Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben hingegeben hat.

(1. Johannes 3,16)

 

Das überflutete Bergwerk

 

Reinhard war als Christ bekannt. Durch seinen Lebensstil und seine Worte hob er sich deutlich von seinen Kameraden im Bergwerk ab. Die hielten ihn für einen Schwächling und machten sich über seinen Glauben lustig: „Hör doch auf mit deiner Religion! Das ist doch nur was für alte Frauen“, meinten sie spöttisch. Doch dann kam der Tag, der alles veränderte.

 

Als das Unglück geschah, war Reinhard gerade mit dem Förderkorb in den Schacht eingefahren. Plötzlich hörte er das immer lauter werdende Rauschen eines Wassereinbruchs. Was jetzt? Er stand noch im Korb, und ein Zug am Seil hätte gereicht, und er wäre in Sicherheit gewesen. Doch seine Kameraden unten im Stollen wären umgekommen. Und sie waren doch gar nicht bereit, Gott zu begegnen! 

 

Ein junger Hilfsarbeiter stand bei ihm. Ohne zu zögern, schob Reinhard ihn in den Korb und sagte: „Melde oben sofort, dass wir versuchen, uns in den rechten Seitenstollen zu retten.“ Dann lief er zu den anderen Männern seines Trupps, warnte sie vor dem Wassereinbruch und forderte sie auf, ihm zu folgen. Mit ihren Werkzeugen gruben sie sich zu einer höher gelegenen Stelle vor, wo sie vorerst in Sicherheit waren und auf Hilfe hoffen konnten. Erst fünf Tage später gelang es der Bergungsmannschaft, zu ihnen vorzudringen und sie zu retten. 

 

Inzwischen hatten seine Kameraden ihre Meinung über Reinhard grundlegend geändert. Sie waren tief beeindruckt von seinem selbstlosen Handeln und seinem ruhigen Vertrauen auf Gott. Einer von ihnen sagte später: „Früher dachte ich, dass man durch den Glauben verweichlicht wird. Aber wenn das Bibellesen aus einem zurückhaltenden Menschen jemanden macht, der bereit ist, sein Leben für andere zu riskieren, dann muss es gut für uns alle sein.“ So fand er zum Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes. 

 

aus dem Kalender "Der Herr ist nahe" - 03.07.2026