Nicky Gumbel
Der Alpha Kurs – Wer fragt noch, was das Wort Gottes dazu sagt? Teil I
(Georg Walter)
Ursprung
Der Alpha Kurs begann in den 1970er Jahren als kleiner Kurs in der Holy Trinity Brompton Kirche (HTB) in London. Dort stellte man fest, dass viele Menschen außerhalb der Kirche Interesse am christlichen Glauben und damit an diesem Kurs haben. 1990 übernahm der anglikanische Priester und Autor Nicky Gumbel als Pastor der HTB den Kurs und entwickelte ihn weiter. Der Alpha Kurs, der in fast 30 Sprachen übersetzt wurde, läuft heute in allen Teilen der weltweiten Kirche: der Katholischen Kirche, Orthodoxen Kirche, in Freikirchen und der Evangelischen Kirche. Gumbel wird dem neocharismatischen Spektrum zugerechnet.
In den 1990er Jahren erregte Nicky Gumbel und die HTB Aufsehen aufgrund des „Wirkens des Heiligen Geistes“, den sog. „Toronto-Segen“. Pfarrer Nicky Gumbel betete, dass der Heilige Geist über die Gemeinde kommen möge. Bald darauf begannen einige der anwesenden Gläubigen zu lachen. Nach und nach stimmen andere in das „heilige Lachen“ („holy laughter“) ein. Nach und nach fielen die Gläubigen zu Boden, zuckten. Bald lagen überall im Gottesdienstraum die Gläubigen auf dem Boden, während die Betenden saßen, zitterten, wie Löwen brüllten, wie ein Hahn krähten oder wie Hunde bellten und, am seltsamsten von allem, unkontrolliert lachten.
Ablauf
Der Alpha-Kurs besteht aus 15 Lektionen, die in einem Zeitraum von etwa 10 Wochen behandelt werden. Das gemeinsame Essen gehört schon zum Programm: Jede Sitzung eines sogenannten Alpha-Kurses beginnt in der Regel mit einem gemeinsamen Essen bei gemütlichem Zusammensein. Die Atmosphäre ist wichtig, wenn man gemeinsam über Gott sprechen will, mit dieser Überzeugung arbeitet der Glaubenskurs schon seit gut 30 Jahren.
Um sich über die Themen auszutauschen, die im Laufe des Kurses behandelt werden, wird Gelegenheit zu Gesprächen gegeben, um herauszufinden, was Glaube konkret bedeutet. Wozu Glauben? Wer ist Jesus? Wie lese ich die Bibel? Was bringt beten? Wie geht Glauben im Alltag?
Gemäß den offiziellen Angaben wurden allein 1999 weltweit über 14.000 Kurse mit über 570.000 Teilnehmern durchgeführt.
Ein hoher Prozentsatz der Teilnehmer soll durch den Alpha Kurz zum Glauben gefunden haben.
Charismatische Inhalte
Ein wichtiger Bestandteil des Kurses ist das Thema „Der Heilige Geist“. Je nach Ausrichtung der Gemeinde wird zu diesem Themenabend auch ein Heilungs- bzw. Segnungsabend angeboten. Dass es nicht ausbleibt, dass man die Teilnehmer zu Erfahrungen mit dem Heiligen Geist (z.B. Zungenreden, Geistestaufe) anleitet, bleibt je nach Ausrichtung der Gemeinde nicht aus. Eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung mit der pfingstlich-charismatischen Bewegung darf man auch aufgrund der Erfahrungen von Gumbel mit dem „Heiligen Geist“ nicht erwarten.
Der Alpha Kurs – Wer fragt noch, was
das Wort Gottes dazu sagt? Teil II
(Georg Walter)
Ökumenische Ausrichtung
Obwohl Gumbel evangelikaler Anglikaner ist, richtet sich sein Alpha Kurs an alle Denominationen und Konfessionen, die katholische Kirche eingeschlossen. Es existiert ein katholisches Alpha-Büro, das eine spezielle Broschüre erarbeitet hat („Alpha für Katholiken, Fragen und Antworten“; dt. Ausgabe 2000 bei Projektion J).
Andreas Kräuter erörtert:
„Aus dieser Schrift folgen nun einige Zitate: „Obwohl es ein Kurs mit anglikanischem Hintergrund ist, zeigt das Alpha-Material eine Katholiken gegenüber sehr offene Einstellung. Die Lehren von „Alpha“ weisen eher den Weg für eine Kooperation zwischen den Kirchen, als dass sie Rivalität hervorrufen“ (S. 18). „Haben sich Menschen erst einmal zu Christus bekehrt, entsteht der Wunsch nach mehr – die Fülle der göttlichen Offenbarung (wie sie z.B. im Katechismus ausgedrückt ist) gelehrt zu bekommen und in das volle sakramentale Leben der Kirche einbezogen zu werden“ (S. 19/20).“ (In: fest und treu, Nr. 94, 2001, Ausgabe 2)
Der Alpha Kurs wird somit unter anderem zu einem Wegweiser in die katholische Kirche mit all ihren unbiblischen Dogmen und Lehren.
Verwässerung des Evangeliums
Themen wie Buße, die Hölle, das Wesen Gottes, Glaubensgehorsam, die Menschwerdung Jesu, Kreuzesnachfolge und Gottesfurcht werden gemieden. Eine Abgrenzung zu unbiblischen Lehren und Praktiken, wie man sie im Katholizismus oder in der Charismatik antrifft, Fehlanzeige. Es entsteht der Eindruck, dass der Mensch mit seinen religiösen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht, nicht aber der heilige Gott. Es wird vor allem ein Gott der Liebe präsentiert, ganz gemäß dem Wunsch derer, die ein Evangelium wollen, das in ihren Ohren juckt.
Was Erfolg bringt, muss gut sein
Der Alpha Kurs folgt dem heutigen Trend, den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen. Das Motiv, Menschen für das Evangelium gewinnen zu wollen, soll Gumbel nicht in Abrede gestellt werden. Die Mittel, die er dazu gebraucht, dürfen gleichwohl auf der Grundlage der Schrift kritisch hinterfragt werden. Andreas Kräuter schreibt in seinem Artikel „Der Alpha-Kurs - EINE KRITISCHE AUSEINANDERSETZUNG“ treffend:
„Was macht den Alpha-Kurs so attraktiv? Wieso wird dieser Kurs in immer mehr Gemeinden durchgeführt? Es dürfte vor allem folgende Gründe haben: a) Er funktioniert und ist zeitgemäß. Dies scheint das Hauptargument derer zu sein, die ihn benützen: „Als ich zum ersten Mal an einer Alpha-Konferenz war, dachte ich: Entweder bindet Nicky Gumbel uns allen einen Bären auf, oder es ist wirklich so, dass sich Menschen auf wunderbare Weise verändern. Nach dem achten Kurs kann ich sagen: Es funktioniert wirklich.“ Dies ist das Denken unserer Zeit. Was Erfolg bringt, muss gut sein. Wenn jemand zur Gemeinde findet, muss doch Gott dahinterstehen. Wer fragt noch, was das Wort Gottes dazu sagt.“ (In: fest und treu, Nr. 94, 2001, Ausgabe 2)
Hauptkritikpunkte
Charismatische Ausrichtung: Der Alpha-Kurs hat eine mehr oder weniger starke charismatische Ausrichtung – abhängig von der jeweiligen Gemeinde, die den Kurs ausrichtet.
Theologische Oberflächlichkeit: komplexe biblische Themen werden nicht tief genug behandelt.
Ökumenische Ausrichtung: Dem pluralistischen Zeitgeist folgend grenzt sich der Alpha Kurs nicht vom Katholizismus und anderen kontroversen Bewegungen mit ihren unbiblischen Lehren ab.
Verwässerung des Evangeliums: Es wird ein Evangelium light propagiert, das die Wahrheiten des biblischen Evangeliums aushöhlt.
Zusammenfassend ist der Alpha-Kurs ein populäres, aber nicht unumstrittenes Instrument der evangelistischen Arbeit, das besonders wegen seiner charismatischen Ausprägung und theologischen Vereinfachung in der Kritik steht.
