Kraft des Herrn
Ps.29,11: Der Herr wird seinem Volk Kraft geben.
2.Tim.1,7: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
In diesem Psalm verherrlicht David Gott, weil er zu fürchten ist in seiner Majestät und Gewalt.
Während Gott in Psalm 33 wegen seiner Schöpfermacht gepriesen wird, empfängt er hier Ehre auch wegen seiner Zerstörungsmacht. Der Lobpreis Gottes umfasst also nicht nur das Vorteilhafte, sondern auch das Schreckliche, und auch diese Kraft liegt in seinem Wort. Hier liegt vielleicht die Gefahr, dualistisch zu werden. Man verehrt einen guten Gott, und was man nicht als gut definiert, wird einem bösen Schicksal zugeschrieben. Kinder Gottes können aber in der Gewissheit leben, dass diese Trennung nicht gilt, sondern sie hinter allem den Gott glauben dürfen, den sie in Jesus Christus kennen.
„Sein Volk“ ist wohl hier der Schlüssel. Was nicht sein Volk ist, hat u.U. zu gewärtigen, dass sein Angesicht gegen sie steht. Was er aber erwählt (AT), bzw. „teuer erkauft (NT) hat, darf auch da, wo er zu fürchten ist, in seinen Lobpreis einstimmen, weil es sein Eigentum ist.
Die Kraft, die Gott ausübt, dient zu seiner Ehre. Die Kraft, die er gibt, dient den Empfängern dazu, zu stehen, zu bestehen und zu widerstehen. In diesem Sinne schreibt Paulus in seinem letzten Brief unter erschwerten Haftbedingungen vom „Geist der Kraft“. Er ist also quasi der bedarfsgerechte Zuschnitt des „Beistands“, den Jesus den Jüngern in Johannes 16 verheißen hat. Interessanterweise bittet Paulus unter diesen Umständen nicht um die nötige Kraft. Er sagt, er besitze sie schon, weil Gott ihm den Geist gegeben hat. Eine sehr steile Glaubensaussage, die aber für die Seelsorge immense Bedeutung hat, weil sie die Gewissheit gegenüber der Sorge deutlich stärkt.
Man könnte vermuten, sein Dienst als Pastor sei Timotheus ziemlich auf den Magen geschlagen, zumal in einem Raubtier-Käfig wie Ephesus. Lieber Timotheus, auch du hast den Geist der Kraft, weil Jesus Christus auch dich nicht als Waisen in deinem Dienst zurückgelassen hat! Paulus mag vielleicht damit gerechnet haben, dass er diesmal nicht wieder freikommt wie beim ersten Mal. Der Kaiser brauchte Sündenböcke. Lieber Paulus, auch auf dem Weg in den Tod hat dein Herr dich nicht als Waisen zurückgelassen, weil er dir seinen Geist des Beistands nie wieder wegnimmt!
An diesem Sonntag nehmen wir Abschied von einer jungen Frau, die zwei Jahre lang in der Kraft des Glaubens ihre Leukämie durchlebt hat und jetzt am Ziel ist. Bis zuletzt war sie Zeugin der Kraft und des Beistandes Jesu Christi und hat vielleicht mehr Mut gemacht, als sie selbst bekommen hat.
Gedanken und Auslegung von Bruder Jens Döhling 27.7.2025