas und die nach ihm benannte atheistische Naturreligion. Hararis Vision ist gross wie die des Gautama. Es geht ihm um nicht weniger als die Rettung der Menschheit aus dem Leiden. Wie der Buddhismus glaubt Harari: Leiden ist real … Leiden hat eine Ursache … Leiden kann überwunden werden … Leiden überwindet man durch rechte Praxis. Für Buddhisten hat die Erlösung aus dem Leiden mit dem Überwinden der Begierde zu tun. Laut Harari sind Selbsterkenntnis und Selbstdisziplin die ersten Schritte auf dem Weg zur Überwindung von Verlangen und Leiden. Am Ende seines letzten Buches 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert berichtet er, wie er während seiner Studienzeit in Oxford durch einen Meditationskurs zur persönlichen Erleuchtung und psychischen Revolution gelangte. Seither meditiert er täglich zwei Stunden und macht zwei Monate Auszeit im Jahr.

 

Homo Deus

Wenn wir die Geschichte der letzten Jahrzehnte betrachten, sehen wir, wie recht der Zyniker Harari mit vielen seiner Aussagen hat. Tatsächlich sieht man, wie der Homo sapiens zum Homo Deus avanciert. Der Mensch hat auf diesem Planeten eine phantastische Wunderwelt geschaffen und die Domänen Gottes sukzessive erobert. Einst war es der souveräne Gott alleine, der über Zeit und Raum stand, von dem man sagte, er habe seine Augen und Ohren an allen Orten und in allen Zeitaltern, er kenne die geheimsten Pläne und Absichten aller Menschen und lenke die Herzen der Könige wie Wasserbäche. Doch dann kam die Aufklärung und erklärte diesen Gott zum Mythos und sein Buch zur Fabel. Der Homo sapiens sagte: Ich glaube nur, was sich wissenschaftlich beweisen lässt. Aber das war nicht das Ende. Dann entdeckte die Wissenschaft rätselhafte Phänomene und verstand den Kosmos nicht mehr. Danach flüchtete sie sich in die Symbiose aus Menschen und Maschinen, um das Feuer der Götter zu den Menschen zu holen und damit die göttlichen Attribute. Und so evolvierte der Homo Deus. Durch Technologie können unsere Augen und Ohren heute überall gleichzeitig sein, durch Algorithmen haben unsere Superadministratoren nun eine Ahnung unserer geheimsten Pläne und Absichten, können die Vergangenheit aufzeichnen und sogar die Zukunft prognostizieren. Sie können die Entscheidungen der Könige auf Erden lenken, und nebenbei auch den Mainstream und die Zukunft unserer Rasse und Gesellschaft bestimmen. Die meisten Menschen verstehen zwar nicht, was über ihnen in der Cloud passiert, aber sie vertrauen dem da oben, dem Homo Deus und seinen grossen Werken, und bestaunen seine Weisheit und Moral. Das hat schon etwas mit Glauben zu tun.

 

Vormarsch der KI

Die technischen Errungenschaften der letzten 60 Jahre haben unser Leben vereinfacht und das Leiden auf Erden reduziert. Dass es aber auch massive, vielleicht unerwünschte gesellschaftliche Veränderungen bringt, wenn sich der Mensch durch Technik zum Gott erhebt, haben die meisten Zeitgenossen noch nicht richtig realisiert. Zu beschäftigt sind sie mit der Flut von Trivialitäten, mit der sie täglich aus dem Silicon Valley versorgt werden. Als Ende 2022 der Plauderroboter ChatGPT vorgestellt wurde, waren viele überrascht und staunten nicht schlecht über das, was diese Bots so alles vollbringen können und das auch noch völlig kostenlos. Nun kann auch der faulste Student nach dem Eingeben einiger Keywords Aufsätze und Texte auf hohem sprachlichem Niveau verfassen. Künstler brauchen nicht mehr die Tage der Inspirationslosigkeit zu durchleiden, denn mit den Bots lassen sich völlig mühelos kreative Kunstwerke erschaffen. Die KI kann ab sofort auch malen, komponieren und dichten, und zwar ziemlich gut. Am 24.03.2023 lobte das Time Magazin: «Die KI kann jetzt sogar Witze erzählen», mahnte aber gleichzeitig, dass dies gar nicht so lustig wäre.3 Warum diese Plauderroboter seit Ende 2022 so viel Aufsehen erregen, ist die Geschwindigkeit, mit der sie sich verbreiten: Um eine Million Nutzer zu generieren, brauchte Netflix 3,5 Jahre, Twitter 2 Jahre, Facebook 10 Monate, Spotify 5 Monate und Instagram 2,5 Monate. ChatGPT schaffte das in schlappen fünf Tagen. Auch Harari hat viel zu sagen über die KI, die eines seiner Hauptthemen ist. Wir kommen bald auf ihn zurück, machen nun aber einen kurzen Abstecher in die schöne neue Welt der Chatbots. Von ihrer kulturellen Bedeutung her wurden sie mit Gutenbergs Druckerpresse verglichen. Tatsächlich markieren sie eine gesellschaftliche Wasserscheide und damit das Einfallstor, durch das die Künstliche Intelligenz ab sofort vom Silicon Valley in den Alltag der Erdenbewohner strömt.

 

ChatGPT

Die KI soll das Leben auf Erden angenehmer machen und Kriminalität, Ausbeutung, Unfälle und Krankheiten eindämmen. Das ist zweifellos ein edles Ziel. Nichtsdestotrotz macht die KI auch vielen Angst. Die lautesten Warnrufe vor ihrer unkontrollierten Ausbreitung kommen aus einer ungeahnten Richtung. Ausgerechnet die KI-Experten mahnen jetzt vor einer zu blauäugigen Weiterentwicklung. So unterzeichneten über 1000 KI-Experten am 22. März 2023 einen offenen Brief an Regierungen, Industrie und Menschheit, in dem sie einen KI-Entwicklungsstopp von mindestens sechs Monaten fordern. Einer der Unterzeichner ist interessanterweise Elon Musk. Bedenkt man seine Unterstützung dieses Projekts und sein berühmtes Zitat: «Mit künstlicher Intelligenz beschwören wir den Dämon», scheint Musk ein entschiedener Gegner der KI zu sein. Dem ist aber nicht so. Er ist einer der ganz grossen Pioniere der KI und Co-Gründer von OpenAI, jenem Unternehmen, das den berühmten Bot ChatGPT in San Francisco entwickelt hat. Über das Produkt seiner Ex-Firma twitterte der Tesla-Chef: «ChatGPT ist gruselig gut, wir sind nun nicht mehr weit entfernt von einer gefährlich starken KI.»4 Fachleute verstehen darunter: Die Singularität naht – oder verständlicher ausgedrückt: Die totale Herrschaft der Maschinen kommt bald.

Was bedeutet es, wenn die Architekten unserer schönen neuen Digitalwelt vor den Folgen der Künstlichen Intelligenz warnen? Das macht sie zunächst sympathisch und vertrauenswürdig. Vielleicht nutzt Musk mit dieser Initiative aber auch die Gelegenheit, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen im Technologiewettlauf zwischen KI und seinem Unternehmen Neuralink, das den Homo sapiens durch elektronische Hirnimplantate zum Homo Digitalis verwandeln will, um ihn durch die Gehirn-Computer-Schnittstelle gegen die erwartete Invasion der KI zu wappnen.

 

Future of Life Institute

Herausgegeben wurde dieser offene Brief vom Future of Life Institute. Dabei handelt es sich um eine Denkfabrik der KI-Elite. Sie wurde 2014 von Max Tegmark gegründet und konnte dank grosszügiger Spenden von Elon Musk viel Öffentlichkeit generieren. In seinem Bestseller Leben 3.0 beschreibt Tegmark mit grosser Begeisterung, wie er und viele der renommiertesten Wissenschaftler sich die Zukunft des Lebens vorstellen. Er nennt das die «vielleicht wichtigste Diskussion unserer Zeit». Viele verantwortungsbewusste Eltern würden dem sicher zustimmen. Im Buch unterscheidet Tegmark zwischen biologischem, kulturellem und technologischem Leben: Demnach dauerte das biologische Leben Milliarden Jahre (1.0), als die Organismen den Kräften der Evolution noch völlig ausgeliefert waren und weder ihre «Hardware» noch «Software» modifizieren konnten. Dann erschien der Homo sapiens und damit das kulturelle Leben (2.0), während dem die Menschen durch Kooperation und Ausbildung lernten, ihre «Software» upzugraden, sie aber ihre Körper und damit ihre «Hardware» noch nicht modifizieren konnten. Tegmark sieht die Menschheit heute an der Schwelle zum technologischen Leben (3.0) und damit dem Zeitalter, indem sowohl die «Software» als auch die «Hardware» des Lebens modifizierbar werden. Wenn die Prozessoren grösser und die Maschinen generell intelligenter als die Menschen werden, warum sollten sie dann nicht auch entwickeln, was wir Bewusstsein nennen, fragt sich Tegmark. Schliesslich habe der Sapiens kein Bewusstseinsmonopol. Mit seiner Zukunftsvision ist er ganz nah bei Harari, der weiss, dass tief im Menschen keine Seele oder Persönlichkeit wohnt, sondern er durch biochemische Prozesse definiert wird. Da dieser Übergangsprozess zum «Leben 3.0», wie alle Wissenschaftler bestätigen, mit grossen Risiken verbunden ist, streitet Tegmarks Institut dafür, dass dieser Übergang nicht durch die blinden Mächte der KI, sondern durch die weise und kompetente Vorausplanung des Sapiens von statten geht.

Die Urheber dieses offenen Briefes sind also grosse KI-Freunde, daher sollte man ihre Initiative hinterfragen. Der Südkurier schreibt über das Institut:

«Laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung handelt es sich dabei um einen Thinktank, um den sich Anhänger des sogenannten ‹Longtermismus› sammeln. Der Begriff bezeichnet eine philosophisch-esoterische Strömung, die unter der Tech-Elite viele Anhänger hat. ‹Sie behauptet, wichtiger als naheliegende Menschheitsprobleme, wie der Klimawandel seien Szenarien für die extrem ferne Zukunft, wie eine Machtübernahme durch Maschinen oder eine Flucht der Menschheit ins Weltall›, schreibt die SZ. In diesen Kreisen herrsche eine regelrechte Obsession mit Künstlicher Intelligenz. KI müsse weiterentwickelt werden, aber unter die Kontrolle der Menschen gebracht werden, um sie dann für futuristische Projekte nutzen zu können.»5

 

KI-Entwicklungspause

Immer im Eilgang agierende Unternehmertypen wie Musk haben die rasante Entwicklung der KI angefangen, jetzt treten sie zur Abwechslung mal auf die Bremse. Mit anderen Worten: Die Weiterentwicklung der KI und die Konsequenzen daraus werden als so schwerwiegend angesehen, dass die Geld-Elite bzw. der IT-Adel aus dem Silicon Valley diese schicksalhafte Entscheidung nicht ganz ohne den Rest der Welt treffen möchte.

Man war zwar immer dicker Freund des freien Marktes, aber jetzt holt man sich die internationalen Regierungen zur Regulierung ins Boot und bittet um ihren Segen, damit sich später niemand beschweren kann, sollte die in den schönsten Farben angepriesene neue KI-Welt jemandem nicht gefallen. Kommt die Entwicklungspause, wonach es aktuell nicht aussieht, will man innerhalb von sechs Monaten globale Überwachungssysteme bauen und damit sicherstellen, dass die Risiken der KI auch für die Ahnungslosen überschaubar werden. Ein nobles und gleichermassen naives Ziel, bedenkt man, dass laut dem Future of Life Institute noch nicht einmal die Entwickler selbst richtig durchblicken, was genau entsteht. Nach sechs Monaten Brainstorming würde man dann wohl weiterbauen am Turm der Künstlichen Intelligenz, welcher wie sein Vorgänger zu Babel hoch über die Wolken in den Himmel ragen soll, damit alle Welt die grossen Werke des Homo Deus und seine Weisheit und Omnipotenz rühmen kann.

 

Gottspiele

Gläubige, die nichts davon halten, wenn sich die Menschheit durch Technik zur Gottheit erhebt, dürften den Aufruf zu einer Entwicklungspause begrüssen. Sie sollten dabei aber bedenken: Den Verfassern und Unterzeichnern dieses offenen Briefs geht es nicht darum, den Gottspielen der Menschheit Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil: Sie glauben an eine durch KI aufblühende Zukunft und stehen dem Umstieg von den digitalen Handgeräten auf den KI-Autopiloten wohlwollend gegenüber. Wie ihre Kollegen, die sich für eine ungezügelte KI einsetzen, sind sie Vertreter des Transhumanismus und der Genmanipulation und sehen darin grossartige Tools, um das Leiden auf Erden zu minimieren. Während das Gas-geben-Lager mit einkalkuliert, das die KI vielleicht bald für Menschen unkontrollierbar wird, vertritt das Auf-die-Bremse-treten-Lager die Ansicht, der Mensch solle so lange wie möglich die Oberhand über die KI behalten. Das klingt sehr vernünftig, ist aber nichts anderes als der uralte Stolz des Menschen, der sich schon in Babel manifestierte: Die Menschheit bildet sich ein, sie könne den waghalsigen Übergang in ein unvorhersehbares New Age der KI meistern und stützt sich dabei auf ihre überlegene Weisheit und unbescholtene Moral.

 

Digitale Utopisten

Es gibt natürlich auch grosse Namen in der Branche, die sich nicht für eine Entwicklungspause der KI begeistern wollen. Weder Google noch Microsoft konnten sich zu Stellungnahmen durchringen, als sie Ende März von der Computerzeitung Wired nach ihrer Meinung gefragt wurden.6 Die beiden Konzerne stehen im scharfen Wettbewerb zueinander und dürften kein grosses Interesse an einer Entwicklungspause haben, zumal Microsoft zehn Milliarden in ChatGPT investiert hat und den Plauderroboter in seine Suchmaschine Bing integrieren möchte, was Google nicht kampflos hinnehmen will. So erklärt Microsoft-Gründer Bill Gates gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass «Forderungen nach einer Pause bei der KI die Herausforderungen nicht lösen» würden.7 Google-Gründer Larry Page gehört laut Max Tegmark zu den Techno-Utopisten, denen die Entwicklung der KI und die Erweiterung der Digitalisierung auf den Kosmos nicht schnell genug gehen kann. In seinem Buch Leben 3.0 erzählt Tegmark von einem Partygespräch mit Page. Er berichtet:

«Page trat dabei leidenschaftlich für die Position ein, dass das digitale Leben der natürliche und wünschenswerte nächste Schritt in der kosmischen Evolution ist und dass das Ergebnis mit ziemlicher Sicherheit gut sein wird, wenn wir den digitalen Geist frei sein lassen, anstatt zu versuchen, ihn zu stoppen oder zu versklaven.»8

 

Brave New World

Als prominentesten Unterzeichner des offenen Briefs nennt Wikipedia vor Elon Musk den laut der Frankfurter Rundschau «vielleicht einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart» – Yuval Noah Harari. Auch Harari hat Angst vor einer ungezügelten KI: «Die künstliche Intelligenz greift gerade nach dem Generalschlüssel der Zivilisation. Die Menschheit kann sich jetzt nicht leisten, zu verlieren»9, warnt er. Laut Harari stehen wir in der Gefahr, schon bald von einem Überwachungsstaat künstlicher Autopiloten beherrscht zu werden, der schlimmer als Orwells 1984 werden könnte. Überraschend positive Worte findet er dagegen über seinen Lieblingsautor Aldous Huxley und dessen Weltbestseller Brave New World, zu dessen 90. Jubiläumsausgabe Harari das Vorwort verfasste. Ob dieser Roman wie einst in das Genre Dystopie einzuordnen ist, da ist sich der Universalgelehrte nicht so sicher. «Heute deutet man Huxleys Werk eher als Utopie»10, sagt er. Harari bewundert den vom Buddhismus geprägten Huxley, weil er die schöne neue Konsumwelt der Gegenwart bereits vor 90 Jahren mit scharfsinnigem Weitblick vorausgesehen hatte. Er begeistert sich für Huxleys Weltstaat, der ganz ohne Geheimpolizei, Totalitarismus und Brutalität auskommt, und seinen Bürgern durch Sex, Drugs & Rock ‘n’ Roll ein Leben in Glückseligkeit und Genuss ermöglicht, sodass selbst die Sklaven der untersten Kaste dankbar sind für ihr kleines Paradies auf Erden.10

 

Intelligenzija

Laut Harari lässt sich der Vormarsch der KI nicht stoppen. Für ihn ist die Künstliche Intelligenz weder gut noch böse, es kommt halt drauf an, wer sie kontrolliert, ob Gute oder Böse, bzw. ob Kompetente oder die Dilettanten. So hat Harari neben vielen Sorgen über sie auch grosse Faszination für die KI, denn er sieht darin das Potential, das Leiden auf Erden zu verringern oder zu überwinden. Harari wünscht sich eine Künstliche Intelligenz, die die Menschen mit maschineller Präzision zur Vernunft erzieht, damit sie nicht mehr Ressourcen verbrauchen als umweltverträglich und nicht mehr Luxus begehren als sozialverträglich ist. Auch könnte die Menschheit mithilfe der KI sicherlich konsequenter Gerechtigkeit durchsetzen bei Fragen der Gleichbehandlung und Themen wie Gender, Sex und Rasse. Natürlich bräuchte es dafür die nötigen politischen Instanzen und Ordnungshüter. Hararis Vorbild Huxley verstand sehr früh, dass die Gesellschaft nur durch eine neue Struktur zur Gerechtigkeit geführt werden könnte. Er schrieb:

«Ungefähr 99,5 Prozent der gesamten Bevölkerung des Planeten sind so dumm und spiessig wie die Masse der Engländer … Wichtig scheint mir, nicht bei den 99,5 Prozent anzusetzen – ausser bei der Ausbildung – sondern zu versuchen, die 0,5 Prozent zu stärken, sie auf das höchstmögliche Niveau zu bringen und, wenn möglich, zu befähigen, die Macht über die Masse zu ergreifen.»11

Harari ist heute ausgezeichnet vernetzt mit einer derartigen Intelligenzija. Besonders nahe steht er den megamächtigen Gründern der IT-Konzerne. Egal, ob sie auf der traditionellen Politskala etwas weiter links oder rechts stehen – oder wie Harari darüber – funken sie auf seiner ideologischen Wellenlänge: Sie hören auf fernöstliche Gurus, meditieren regelmässig, wollen die Welt vom Leiden befreien, streben nach einem technischen Utopia und sehen in uns Menschen «Hackable Animals». Sie würden das zwar so nicht sagen, aber Harari spricht es aus. Auf Deutsch lautet der niedliche Spitzname, den er sich für uns ausgedacht hat: Tiere, deren Prozessor man hacken kann. Das System Brave New World brillierte in dieser Disziplin, indem es seinen Bürgern hohle Trivialitäten und niedere Befriedigungen als das wahre Leben im Zoo der Eitelkeiten verkaufte, um sie in das Hamsterrad der Staatsmaschinerie zu locken. Diese Strategie ist im Internetzeitalter nicht unbekannt, wenn die KI erst im Regiment sitzt, dürfte sie perfektioniert werden. Nicht, dass Harari das Hacken von Menschenprozessoren loben würde, er verurteilt es. Aber er versteht eben auch das immense «positive» Manipulationspotential durch die KI. Da die Künstliche Intelligenz – und mit ihr zunehmende Manipulation – sowieso unweigerlich auf uns zukommt, geht es weniger darum, gegen die Manipulation zu kämpfen, sondern vielmehr, sie für die richtige Sache zu nutzen. Schon heute arbeiten Hararis philanthropischen Freunde mit selbstlosem Eifer daran, für diese hackbaren Tiere einen leidensreduzierten Lebensraum zu kreieren, wo sie sich ganz der Musse, Kunst und Lust hingeben können, während die Maschinen der liebevollen Gnade ihre Arbeit verrichten.

 

Unsterblichkeitschip

Was das Überwinden des Leidens angeht, hat unsere Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich Beeindruckendes erreicht. Bis zum Jahr 2015 waren die traditionellen Leidensbringer weitgehend überwunden und die Herde der Homo sapiens konnte mit Stolz verkünden: Den Welthunger haben wir dezimiert, die Seuchen eliminiert und die Kriegstoten reduziert. Seit einigen Jahren hat sich dieser Trend zwar wieder umgekehrt, aber viele halten weiterhin unbeirrt an dem Glauben fest, der totale Sieg über das Leiden könne erreicht werden. Nun hat man sich den Tod vorgeknöpft. Vielleicht kann ja diesem ultimativen Leidensbringer mit dem «Unsterblichkeitschip» beigekommen werden. Für Harari ist das ein grosses Thema. In seinem Buch Homo Deus nimmt er Bezug auf das «Recht auf Leben», das 1945 von den Vereinten Nationen in San Francisco proklamiert wurde. Er schreibt:

«Da der Tod eindeutig gegen dieses Recht verstösst ist er ein Verbrechen gegen die Menschheit, und deshalb sollten wir den totalen Krieg gegen ihn führen.»12

Laut Bibel ist der Tod kein Verbrechen gegen die Menschheit, sondern der Mensch ist ein Verbrecher, der den Tod verdient hat, und der Tod der letzte Feind, den Gott zerstörenden wird (1Kor 15,26). Es ist ein kluger Schachzug Hararis, dass «Recht auf Leben», das Christen als Argument gegen die Abtreibung zitieren, auf den Tod anzuwenden, aber diesen Zug setzt er auf dem Schachbrett des Teufels. Der Verbrecher, den der Jude Harari hier impliziert, aber nicht explizit benennt, ist der Gott Israels – ja, der als der grosse Souverän den Tod verantwortet.

 

Den Tod überwinden

Wenden wir uns nun dem alten Glauben an den Gott Israels zu, um zu sehen, was die Bibel zum Thema Leiden zu sagen hat. Dass Menschen den heiligen Gott verurteilen und ihn zum Verbrecher machen, gab es schon einmal in der Geschichte. Nachdem sich der Hohen Rat in Jerusalem gegen Jesus verschworen hatte, wurde der einzig Schuldlose auf Erden zum grössten Verbrecher gemacht. Die Verantwortlichen meinten, sie könnten durch das Opfer Jesu dem Volk Leiden und Verderben ersparen. Nach dem schändlichsten Gerichtsprozess der Geschichte kreuzigten sie dann den Heiland und damit ausgerechnet den, der gekommen war, sie aus der Macht von Sünde, Leiden, Tod und Teufel zu befreien.

Harari und seine Freunde glauben nicht an den Gott, der Mensch wurde und wie ein Tier im Viehstall geboren und auf der Schachtbank verendet ist. Sie glauben an das Tier Homo sapiens, das sich auf wundersame Weise durch Zeit und Zufall bildete und in einem phantastischen Überlebenskampf zum Gott wurde, und das sich einbildet, es könne den Menschen zu einem techno-biologischen Mischwesen weiterentwickeln, das wie das Angesicht seiner Schöpferelite heilige und moralische Eminenz besitzt. Heute wird in den Laboren des Homo sapiens das Experiment von Dr. Frankenstein nicht mehr als Grusel angesehen, sondern als «Intelligent Design» – so jedenfalls bezeichnet Harari wohlwollend das menschliche Bestreben, den Homo Technicus zu erschaffen. Heute ist nicht mehr der Gottessohn massgeblich, und seine Offenbarung; heute geht es um die Menschengötter und ihre Wissenschaft. Weil sie nicht glauben, was Jesus vollbracht hat, meinen sie, der Homo Deus müsste es jetzt selbst vollbringen, und so kämpfen sie in ihrer Blindheit gegen den Tod, als könnten sie ihn überwinden. In ihrem armseligen Stolz und mit ihrer unzulänglichen Intelligenz haben sie keine Skrupel, die ganze Menschheit mit hineinzuziehen in dieses perverse und schicksalshafte Experiment, dessen Ausgang bei Gott bereits beschlossene Sache ist.

 

Triumph durch Leiden

Sowohl die schnelle als auch die bedächtige Fraktion der Tech Elite ist sich einig: Die Umstellung des Lebens auf den elektronischen Autopiloten ist risikohaft, aber «No risk, no fun». Was sie zu diesem Wahnsinn veranlasst, beschreibt die Bibel mit einem Wort: Sünde! Als die Schlange zu den ersten Menschen sagte: «Ihr werdet sein wie Gott», übertrug sich dabei die Überheblichkeit Satans auf die Menschheit, und auch sein Schicksal. Die Sünde hat die Menschen blind gemacht für Gottes Rettungsangebot und so versuchen sie, das Heil aus ihrer eigenen Sündensubstanz zu generieren. Und da das während der Zeit des Individualismus nicht gut geklappt hat, versuchen sie es jetzt mit dem Kollektivismus. Sie denken, im Verbund mit allen Menschen muss es doch jetzt endlich mal funktionieren. Aber sie können das Leiden nicht überwinden, denn das Leiden ist die Folge der Sünde. Die Bibel impliziert: Das Leiden kann nur durch Leiden überwunden werden, und zwar nicht durch abbüssendes Leiden, etwa von sündhaften Menschen, sondern durch das ungerechte Leiden des heiligen von Gott erwählten Opferlammes, Jesus Christus.

Lukas hat in seinem Rettungsdrama um die Menschheit bis zum letzten Kapitel gewartet, bevor er das Geheimnis um die Errettung der Menschen aus Tod und Leiden offenbarte. Selbst an jenem Tag, an dem Jesus aus den Toten auferstand, verstanden seine Jünger das noch nicht. Dreimal heisst es im letzten 24. Kapitel, dass der Christus vor seinem Triumph leiden musste. In Vers 7 erinnerten die Engel die Frauen am Grab an Jesu Worte in Galiläa: «Der Sohn des Menschen muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.» In Vers 26 erklärt Jesus den beiden Emmaus-Jüngern: «Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?» In den Versen 45-46 offenbart Jesus den versammelten Jüngern dann das Geheimnis: «Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so musste der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen.» Was Harari mit seiner irdischen Weisheit nicht sehen kann, hat Jesus seinen Jüngern und uns Gläubigen eröffnet: Es gibt kein Überwinden des Leidens ausser durch das Leiden Gottes!

Der heilige Sohn Gottes sollte triumphieren, aber vor seinem Triumph musste er nach dem göttlichen Plan leiden. Er war der einzig Würdige, um die Schuld der Menschen zu tragen und zu sühnen. Mit dieser Botschaft vom Triumph durch Leiden überraschte Jesus Freunde und Feinde. Seine Jünger wollten seinen menschlichen Leib vor dem Leiden bewahren, um ihn zu erhalten; seine Widersacher wollten ihn leiden sehen, um ihn zu verderben – aber Jesus wollte das Leiden des Kreuzes um der vor ihm liegenden Freude willen, damit er der Erstgeborene würde unter vielen Brüdern.

Nachdem Jesus Lazarus auferweckt hatte, kam der Hohe Rat der Juden zusammen, um zu beraten. Dabei führte Gott den Hohepriester Kajaphas ad absurdum. Er war der Drahtzieher hinter der finstersten Verschwörung der Weltgeschichte und sagte vor dem hohen Rat über Jesus: «Besser ein Mensch stirbt für das Volk, als das alle zu Grunde gehen» (Joh 11,50). Er wollte einen Menschen leiden sehen, damit den anderen das Leiden erspart würde. Kajaphas sprach diese Worte in böser Absicht gegen Gott – doch es war Gott, der ihn diese Worte sprechen liess und dabei zeigte, wie gut er es mit den Menschen meinte. Johannes erklärt das im nächsten Vers: «Dies redete er aber nicht aus sich selbst; sondern weil er in jenem Jahr Hohepriester war, weissagte er; denn Jesus sollte für das Volk sterben» (Joh 11,51). Auch Gott wollte den Einen leiden sehen, damit alle, die glauben, nicht mehr den Tod erleiden müssen.

Die Offenbarung, dass Jesu Triumph durch Leiden vollzogen werden musste, steht nicht isoliert in den Versen 45-46, sondern ist eingebunden in den Kontext der Vergangenheit und Zukunft: In Vers 44 erinnert Jesus daran, dass die Botschaft vom Triumph durch Leiden bereits in den alttestamentlichen Schriften angekündigt wurde (z. B. in Jesaja 53). In den Versen 47-48 prophezeit Jesus, dass die Jünger das Evangelium vom Triumph durch Leiden bezeugen würden. Später lesen wir, wie sich die Botschaft «Der Christus musste leiden und auferstehen» wie ein Refrain durch die Apostelgeschichte zieht (Apg 3,18; 17,3; 26,23).

 

Triumph im Leiden

Seinen Triumph über Sünde, Tod und Teufel erlangte Jesus durch Leiden, seinen Nachfolgern hat er Triumph im Leiden verheissen. Gläubige versuchen nicht krampfhaft, das Leiden auf Erden zu vermeiden. Sie sind realistisch und verstehen, dass die Menschheit auf dieser gefallenen Erde dem Leiden nicht entfliehen kann. So treten sie dem Leiden mit erhobenem Haupt entgegen, weil sie geduldig darauf vertrauen, dass Jesus sie abholen und in die bessere himmlische Heimat führen wird. Weil Gläubige durch die Kraft des Heiligen Geistes im Leiden triumphieren, brauchen sie sich keine Sorgen zu machen vor dem Aufkommen eines antichristlichen Systems der Künstlichen Intelligenz. Sie brauchen sich auch nicht dagegen aufzubäumen, denn Gottes Wort hat ein äusserst korruptes System für die Endzeit vorausgesagt. Gläubige wissen, dass Gott die Weltgeschichte kontrolliert und zur richtigen Zeit eingreifen und ihr Leben im Triumphzug für Christus beschliessen wird.

Als Petrus und Johannes voll Freude vom Hohen Rat hinweggingen, weil sie gewürdigt worden waren, um seines Namens willen Schmach zu leiden (Apg 5,41), erlebten sie den Triumph im Leiden, den Jesus ihnen in Matthäus 5,10-11 verheissen hatte. Viermal in den Evangelien (Mt 10,38; Mk 8,34; Lk 9,23; 14,27) definiert Jesus die Jüngerschaft als ein Aufnehmen des Kreuzes und Nachfolgen des Gekreuzigten, was für den Triumph des Glaubens im Angesicht von Verfolgung und Tod steht. Paulus zeigte diese Gesinnung, als er schrieb: «Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten» (Phil 3,10-11). Viele weitere Schriftstellen zeugen vom Triumph im Leiden, den Gott seinen Gläubigen verheissen hat.

 

Fazit

Der neue Glaube basiert auf einer alten Geschichte, die sich immer wieder als Täuschung erwiesen hat. Es ist die Geschichte vom Erdenparadies: Die Kapitalisten versprachen das Erdenparadies – es entstand die Fabrikhölle; die Kommunisten versprachen das Erdenparadies – es wurde eine Sklavenhölle; die Nazis versprachen das Erdenparadies – es folgte die Kriegshölle; die Hippies versprachen das Erdenparadies – sie erlebten die Drogenhölle. Aber heute passiert uns das nicht mehr, wir sind doch viel schlauer, denken die Menschen im Internetzeitalter. Heute ist jeder vernetzt mit dem grossen Userschwarm, heute kann jeder das Wissen, die Werke und die Weisheit der anderen kopieren, heute wird wohl niemand mehr das Erdenparadies aufhalten können. Das glauben viele. Vielleicht ist es ja ihr letzter grosser Wurf, zu dem sie gerade ausholen. In ihrer Verzweiflung haben sich die Menschen an jene Maschinen verschrieben, die ihre ideologischen Vordenker als kalt, grausam und unmenschlich bezeichneten. Mit der unbeugsamen Konsequenz der Technik wollen sie das Paradies auf Erden nun erzwingen – ob danach wohl die Science-Fiction-Hölle anbricht?

Wegen alledem hat sich unser Herr erniedrigt und ans Kreuz schlagen lassen, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Wenn ich bedenke, wie schändlich und offensichtlich die Macht der Finsternis in unserer Zeit agiert, frage ich mich, was ich dagegen tun kann. Und es gibt eine Sache, die ich tun kann und tun will: Es ist die Verkündigung des Sieges Christi über den Tod. Das ist unsere Berufung. Je mehr uns die Maschinen einschränken, desto fröhlicher wollen wir diese Botschaft in der Kraft des Geistes verkünden.

Die Bibel lehrt uns, dass Gott in der Endzeit die Zeit verkürzt hat, damit nicht auch die Auserwählten verführt würden, wenn das möglich wäre (Mk 13,20,22). Dieser Vers passt gut auf unsere Zeit. Er impliziert, dass nach dieser Zeitverkürzung das grosse Finale kommt: Rettung und Gericht. Himmel und Hölle. Ewige Überwindung des Leidens oder Überbringung ins ewige Leiden. Wir wissen weder den Tag noch die Stunde seines Kommens. Aber nur, weil Harari und seine Freunde vom Future of Life Institute der Meinung sind, dass die Geschichte gerade in unserer Zeit an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter und einer neuen Menschheit steht, bedeutet das nicht, dass Jesu Kommen nicht parallel dazu ablaufen könnte. Wir sollten also, wie wir es gelernt haben, allezeit wachsam und bereit sein für sein Kommen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Gott seine Heilsgeschichte parallel zu der unheilvollen Profangeschichte der Weisen dieser Welt schreibt und sie dabei ad absurdum führt.

Stefan Höchsmann

 

1 https://www.youtube.com/watch?v=jwuEXeDf4gE

2 https://www.watson.ch/wirtschaft/gesellschaft%20&%20politik/665546951-homo-deus-oder-wenn-wir-menschen-goetter-werden

3 https://time.com/6132544/artificial-intelligence-humor/

4 https://twitter.com/elonmusk/status/1599128577068650498?lang=de

5 https://www.suedkurier.de/ueberregional/rundblick/chat-gpt-ki-wettrennen-ausser-kontrolle-experten-fordern-entwicklungsstopp;art1373253,11520039

6 https://www.wired.com/story/chatgpt-pause-ai-experiments-open-letter/

7 https://www.reuters.com/technology/bill-gates-says-calls-pause-ai-wont-solve-challenges-2023-04-04/

8 Tegmark, Max (2017-08-28T23:58:59). Life 3.0. Penguin Books Ltd. Kindle-Version.

9 https://fortune.com/2023/03/24/yuval-harari-artificial-intelligence-openai-ai-chatbots-gpt-4-chatpt-warning/

10 https://www.youtube.com/watch?v=0Pl_OY5zG3w

& https://www.52-insights.com/news/yuval-noah-harari-on-his-favourite-book-brave-new-world/

11 https://mouthhouse.wordpress.com/2014/02/18/a-brave-new-world/

12 Harari, Yuval Noah. Homo Deus (German Edition) (S.36). C.H.Beck. Kindle-Version.


Zum endzeitlichen Wahn über die "Klimakrise" treffende Gedanken in Gedichtform

Wir Deutschen

Rolf Müller

 

Mein liebes deutsches Vaterland

hat sich im Klimawahn verrannt,

das Wohl der Welt steht auf dem Spiel,

verfehlen wir das Klimaziel.

 

Die Fichten nadeln vor sich hin,

der Klimaschutz hat wenig Sinn.

Wir Deutschen sparen CO2,

Chinesen sind da nicht dabei.

 

Wir Deutschen zeigen Klimastärke

und schließen unsre Kohlenwerke.

Die ganze Welt staunt Deutschland an,

weil sie es nicht begreifen kann.

 

Wollt ihr die Wirtschaftskraft verlieren,

müsst ihr mit Grünen demonstrieren;

ihr müsst euch an die Bäume ketten,

dann ist die Welt vielleicht zu retten.

 

Am hochgelobten deutschen Wesen

soll wieder mal die Welt genesen.

Auch wenn der ganze Globus lacht,

die Klimawende wird gemacht!

 

Es liegt nicht an den vielen Schafen,

es helfen keine Klimastrafen,

es hilft kein Klagen, kein Geschrei,

es liegt auch nicht am CO2.

 

Was  Meteorologen sagen,

das muss  man manchmal hinterfragen,

weil es gewiss nicht immer stimmt,

wenn mans für bare Münze nimmt.

 

Die Stürme toben auf den Meeren

auch wenn die Grünen sich beschweren,

den Tages- und den Jahreslauf

hält weder Ochs noch Esel auf.

 

Das Wetter ist mal trüb, mal heiter,

da helfen keine Demos weiter.

Die Sonne scheint, der Donner kracht

und ewig wechseln Tag und Nacht.

 

Da hilft kein Toben und kein Winken,

die Menschen atmen, essen, trinken,

obwohl das klimaschädlich ist,

wie ihr ja von den Grünen wisst.

 

Statt sich dem Lauf der Welt zu fügen,

verbreitet man die Klimalügen,

spart nicht mit Tat und Zeit und Geld,

zu retten diese unsre Welt.

 

Wir werden mutig vorwärts schreiten,

das böse CO2 vermeiden,

wir wollen Ökostrom und Licht,

Kernenergie und Kohle nicht.

 

Im Rahmen einer Klimasteuer

wird auch das Atmen heute teuer.

In manchen Dörfern fährt kein Bus,

da gehn wir eben gleich zu Fuß.

 

Wir  kämpfen für die Klimawende,

 verzichten auf die Altersrente,

denn Öko hat, wie jeder weiß,

 für Bürger einen hohen Preis.

 

Man sagt, es liegt am Autofahren,

wir wissen es seit vielen Jahren

und werden trotzdem nicht gescheit.

Entschuldigung! Es tut uns leid!

 

Wenn dann die Bienen nicht mehr fliegen,

werden wir keinen Honig kriegen;

die Blüt am Baum  ist wie betäubt,

weil  keine  Biene sie bestäubt.

 

Wir leben sparsam und vegan,

wir fahren mit der Eisenbahn,

wir essen  Obst und meiden Speck,

wir baden nie, wir lieben Dreck.

 

Wir können sehr viel Wasser sparen,

wenn wir ans Meer zum Baden fahren.

Es rauscht das Meer, es lacht der Strand,

und wir sind rein und braungebrannt.

 

Staatsmänner müssen Flagge zeigen

und dürfen nicht mehr länger schweigen,

wenn unser blauer Erdplanet

in Dieselschwaden untergeht.

 

Sperlinge fallen von der Stange,

die Erde macht es nicht mehr lange.

Bald gibt es keine Gletscher mehr

und unaufhörlich steigt das Meer. 

 

Die Hafenstädte gehen unter,

der Regenwald brennt ab wie Zunder

  Insekten sterben aus, jedoch

die Borkenkäfer leben noch.

 

Im Norden ist es nicht mehr kalt,

im Süden brennt der Regenwald,

die Hühner gackern wie verrückt,

der Hahn, der ist im Stall erstickt.

 

Den alten Mann verwundert sehr:

Wie kommen Tüten in das Meer?

Bei uns wird doch der Müll getrennt,

wer hat denn da vielleicht gepennt?

 

Auf dass es wieder besser werde,

 tun wir sehr viel für unsre Erde,

wir leiten Gülle in den Teich

und essen nicht mehr so viel Fleisch.

 

Politiker und Präsidenten

können das Unheil auch nicht wenden.

Bevor die Welt zusammenkracht,

müssen die Kinder an die Macht.

 

Dem Klimaengel aus dem Norden

ist  große Ehre schon geworden,

 sogar die UNO ist dabei

und klatscht bei Gretas Wutgeschrei.

 

Denn Kinder, Grüne und die Roten,

das sind die wahren Patrioten,

sie fragen nicht nach Gut und Geld,

sie retten einfach unsre Welt.

 

Die Umwelt stößt an ihre Grenzen,

vielleicht hilft da das Schule schwänzen.

Sogar der Lehrer, treu und brav

läuft mit als großes dummes Schaf.

 

Klima ist wichtig, das weiß jeder,

lernen können wir auch noch später,

jetzt geht’s um Klima und Natur,