Schmach und Speichel
Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. (Jesaja 50,6)
Das Anspucken gilt seit Jahrtausenden als besonders demütigende Beleidigung. Es ist ein sicht- und spürbarer Ausdruck tiefster Verachtung und geht damit über eine verbale Schmähung hinaus. Schon der leidende Hiob klagte darüber, dass man ihn verachtete und anspuckte (Hiob 17,6; 30,10). Im Alten Testament gab es sogar den Fall, dass jemand, der sich dem Gesetz widersetzte, öffentlich angespuckt werden sollte – als Zeichen der Bloßstellung und Schande (5. Mose 25,9).
Als Jesus Christus auf die Erde kam, wusste Er genau, was Ihn erwartete (Johannes 18,4). Jedes Detail seiner Leiden kannte Er im Voraus – auch das Anspucken. Schon vor seiner Verhaftung kündigte Er es seinen Jüngern an (Markus 10,34; Lukas 18,32). Bemerkenswert ist, dass das Spucken in der Aufzählung seiner Leiden ausdrücklich erwähnt wird – ebenso wie die Geißelung. Das zeigt, wie tief diese Form der Verachtung den Heiland verletzen würde!
Und tatsächlich traf bald ein, was der Herr vorausgesagt hatte. Nach seiner Verhaftung wurde Er vom Hohenpriester und dessen Gefolgsleuten für schuldig erklärt. Unmittelbar nach diesem Urteil heißt es: Sie spuckten Ihn an – ins Gesicht! (Matthäus 26,67; Markus 14,65). Eine besonders bittere und entwürdigende Handlung. Doch dabei blieb es nicht: Auch die römischen Soldaten spuckten Ihn an, als sie Ihn nach der Verurteilung durch Pilatus auf verschiedene Weise misshandelten (Matthäus 27,30).
Juden wie Heiden begegneten Ihm mit allergrößter Verachtung – und doch wich der Herr nicht zurück (Jesaja 50,5). Er blieb Gott treu, denn Er wusste, dass Er „nicht würde beschämt werden“
(V. 7).
Anbetungswürdiger Herr!
aus dem Kalender "Der Herr ist nahe" - 11.01.2026
